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    Mein Lotta-Leben 2 - Alles Tschaka mit Alpaka
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Mein Lotta-Leben 2 - Alles Tschaka mit Alpaka

    Wieder alles Bingo mit Flamingo!

    Von Helena Berg
    Klassenfahrten mit 13 bestehen aus Hochbett-Tuscheleien mit der besten Freundin, Verknallt-sein, ziemlich viel ziemlich blöd finden und am Ende doch eine richtig gute Zeit haben. Die Klassenfahrt von Lotta (Meggy Marie Hussong) hat dafür nur leider überhaupt keine guten Voraussetzungen: Neben der gefürchteten Lehrerin Frau Kackert (Sarah Hostettler) kommen nämlich ausgerechnet auch noch ihr eigener Vater (Oliver Mommsen) und Chanel, die kleine Schwester ihrer besten Freundin Cheyenne (Yola Streese), mit auf die Reise. Obendrauf gibt es in der Klasse einen neuen Mitschüler, der sich scheinbar unsterblich in Lotta verknallt hat. Eigentlich schon genügend Probleme für eine Woche auf Amrum. Doch dann sieht es so aus, als würde es in der Jugendherberge spuken – und plötzlich ist auch noch Chanel verschwunden…

    Nach „Alfons Zitterbacke 2 - Endlich Klassenfahrt!” kommt nun direkt der nächste Kinderfilm in die Kinos, in dem sich eine Schulklasse mit dem Bus auf den Weg an die deutsche Küste macht. In „Mein Lotta-Leben 2 - Alles Tschaka mit Alpaka” von Martina Plura ist die Hauptfigur aber ein 13-jähriges Mädchen, das zum Glück überhaupt nicht süß und rosa sein muss, sondern meistens ziemlich genervt ist und sich in den entscheidenden Momenten doch entschuldigen kann. Yes!

    Keine Frage, Alpakas machen jeden Film besser!


    Diese Realitätsnähe ist dem Rest der Klasse allerdings leider abhandengekommen - hier gibt es die Barbie-Fraktion mit rosa und türkisen Chanel-Kostümen, die Rocker mit Silberschmuck und schwarzer Kleidung, sowie Chanel und Cheyenne aus der Plattenbausiedlung. Da macht sich der Film trotz aller guter Absichten eben doch über soziale Schichten lustig und reproduziert (Geschlechter-)Klischees: Während der verliebte Schüler aus Frankreich kommt, hat der Sozialarbeiter in der Jugendherberge einen türkischen Background – und natürlich knutscht die „Tusse” der Klasse mit dem um Jahre älteren Bad Boy.

    Gerade Macher*innen von Kinder- und Jugendfilmen sollte hier bewusst(er) sein, welche Chance sie haben, junge Menschen in ihrer Lebensrealität abzuholen und trotzdem neue Geschichten zu erzählen. Filme können doch fast so sein wie Klassenreisen: Vertrautes in einer neuen Form erleben, mit geballten Emotionen und Lektionen, die man nie wieder vergessen wird. Zum Glück gelingt es der Komödie neben den Klischees, auch wichtige Werte zu vermitteln. Denn als Chanel verschwindet, müssen die unterschiedlichen Cliquen auf einmal zusammenhalten und so gemeinsam – statt durch waghalsige Aktionen – ans Ziel kommen. Statt einer romantischen Liebesgeschichte steht der Umgang mit Lottas eigenen Gefühlen im Vordergrund und ihr Vater stellt gen Ende richtigerweise fest, dass sowohl Jugendliche als auch Erwachsene sich manchmal ziemlich daneben verhalten. Toll, dass in „Mein Lotta-Leben” (generationsübergreifend) über Probleme gesprochen wird.

    Die üblichen Cliquen-Klischees werden zumindest in der zweiten Hälfte des Films ein Stück weit aufgebrochen.


    Lobenswert ist es auch, dass Tampons und Binden im Film relativ selbstverständlich miterzählt werden und so vielleicht zu einigen Fragen bei den jüngeren Zuschauer*innen führen. An dieser Stelle kann man auch erwähnen, dass „Mein Lotta-Leben” wahrscheinlich bei Kindern und Jugendlichen am besten ankommt, die jünger als die Filmfiguren sind. Für 13-Jährige ist die Komödie eher zu soft erzählt, setzt auf Bilder von süßen Lamas und den Humorfaktor von Kotzen und Schlammschlachten. Auch die Gruselgeschichte wird nicht voll ausgereizt, obwohl hier noch Raum für mehr Spuk gewesen wäre. Trotzdem ist es sehr bereichernd, dass es sie überhaupt gibt, genauso wie die kreativen Illustrationen, die schon Bestandteil des Vorgängerfilms „Mein Lotta-Leben - Alles Bingo mit Flamingo!” waren.

    Und natürlich ist am Ende nach einiger Aufregung alles „Tschaka mit Alpaka” und die Klasse fährt mit einem Satz nach Hause, der wohl nie aus der Mode kommen wird: „Einer für alle und alle für einen!“

    Fazit: Trotz der üblichen Klischee-Cliquen gelingt es „Mein Lotta-Leben 2 - Alles Tschaka mit Alpaka” wichtige Themen wie Zusammenhalt und Kommunikation anzuschneiden. Für Zuschauer*innen unter 13 ein echtes Feelgood-Movie an der Nordseeküste.

     

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