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    Slayed - Wer stirbt als nächstes?
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,5
    enttäuschend
    Slayed - Wer stirbt als nächstes?

    Der #metoo-Killer mit der Bohrmaschine

    Von Tobias Mayer
    In der legendären Eröffnungssequenz von „Scream“ wird Drew Barrymore von einem maskierten Killer zunächst am Telefon verbal terrorisiert, bevor er zum blutigen Angriff übergeht. Wie sehr der 1996 veröffentlichte Slasher-Kultfilm inzwischen gealtert ist, zeigt sich vor allem an der verwendeten Kommunikationstechnik: Wenn ein Killer heute versuchen würde, seine jugendlichen Opfer auf dem – immerhin schnurlosen – Festnetztelefon zu erreichen, könnte er wohl lange warten, bis er mal wieder jemandem die Eingeweide herausreißen kann…

    Im Horror-Schocker „Slayed – Wer stirbt als nächstes?“ haben die jungen Protagonist*innen hingegen ständig ihre Handys in der Hand. Das permanente Chatten, Texten und Liken wird zudem prominent im Bild eingeblendet, wobei man sich schon fragen kann, was dieses Stilmittel hier eigentlich soll. Eine substanzielle Aussage zur modernen Kommunikationskultur ist damit jedenfalls nicht verbunden – und auch bei den Mordszenen, dem Herzstück eines jeden anständigen Slashers, fehlen die zündenden Ideen. Zwar ist der maskierte Killer bei der Wahl seines Mordwerkzeugs erfreulich altmodisch – mit seiner guten, alten Bohrmaschine wäre in Sachen grotesk-blutiger Kills jedenfalls deutlich mehr drin gewesen.

    Trotz Bohrmaschine fehlen dem Killer einfach die Ideen.


    Die Studentenverbindungen der Whiton Universität feiern eine wilde Party, in deren feuchtfröhlichem Verlauf die Studentin Kylie (Isabella Gomez) mit ihrem Kommilitonen Wes Scott (Froy Gutierrez) und anderen Jungs auf einem Zimmer landet. Was genau in der Nacht passiert ist, daran kann sich Kylie am nächsten Tag nicht mehr erinnern. Auf jeden Fall glaubt sie, missbraucht worden zu sein.

    Bald darauf wird Wes, einer der Sportstars der Uni, brutal niedergemetzelt. Während die Polizei die Ermittlungen aufnimmt, begibt sich auch Ellery (Lindsay LaVanchy), die Schwester des Toten, auf Spurensuche. Die Studentin hat den starken Verdacht, dass ihr Bruder vor seiner Ermordung am Missbrauch von Kylie beteiligt war – und Wes wird längst nicht das letzte Opfer des Killers bleiben...

    Vögeln, Texten, Instagrammen


    Im Unterschied zu vielen anderen Slasher-Filmen beginnt „Slayed – Wer stirbt als nächstes?“ nicht mit einem ersten Mord noch vor dem Vorspann. Stattdessen dauert es eine halbe Stunde, bis der Killer das erste Mal tötet. Sicherlich kann es interessant oder gar produktiv sein, die eingefahrenen Sehgewohnheiten so zu untergraben – aber hier ist das ganze Vorgeplänkel einfach nur platt und zäh. Dass „Slayed“ offensichtlich mit vergleichsweise wenig Geld gedreht wurde und auch die Schauspieler*innen nicht viel draufhaben, ist dabei gar nicht das eigentliche Problem. Das besteht vielmehr darin, dass Regisseur John Berardo ein ausgelutschtes Klischee über US-amerikanische Student*innen an das nächste reiht. Die Uni in „Slayed“ scheint also vor allem von dumpf-aggressiven Jungs und feierwütigen Mädels bevölkert zu sein, die gerne Beer Pong spielen, zumindest wenn die „Studierenden“ nicht gerade vögeln, texten oder instagrammen.

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    Mit den immer wieder groß eingeblendeten Chat-Nachrichten und Social-Media-Feeds mag „Slayed“ die gegenwärtige Realität von Kommunikation abbilden, eine wirkliche Haltung dazu lässt sich aber nicht erkennen. Ellery reagiert halt kurz mal genervt, wenn ihr Bruder Wes im Gespräch mit ihr parallel noch textet und deswegen nicht ganz bei der Sache ist. Darüber hinaus wird aber nie klar, warum die moderne Handy-Kommunikation in „Slayed“ so plakativ inszeniert wird, hat sie doch mit der eigentlichen Handlung nicht viel zu tun. Ähnliches gilt für das Cyber-Mobbing – das Thema wird mal kurz stichwortartig von Ellery angesprochen und das war’s dann auch schon wieder.

    Ellery (Lindsay LaVanchy) hat in "Slayed" nicht viel zu lachen.


    Der Plot um Kylie, die sich nicht genau an den mutmaßlichen sexuellen Missbrauch auf der Drogenparty erinnern kann, wirkt zwar schockierend, weil die Da-war-doch-nichts!-Reflexe der Kommilitonen und die Vertuschungsversuche des Rektors erschreckend sind. Trotzdem wird man auch hier den Eindruck nicht los, dass es vor allem darum ging, das MeToo-Thema im Film zu haben, weil es eben dem Zeitgeist entspricht – passend dazu bleibt Kylie eine Nebenfigur, deren Funktion vor allem darin besteht, die Handlung voranzutreiben.

    Im Laufe des Plots türmen sich dann mehr und mehr Leichen auf, ohne dass „Slayed“ dabei jemals so richtig in Fahrt kommen würde. Obwohl der maskierte Killer seinen Opfern mit einer Bohrmaschine zu Leibe rückt, laufen die Morde enttäuschend unspektakulär ab und sind meist schnell wieder vorbei. Spaß macht dabei eigentlich nur eine Sequenz, die unfreiwillig komisch ist, wenn man hinterher darüber nachdenkt: Da wartet der unter dem Bett versteckte Killer nämlich mit der Ermordung eines Typen aus unerfindlichen Gründen, bis der Typ mit dem Wichsen fertig ist.

    Fazit: Ein Low-Budget-Slasher ohne gute Ideen, der mit der Wahl seiner Themen zwar etwas irgendwie „Zeitgeistiges“ anpeilt, sich an seinem eigenen Anspruch dann aber völlig verhebt.



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