Street Fighter
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,5
durchschnittlich
Street Fighter

Ein uneingelöstes Versprechen

Von Stefan Geisler

Was Filmadaptionen angeht, hat sich das „Street Fighter“-Franchise in der Vergangenheit nicht gerade mit Ruhm bekleckert. „Street Fighter – Die entscheidende Schlacht“ aus dem Jahr 1994 verdankt seinen heutigen Kultstatus eher der Tatsache, dass dieses campy B-Movie mit aller Konsequenz an der Vorlage vorbei inszeniert wurde – sowie einem grandios überdrehten Raúl Julia, der in seiner Rolle als Oberbösewicht Bison bis heute in der Meme-Kultur gefeiert wird. Auch der nächste Anlauf erwies sich als Totalausfall, denn „Street Fighter: The Legend of Chun-Li“ aus dem Jahr 2009 wurde trotz eines 50-Millionen-Budgets von der Presse abgestraft – und vom Kinopublikum ignoriert. Was beide Filme eint: die angesichts der Fighting-Game-Vorlage erstaunliche Abwesenheit von erinnerungswürdigen Martial-Arts-Einlagen.

Dementsprechend erfreut waren die Fans, als der erste Trailer des neuen „Street Fighter“-Blockbusters von „Beef“-Schöpfer Kitao Sakurai veröffentlicht wurde: knallbunte Arenen, krachende Action, brettharte Kämpfe und exakt nachgebildete Outfits – der Leinwand-Reboot versprach, eine wild-chaotische Party zu werden. Leider kann das Ergebnis die im Vorfeld geweckten Erwartungen nicht vollständig einlösen, denn auch diesmal gibt es wieder nur wenig spektakuläre Kämpfe zu bieten – und trotz der stolzen Laufzeit von zwei Stunden und dementsprechend unnötig aufgeblasener Story fängt „Street Fighter“ eigentlich erst dann so richtig an, wenn fast schon wieder der Abspann läuft.

Die bis ins Detail stimmig nachgebildeten Kostüme aus „Street Fighter“ sehen richtig gut aus. Paramount Pictures
Die bis ins Detail stimmig nachgebildeten Kostüme aus „Street Fighter“ sehen richtig gut aus.

Nach einem schweren Bruch kreuzen sich die Wege von Ryu (Andrew Koji) und Ken Masters (Noah Centineo) im Jahr 1993 erneut. Die geheimnisvolle Chun-Li (Callina Liang) rekrutiert die einstigen Freunde und Trainingspartner für das legendäre World Warrior Tournament, bei dem die besten Kämpfer*innen aus aller Welt gegeneinander antreten. Aber während die Teilnehmenden im Ring ihre Kräfte messen, verfolgt der skrupellose M. Bison (David Dastmalchian) im Hintergrund einen teuflischen Plan.

Um das sinistre Vorhaben zu verhindern, müssen sich Ryu und Ken nicht nur ihren persönlichen Dämonen stellen, sondern auch ihre alten Differenzen überwinden. Nur gemeinsam kann es gelingen, die drohende Gefahr abzuwenden. Doch in Ryu erwacht eine düstere Macht – und die Situation droht so vollständig außer Kontrolle zu geraten …

Ein wirklich wilder Style-Mix

Es ist kaum zu glauben, aber „Street Fighter“ wirkt in vielen Belangen wie eine geistige Fortführung des Totalausfalls „Street Fighter – Die entscheidende Schlacht“. Das beginnt schon damit, dass sich die Neuauflage in derselben Zeit verortet wie ihr Vorgänger – und dieses Jahrzehnt auch ästhetisch gnadenlos abfeiert: MTV-Logos flackern in analoger TV-Optik über die Leinwand und Ken Masters zeigt einem Kamerateam seine Prachtvilla in einem „Follow Me Around“. Gerade die bewusst bescheidenen Greenscreen-Animationen katapultieren das Publikum voller Pixel-Nostalgie direkt zurück in die Neunzigerjahre. Ohnehin ist „Street Fighter“ visuell eine wilde Mischung, bei der auch die extreme CGI-Künstlichkeit ganz bewusst zum Programm gehört. Unterbrochen wird die im Jahr 1993 angesiedelte Haupthandlung zudem immer wieder durch kurze animierte Rückblenden ins Jahr 1987 (sicher nicht zufällig auch das Release-Jahr des ersten „Street Fighter“-Games“), welche die Hintergrundgeschichte von Ryu und Ken beleuchten.

Gerade diese Anime-Schübe sind eine angenehme Überraschung, die die Herzen der Zocker*innen höherschlagen lassen dürfte. Diese Einspieler nehmen nämlich überraschend viel Raum ein und präsentieren „Street Fighter“ in genau jenem Look, den sich ein Großteil der Community seit Jahren wünscht. Vielleicht erhört Hollywood ja doch noch die Gebete der Fans und beschenkt uns eines Tages tatsächlich mit einem neuen abendfüllenden Anime. Neben den Zeichentrick-Sequenzen gibt es in „Street Fighter“ aber auch weiteren gelungenen Fan-Service: ikonische Soundeffekte sind ebenso massig eingebaut wie Stage-Soundtracks und stimmige Kurzauftritte von beliebten Nebenfiguren. Sogar das legendäre Bonus-Level aus „Street Fighter II“ wird aufgegriffen – endlich sehen wir in „echt“, wie ein Auto mit bloßer Muskelkraft zu Schrott gehauen wird.

