Ob mir ein Film gefällt, hängt auch davon ab, ob ich ihn mir ein zweites Mal ansehen würde. Das ist bei „One Battle After Another” nicht der Fall. Daran ändern auch die vielen Oscars, die der Film gewonnen hat, nichts. Dieser Preis wird oft politisch vergeben oder untereinander zugeschoben. Mir kommt es zumindest so vor. Er hat nicht den gleichen Stellenwert wie die Goldene Palme in Cannes, wo echte Kunst meistens noch gewürdigt wird.
Aber das soll gar nicht mein Kritikpunkt sein. Hier ist ein Film entstanden, der viele bereits gedrehte Filme und Figuren nachahmt, aber nichts darstellt, das ich als neuartig oder erzählungswürdig bezeichnen würde. Der Film hat phasenweise humoristische Momente, die bei mir ein kleines Schmunzeln hervorriefen, aber auch nicht mehr. Gequält versucht der Film, eine politische Botschaft an die Zuschauer zu vermitteln. Dabei wird der Widerstand gegen die unmenschliche US-amerikanische Migrationspolitik teilweise kriminalisiert und ins Lächerliche gezogen, während das Handeln der politisch Rechten bagatellisiert wird. Sean Penn spielt den Militäroffizier Steven J. Lockjaw sicherlich gut, doch seine Rolle ist eine Karikatur eines in sich zerrissenen, rechtsextremen und von Testosteron getriebenen Patrioten. Diese widerwärtige Figur hinterlässt einen mit der Frage, ob man sie vielleicht sogar mögen müsste, da sie so unbeholfen und armselig von patriotischer Ideologie und sexueller Abhängigkeit zu einem Fehltritt nach dem anderen stürzt, dass man fast Mitleid mit ihr haben könnte. Die Rolle zeichnet auch das Machorollenbild amerikanischer Männer nach, an deren Spitze aktuell der Prototyp dieser Männer die reale Welt geißelt.
Obwohl er sich als satirischer Politthriller versteht, ist der Film am Ende unpolitisch, belanglos und künstlerisch inhaltsleer. Vielmehr geht es um Klamauk und bunte, lustige Bilder, die mit hoher Geschwindigkeit aneinandergereiht werden. Das Visuelle wird in den Vordergrund gedrängt und mit einem schrillen, nervigen Soundtrack unterlegt, um die Zuschauer bei der Stange zu halten.
Der Film startet sexualisiert im ersten Drittel, in dem eine der Hauptfiguren, die afroamerikanische Darstellerin Teyana Taylor, die Perfidia Beverly Hills spielt, stark auf ihr Gesäß reduziert wird. Sie spielt ihre Rolle zu klischeehaft wie eine Selbstdarstellung aus einem RnB-Video, was mich als Zuschauer verwirrt zurücklässt. Ich besitze wenig Fantasie und kann sie in der Rolle als Aktivistin für Menschenrechte nur schwer ernst nehmen. Das bedeutet natürlich nicht, dass Aktivist*innen keine Sexualität besitzen oder Objekte der Begierde sein dürfen, aber da Taylor vordergründig Sängerin und Tänzerin ist, übertünscht dies viele der Szenen, in denen sie als mutige Aktivistin ein Statement hätte setzen können.
Leonardo DiCaprio spielt routiniert den zugekifften Untergrundkämpfer Pat „Ghetto Pat“ Calhoun, der stark an den Dude aus „The Big Lebowski“ erinnert. Er hat sichtlich Spaß an seiner Rolle, doch er interpretiert sie nicht grandios, sondern folgt systemisch den altbekannten Mustern seiner erlernten Schauspielkunst. Das ist für einen Film, der in Hollywood als bester prämiert wurde, einfach zu wenig, um mich abzuholen.
In einer weiteren Nebenrolle glänzt zumindest Benicio del Toro als tiefenentspannter Sensei Sergio (Sergio St. Carlos). Er schafft es, mit seiner Präsenz als Unterstützer von Leonardo DiCaprio phasenweise auch die Bilder zu beruhigen, und wird sicherlich ein im Gedächtnis bleibender Sympathieträger sein.
Positiv möchte ich auch die Verfolgungsjagd am Ende in der Wüste erwähnen, die kurzfristig großes Hollywoodkino vergangener Tage erweckt. Das reicht jedoch nicht aus, um mich aus dem Hocker zu reißen.
Es bleibt dabei: Die großen Filme werden schon lange nicht mehr in der einstigen Traumfabrik produziert, sondern nur noch teuer produzierte Discounterware, die das Popcorn nicht wert ist, aber konzipiert wurden, um die Massen zum Bezahlen zu animieren.