Chainsaw Man - The Movie: Reze Arc
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
4,0
stark
Chainsaw Man - The Movie: Reze Arc

Nach „Demon Slayer“ direkt der nächste bildgewaltige Anime-Overkill

Von Michael Meyns

Auf den ersten Blick erinnert „Chainsaw Man – The Movie: Reze Arc“, die Kinofortsetzung des bereits als Manga- und Anime-Serie erfolgreichen „Chainsaw Man“-Franchises, an den erst kürzlich supererfolgreich gestarteten „Demon Slayer: Kimetsu no Yaiba Infinity Castle“. Schließlich sprechen die exaltierten, überbordenden Bilder für eines jener typisch-japanischen Animations-Abenteuer, bei dem der Kampf zwischen Gut und Böse mit fantastischen Kreaturen und Monstern ausgefochten wird.

Aber dann beginnt der von Tatsuya Yoshihara inszenierte Film erstaunlich bedächtig. „Chainsaw Man – The Movie: Reze Arc“ fühlt sich zunächst tatsächlich eher wie eine Highschool-Romanze an, bevor er sich zu einem gigantomanischen Action-Exzess entwickelt, der selbst die ausufernden Schlachten aus Michael Bays „Transformers“-Reihe locker in den Schatten stellt. Nur eben mit einem zentralen Unterschied: Am Ende geht es hier nicht um das Überleben der Menschheit, sondern tatsächlich „nur“ um die Eroberung eines Teenager-Herzens.

Sobald er sich in den titelgebenden Chainsaw Man verwandelt, hat Denji plötzlich Motorsägen anstelle seiner Hände und seines Kopfes. Crunchyroll
Sobald er sich in den titelgebenden Chainsaw Man verwandelt, hat Denji plötzlich Motorsägen anstelle seiner Hände und seines Kopfes.

Nach dem großen finalen Kampf, mit dem die erste TV-Staffel von „Chainsaw Man“ endete, wacht der Protagonist Denji erschöpft in seiner Wohnung auf, die er sich mit anderen Teufelsjägern teilt. Seit einem Vorfall mit der Mafia verwandelt sich der 16-jährige Teenager bisweilen in den titelgebenden Chainsaw Man – ein teuflisches Wesen, das statt Kopf und Hände Kettensägen besitzt. Manchmal fühlt sich Denji deswegen nicht mehr als richtiger Mensch, aber nach einem Kino-Date mit seiner Chefin Makima stellt er zumindest erfreut fest, dass er offensichtlich noch immer ein Herz hat.

Und eben dieses Herz ist das Ziel des Hybrid-Dämonen Reze: In menschlicher Gestalt taucht dieser als brave Schülerin auf, die sich jedoch bald in ein gleichermaßen aufreizendes wie blutrünstiges Wesen verwandelt. Als solches stürzt sich Reze in den Kampf um Denjis Herz – ganz egal, ob dabei notfalls auch halb Tokio plattgemacht wird…

Der absolute Action-Overkill

„Könntest du Schimmel in ihr Gehirn pflanzen“, lautet eine Frage in „Chainsaw Man – The Movie: Reze Arc“, nachdem sich ein teuflisches Wesen in scheinbar selbstmörderischer Absicht den Kopf weggesprengt hat, nur um trotz allem wieder zum Leben zu erwachen und stattdessen seine beiden Angreifer zu enthaupten. Kurz darauf wird die wiedergeborene Teufelskreatur jedoch auch schon vom auf einer Art fliegendem Hai reitenden Chainsaw Man verfolgt, der sich selbst von einem gigantischen Taifun und dessen Schneise der Verwüstung nicht aufhalten lässt. Ja, es fällt nicht immer leicht, den Wendungen und Wirrungen von „Chainsaw Man – The Movie: Reze Arc“ zu folgen. Zumal das absurde Figurenkabinett von einem lebensmüden Engel über einen Hai in Menschengestalt bis hin zu einem freundlichen Monster mit mittelalterlicher Pestmaske reicht.

Bei allem visuellen Exzess und vielfältigem Personal wird jedoch zunehmend klar, dass es hier im Kern um nicht mehr geht als das Herz von Denji. Der war einst ein „ganz normaler“ Teenager, der durch Umstände selbst zu einem jener Monster wurde, die er als Teufelsjäger eigentlich bekämpfen sollte. Zwar hat er sich entschieden, trotzdem für die gute Seite einzustehen, doch seine Existenz als eine Art Zwitterwesen, das meist als Teenager Denji durch die Straßen streift und dann wieder als Chainsaw Man das Böse bekämpft, lässt ihn an seiner Menschlichkeit zweifeln. Zwei Mädchen sind es nun, die ihn davon überzeugen, dass er tatsächlich ein Herz besitzt, und zwischen denen er sich entscheiden muss. Natürlich ein feuchter Traum für das (männliche) Anime-Publikum, aber auch für Denji selbst, in dessen Fantasie sich einige Lolita-hafte Traumsequenzen zusammensetzen.

Das einzig wahre „Haustier“ für den Chainsaw Man: ein fliegender Hai mit sechs Augen! Crunchyroll
Das einzig wahre „Haustier“ für den Chainsaw Man: ein fliegender Hai mit sechs Augen!

Die schlüpfrige Fantasie des (Anti-)Helden erweist sich als zwiespältige Seherfahrung, selbst wenn sich Reze später, wenn sie ihre Schulmädchen-Fassade ablegt, zu einem leicht bekleideten, tief dekolletierten Wesen wandelt, das selbst in freizügigen Heavy-Metal-Comics aus den 1970ern nicht fehl am Platz gewesen wäre. Dass es aber gerade Denjis Verliebtheit war, die sich Reze für ihre finsteren Pläne zu Nutzen macht, verleiht „Chainsaw Man – The Movie: Reze Arc“ bei allem Exzess eine erstaunliche Bodenhaftung.

Denn auch wenn fast die gesamte zweite Hälfte des Films für einen immer exaltierteres Action-Exzess draufgeht, der in zunehmend losgelöste Bilder abdriftet, die so schnell geschnitten auf die Netzhaut prallen, dass sie eher instinktiv als bewusst wahrgenommen werden können: Am Ende steht hier im Gegensatz zu gefühlt jedem zweiten MCU- oder DC-Film nämlich nicht die gesamte Menschheit oder gleich das ganze Universum auf dem Spiel, sondern nicht mehr und eben auch nicht weniger als die Gefühlswelt eines Teenagers.

Fazit: Selbst wenn man die erste Staffel der Anime-Serie nicht kennt, bereitet die Kinoversion „Chainsaw Man – The Movie: Reze Arc“ großes Vergnügen – denn trotz der gigantischen Bilder samt Motorsägen-Gemetzeln, die einem immer wieder den Atem rauben, geht es im Kern um ganz bodenständige Dinge, nämlich das Herz eines Teenagers, das hier gleich auf doppelte Weise in Gefahr ist.

Möchtest Du weitere Kritiken ansehen?
Das könnte dich auch interessieren