Nur ganz kurz, aber trotzdem ein Highlight für Fans: Die legendäre Auto-Bonus-Stage ist zum Glück auch mit von der Partie! Paramount Pictures
Nur ganz kurz, aber trotzdem ein Highlight für Fans: Die legendäre Auto-Bonus-Stage ist zum Glück auch mit von der Partie!

Mit der Verpflichtung des Regisseurs Kitao Sakurai war bereits abzusehen, dass wir keine reine Martial-Arts-Sause bekommen würden. Dennoch blieb die Hoffnung auf eine gehörige Portion Wahnwitz. Schließlich hatte sich Sakurai durch seine Arbeit an der Anarcho-Comedy-Show „The Eric Andre Show“ und deren Leinwand-Ausflug „Bad Trip“ – einer Mischung aus Buddy-Comedy und Prank-Show mit versteckter Kamera – einen Namen gemacht. Leider zünden gerade die humoristischen Momente viel zu selten oder stoßen sogar in unangenehme Cringe-Gefilde vor. Warum beispielsweise gleich mehrfach sexualisiert an Chun-Lis Füßen geschnüffelt werden muss, weiß wahrscheinlich nur der Filmemacher selbst. Ähnliches gilt für die unterschwelligen queeren Anspielungen, mit denen US-Air-Force-Pilot Guile immer wieder bedacht wird. Beides wirkt aus der Zeit gefallen und sorgt eher für peinliches Schweigen.

Nicht viel besser kommt Blitz-Monster Blanka weg. Das von Jason Momoa verkörperte Urwald-Ungetüm verkommt zur reinen Witznummer – und hinterlässt höchstens durch seine nach Hotdogs müffelnden Achseln Eindruck. Dass ausgerechnet der im Spiel als Inside-Joke konzipierte Dan hier noch halbwegs positiv wegkommt, war so nicht abzusehen. Dieser von Andrew Schulz („You People“) verkörperte Möchtegern-Fighter ist zwar ein nerviger Einfaltspinsel und bekommt insgesamt etwas zu viel Leinwandzeit zugesprochen, trägt sein Herz jedoch am rechten Fleck. Im großen Finale darf er sogar noch in einem kurzen Moment seine Kämpfer-Qualitäten unter Beweis stellen.

Zu wenig Action – zu viel Handlung

Wie fantastisch „Street Fighter“ hätte werden können, zeigt sich in einer Kampfszene zwischen Andrew Koji als Ryu und Hirooki Goto als E. Honda. In einer Dampfsauna kommt es zum Schlagabtausch der beiden Super-Fighter. Mit viel Witz und Liebe zum Detail inszeniert Regisseur Kitao Sakurai das Aufeinandertreffen dieser beiden Videospiel-Ikonen – und nutzt dabei geschickt die besonderen Gegebenheiten des Settings. Wenn Honda hier zum „Hundred Hand Slap“ ansetzt oder mit seinem „Sumo Headbutt“ wie ein kräftiger Pfeil durch die Lüfte saust, dürften Fans ein breites Lächeln im Gesicht haben.

Genau diese Mischung aus knallenden Martial-Arts-Einlagen und verrücktem Witz sollte eine „Street Fighter“-Adaption ausmachen. Umso ärgerlicher, dass sich ausgerechnet das angekündigte große Turnier letztlich als Luftnummer herausstellt – und wir das Aufeinandertreffen vieler beliebter Figuren gar nicht – oder nur im Ansatz – sehen. Stattdessen bekommt – wie schon in „Street Fighter – Die entscheidende Schlacht“ aus dem Jahr 1994 – wieder einmal M. Bison mit seinen schurkischen Welteroberungsfantasien zu viel Platz eingeräumt.

Wie können Ryu (Andrew Koji) und Ken (Noah Centineo) den finsteren Möchtegern-Diktator M. Bison (David Dastmalchian) jetzt noch stoppen? Paramount Pictures
Wie können Ryu (Andrew Koji) und Ken (Noah Centineo) den finsteren Möchtegern-Diktator M. Bison (David Dastmalchian) jetzt noch stoppen?

Bedauerlicherweise haben die Macher hinter „Street Fighter“ von Beginn an eine Nummer zu groß gedacht. Statt sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und eine kurzweilig-verspielte Videospiel-Prügelei auf die große Leinwand zu bringen, wird eine Geschichte erzählt, die nach den 120 Minuten Laufzeit eigentlich erst richtig Fahrt aufnimmt. Ganze zwei Stunden nimmt sich der Film Zeit – und verwendet dann trotzdem mehr Raum für die Sketch-Improvisationen von Eric André als für das selbst ursprünglich nur aus sieben Duellen bestehende Turnier.

So verlässt man den Kinosaal ein bisschen ernüchtert und abwartend. Ob überhaupt ein zweiter Teil kommen und den aufgeschobenen Abschluss der Handlung noch nachliefern wird, dürfte in großem Maße von den Einspielzahlen der kommenden Wochen abhängen.

Fazit: Es hätte so schön werden können, aber letztendlich bleibt der mehr auf Sketch-Humor als auf Stage-Duelle setzende „Street Fighter“ nach den fantastischen ersten Trailern ein weitgehend nicht eingelöstes Versprechen. Nur stellenweise blitzt die Magie des Arcade-Kloppers auf, die allzu oft von einer unnötig überladenen Story erdrückt wird. Dass der Film schlussendlich sogar mit einem gigantischen Cliffhanger endet, der eine Auflösung in ein potenzielles Sequel verschiebt, schmälert das Kinoerlebnis zusätzlich.

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