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    Green Card
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,0
    stark
    Green Card
    Von René Malgo
    Zuerst heiraten, dann verlieben… wie das geht, zeigt Peter Weir in seiner unglaublich charmanten Romantik-Komödie „Green Card“ mit Gérard Depardieu und Andie MacDowell in den Hauptrollen. Für die ansprechende Idee zum Film gab es 1991 eine Oscarnominierung in der Kategorie „Bestes Original-Drehbuch“.

    Georges (Gérard Depardieu) muss eine Amerikanerin heiraten, um die heiß begehrte Green Card zu erhalten, die ihn dazu berechtigt, auf Lebenszeit im gelobten Land zu bleiben. Die pflanzenliebende New Yorkerin Brontë (Andie MacDowell) muss irgendjemanden heiraten, um ihre Traumwohnung mitsamt Gewächshaus zu erhalten. So wollen es die konservativen Vermieter um die schrullige Mrs. Bird (Jessie Keosian). Auf Vermittlung eines gemeinsamen Freundes gehen Georges und Brontë eine Scheinehe ein. Zu dumm, dass die Einwanderungsbehörde eben aus jenem Grund seit geraumer Zeit die Ehen zwischen Amerikanern und Ausländern prüft. Als Georges und Brontë die Vertreter der Behörde beim ersten Mal nicht überzeugen können, müssen sie bis zum nächsten Termin tatsächlich Ehepaar spielen…

    Auf den ersten Blick könnten Lebemann Georges und die durchorganisierte Körnerfresserin Brontë gegensätzlicher nicht sein. Aus diesen Gegensätzen und ganz bewusst gepflegten Klischees zieht der Film seinen größten Reiz. Der Zuschauer kann sich schon lebhaft vorstellen, was so alles passieren wird, wenn der resolute Georges bei der feinfühligen Brontë einzieht. Das schürt Vorfreude auf amüsante Verwicklungen und beschert herzhaftes Lachen, wenn Georges und Brontë dann zielstrebig in die vom Skript bereitgelegten Fettnäppchen stapfen. Dass die beiden sich dabei am Ende noch verlieben, ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

    Regisseur und Drehbuchautor Peter Weir (Die Truman Show, Picknick am Valentinstag, Master And Commander) gelingt es, diese halbwegs Liebesgeschichte glaubhaft und mit einem großen Augenzwinkern zu erzählen. Der locker-flockige Umgang mit den Klischees über fleischvertilgende Franzosen und vegetarische Pflanzenfetischist(inn)en ist höchst amüsant. Die Geschichte wartet mit netten Einfällen auf (aus Komponist für Ballett und politischer Flüchtling wird z.B. politisches Ballett) und besticht durch seine liebevollen Charakterisierungen. Der Betrachter nimmt es Georges und Brontë irgendwann irgendwie ab, dass sie sich irgendwann in einander verlieben. Was sich liebt, das neckt sich bekanntlich.

    Einfallsreiche Situationskomik und sprühender Dialogwitz heben das Niveau über den gängigen RomCom-Durchschnitt. In „Green Card“ sind Klischees und Vorurteile nämlich dazu da, um ironisierend aufgegriffen zu werden. Der Kitschgehalt liegt praktisch bei null; was an Peter Weirs zurückhaltender Regie und Hans Zimmers (Gladiator, Pearl Harbor) unaufdringlicher, musikalischer Umrahmung liegen mag. Überhaupt bedient sich diese romantische Komödie nicht beim üblichen Repertoire an herzschmerzenden Pop- und Rocksongs, sondern bietet neben dem offiziellen Soundtrack Stücke aus Mozarts Kompositionen oder von Enya. Das passt zur Stimmung des Films. „Green Card“ ist eine jener Komödien, die dem gestressten Alltagsmenschen zur Erholung anbefohlen sei. Vor brachial-humoristischen Anfällen oder hysterisch-emotionalen Ausbrüchen braucht sich der geneigte Betrachter beim angenehm ruhig und unaufgeregt gehaltenen „Green Card“ nicht fürchten. Gänzlich emotionslos ist der Film deswegen nicht. Im Gegenteil. Gerade weil „Green Card“ eher leisere Töne anstimmt, werden die richtigen Saiten in den Zuschauerherzen getroffen. So ist z.B. eine Szene, in der sich Fettnäppchenspringer Georges am Klavier für die genervte Brontë einsetzt, ebenso umwerfend komisch, wie ehrlich berührend.

    Weirs Regie ist subtil, die Bilder sind schön, die Atmosphäre stimmig. Inszenatorisch spielt die romantische Komödie in der obersten Liga Hollywoods. Darstellerisch auch. Gérard Depardieu (Ruby und Quentin, Noch einmal Ferien) mimt den Klischeefranzosen Georges in seiner ersten Hollywoodrolle voller Inbrunst und erobert die Herzen der Zuschauer im Sturm. Fast schon undankbar ist da die Rolle der zugeknöpft wirkenden Brontë. Doch Andie MacDowell (Short Cuts, … täglich grüßt das Murmeltier) weiß ihren nicht immer einfachen Charakter sehr sympathisch mit sprödem Charme auszufüllen. Am Ende hat das Publikum das Paar ins Herz geschlossen. Die Nebenrollen sind ebenso geeignet besetzt. Vor allem die Szenen mit Jessie Keosian als die misstrauische, alte Mrs. Bird und Bebe Neuwirth als Brontës geschwätzige Freundin Lauren sind für einige Lacher gut.

    Der Schlusspunkt des Films entspricht nicht unbedingt dem üblichen Hollywood-Genre-Standard. Das mag an der Thematik liegen. Denn politisch korrekt wäre es nicht, würden Brontë und Georges mit ihren Betrug davon kommen. So steuert die Geschichte in eine absehbare Richtung, geht aber doch ganz versöhnlich aus. Immerhin darf dann der emotionale Zuschauer seine oder ihre Tränchen vergießen.

    Fazit: „Green Card“ ist ein schöner Film: Romantische Unterhaltung auf gehobenem Niveau, von leichter Hand inszeniert. Empfehlenswert.
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