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    Jujutsu Kaisen 0
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Jujutsu Kaisen 0

    In Japan & den USA bereits zu Recht ein Megahit!

    Von Michael Meyns
    Den japanischen Anime-Kracher „Jujutsu Kaisen 0“, ein Kino-Prequel zur supererfolgreichen, auf einer Manga-Reihe basierenden Anime-Serie „Jujutsu Kaisen“, kann man sich ganz gut als Mischung aus „X-Men“ und „The Ring“ vorstellen. Vorkenntnisse sind dabei übrigens nicht zwingend nötig, um dem 100-minütigen Film folgen zu können. Die Handlung variiert bekannte Muster, erzählt von Selbstfindung und erster Liebe, garniert mit Slapstick-artigem Humor und zunehmend exzessiven Actionszenen. Was Regisseur Sung-ho Park dabei besonders im Finale an Bilderwelten auffährt, ist unfassbar rasant und überwältigend – und lohnt unbedingt den Weg ins Kino, um „Jujutsu Kaisen 0“ auf einer größtmöglichen Leinwand zu sehen.

    Auf der Tokyo Jujutsu High School werden junge Magiebegabte in der Kunst ausgebildet, Flüche zu besiegen. Das neueste Mitglied der Akademie ist Yuta, der ein besonderes Talent besitzt: Er ist selbst vom Fluch seiner jung verstorbenen Sandkastenfreundin Rika besessen, was ihm potenziell enorme Kräfte verleihen könnte. Aber genau das macht ihn auch zum Ziel für den finsteren Geto, der einst für das Gute kämpfte, sich nun aber ganz der dunklen Seite verschrieben hat. Sein Gegenüber ist Gojo, der mit Geto an der High School einst noch befreundet war und nun als Ausbilder Yuta und seinen Mitschüler*innen die Grundzüge der Zauberei beizubringen versucht…

    An der Magieschule findet sich auch ein überdimensionierter Panda unter den Schüler*innen...


    Die Beziehung von Gojo und Geto erinnert natürlich direkt an die Dynamik zwischen Professor X und Magneto, die auch einst befreundet waren und sich nun im Kampf zwischen Gut und Böse gegenüberstehen. Wendet man auf „Jujutsu Kaisen“ weiter einen von westlichen Comics und Filmen geprägten Blick an, wird man zudem noch weitere Bezüge zu den „X-Men“ feststellen: Hier wie dort finden sich junge Außenseiter*innen mit speziellen Fähigkeiten in einer isolierten Schule zusammen, um gemeinsam zu lernen, ihre besonderen Talente zukünftig kontrollierter einzusetzen. Neben Yuta sind da etwa Zen’in Maki, die ein großes Talent für allerlei Waffen besitzt, sowie Inumaki Toge, ein Fluchredner, der im Alltag allerdings meist nur die Zutaten von Reisbällchen zur Kommunikation verwendet, also in der Regel nur immer und immer wieder „Lachs“ oder „Seetang“ sagt. Und dann ist da noch Panda, der tatsächlich wie ein Riesenpanda aussieht und ungemein knuddelig wirkt.

    Spätestens hier wird deutlich, dass man sich tief in einem sehr japanischen Film befindet, voller seltsamer Figuren, sentimentaler Momente – und exzessiver Gewalt. So sehr die Parallelen zu den „X-Men“ auch ins Auge stechen: Speziell wenn die Schüler*innen gegen Flüche kämpfen, zeigt sich die abgründigere Seite des japanischen Anime-Kinos in ihrer ganzen Pracht. Da werden nicht einfach Laserstrahlen aus den Augen geschossen oder Wirbelstürme entfacht – stattdessen tauchen dort Wesen auf, die aussehen, als wären sie allesamt den verstörendsten Alpträumen entsprungen: einäugige Riesenmonster, Kreaturen, denen der Schleim aus dem Maul trieft, und ein Paar Zwillinge, gegen die selbst die Mädchen aus „Shining“ vollkommen harmlos wirken.

    Im Finale von „Jujutsu Kaisen 0“ dominiert die pure abgründige Bildgewalt die Kinoleinwand.


    Es ist diese Mischung aus leichtem, fast schon albernem High-School-Film und harter Horror-Action, die das Genre des Shōnen Manga prägt. So wird eine besonders erfolgreiche Unterart des Anime bezeichnet, die sich vor allem an männliche Jugendliche richtet. Hier geht es um klare Freund-Feind-Muster, um Freundschaft und zarte Romantik, vor allem aber um Action und visuellen Exzess. Von der erzählerischen Finesse, die Anime-Meisterwerke etwa von Hayao Miyazaki („Chihiros Reise ins Zauberland“) oder Satoshi Kon („Tokyo Godfathers“) prägen, ist ein Film wie „Jujutsu Kaisen 0“ deshalb auch weit entfernt. Und trotzdem ist das, was der südkoreanische Regisseur Park Seong-Hu hier auffährt, oft schlichtweg atemberaubend.

    Gerade im großen Finale, wenn sich die Flüche im epochalen Showdown zwischen Gut und Böse als gigantische Wesen manifestieren, die Bilder kaum noch mehr sind als surreale, expressionistische Momente, mehr einzelne Fetzen von Licht und Blut, beeindruckt „Jujutsu Kaisen 0“ als Aneinanderreihung von puren filmischen Momenten. Allein für dieses Finale der konsequenten Überwältigungsästhetik lohnt sich der Weg ins Kino…

    Fazit: Das bildgewaltige Anime „Jujutsu Kaisen 0“ funktioniert sowohl für Neulinge als auch für Kenner*innen der TV-Serie: Egal ob man die Figuren wiedererkennt oder erst neu kennenlernt, überzeugt die Mischung aus Humor und High School-Film, Horror-Elementen und brachial-rasanter Action.

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