Flickering Lights
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4,0
Veröffentlicht am 1. Juni 2026
„Die sind alle nicht ganz dicht, siehts du das nicht? Die haben alle ‚ne Macke.“ Dieser Satz von einem der Protagonisten fasst den Film eigentlich ganz gut zusammen. Es geht um die Geschichte von vier ziemlich schrägen Typen, die eher zufällig in einem alten, verlassenen Restaurant stranden und im Verlauf jeder auf seine Weise zu sich selbst findet. Die vier sind seit der Kindheit befreundet und in Rückblicken wird auch schrittweise die Biografie und die dort verwurzelten Traumatisierungen offenbart. So wird – zumindest in Ansätzen – erklärbar, warum sei heute so sind, wie sie sind.

Torkild ist gewissermaßen der Anführer der Gruppe, er will sein kriminelles Leben hinter sich haben und träumt davon, dieses Restaurant zu renovieren. Er ist immer ein bisschen die Stimme der Vernunft und versucht, die Truppe wie eine Familie zusammenzuhalten. Arne ist ein total durchgeknallter Psycho, hervorragend dargestellt von dem wie immer großartigen Mads Mikkelsen. Er liebt Schusswaffen, hat erhebliche Probleme in der sozialen Interaktion und liefert einige der wirklich, wirklich witzigen Szenen des Films. Seine Begegnung mit dem Jäger Alfred (toll: Ole Thestrup) und ihr Dialog über Waffen ist einfach nur saukomisch. Dann gibt es da noch Stefan, der immer irgendwie etwas kindlich wirkt und stark von seiner Freundin Hanne beeinflusst wird. Und Peter hat ein Kokainproblem, und hat im Verlauf einige krasse Ausraster, wodurch es auch zu einigen abgefahrenen Situationen kommt – Stichwort: Kühlkammer.

Ich habe manchmal so meine Probleme mit dem unterkühlten dänischen Humor und der Art der Inszenierung von Anders Thomas Jensen, „Dänische Delikatessen“ und „In China essen sie Hunde“ haben bei mir gar nicht funktioniert, aber „Blinkende Lichter“ finde ich absolut großartig! Die Chemie zwischen den Figuren ist hervorragend und der Humor ist so abgefuckt kühl und trocken, ich musste mehrere Male richtig laut auflachen. Das Highlight für mich ist auf jeden Fall Mads Mikkelsen, sein Arne ist so dermaßen over the top verrückt, Mikkelsen spielt mehrmals am Rande des Wahnsinns und auch darüber hinaus. Schon die Art wie er sich bewegt, so komisch steif und verkrampft ist zum Schießen!

FAZIT: Total abgefahrene, überdrehte, vogelwilde dänische Komödie über vier kaputte Existenzen, die im Verlauf des Films aber jeder auf seine eigene Weise wieder zurück ins Leben und auch zu sich selbst finden. Toll besetzt, mit einem arschtrocknen Humor, aber gleichzeitig auch so herzerwärmend, man muss die vier Jungs einfach liebhaben. Ganz klare Empfehlung von mir! 
Cursha
Cursha

7.501 Follower 1.067 Kritiken User folgen

4,5
Veröffentlicht am 14. Juni 2017
"Flickering Lights" ist eine hervorragende, rabenschwarze Komödie von Anders Thomas Jensen und liefert hiermit meinen Lieblingsfilm aus seiner Schmiede. Aber die Figuren laufen so herrlich aus der Spur, dass es Spaß macht ihnen dabei zu zusehen, wie sie sich mit ihren Geistern auseinandersetzen und dabei mal nebenbei doch entschließen ein Restaurant zu eröffnen. Da kann auch mal das Eier ausblasen für die Ein oder Andere zum Problem werden.
Kino:
Anonymer User
5,0
Veröffentlicht am 16. Juli 2016
Eines der kleinen Meisterwerke aus Skandinavischer Hand. Mehrmals gesehen. Viel viel besser als erwartet. Top! Ich hätte noch doppelt so lange gucken können..
Kino:
Anonymer User
4,0
Veröffentlicht am 5. Dezember 2010
Als Torkild von der Feier seines 40. Geburtstags kommt, ist er ganz schön niedergeschmettert. Seine Freundin hat ihn verlassen, seine Freunde schenken ihm eine AK-47 und einer seiner Geschäftspartner hat noch eine Rechnung mit ihm offen, imdem er ihm unmissverständlich klar macht, dass er um Gedei und Verderb den nächsten Auftrag ausführen muss: er sieht sich gezwungen, nachts den Safe eines Mannes aufzuräumen und die Beute bei seinem Boss abzuliefern. Gesagt, getan: mit seinen drei skurillen Komplizen gelingt ihm der Coup. Aber anstatt wie abgemacht der Vereinbarung nachzukommen, beschließen die vier – obwohl einer angeschossen wurde – sich aufzumachen nach Barcelona, wo sie mit den vier Millionen im Koffer ein neues Leben beginnen wollen. Sehr weit kommen sie aber nicht, denn nachdem ihr Auto den Geist aufgibt, entschließen sie sich, vorerst in einem nahegelegenen Waldhaus im dänischen Hinterland zu rasten...

''Flickering Lights'' erzählt eine geradezu absurde Geschichte mit noch schrägeren Typen und einem ordentlichen Schuss schwarzem Humor. Klingt ziemlich abgefuckt, aber es funktioniert, und zwar richtig, richtig gut. Die Groteske erweist sich als hervorragender Mix aus Heistthriller und Tragikomödie. Auf diese Weise legt der Film gleich zu Beginn mit unbeschreiblich witziger Komik los und führt straff durch das Geschehen. Ein wenig zu straff vielleicht, wenn man bedenkt, dass ''Flickering Lights'' seinen ersten Plot Point – den Entschluss, mit der gesamten Kohle abzuhauen, anstatt alles wie geplant ablaufen zu lassen – mit gerade einmal 20 Minuten Leinwandzeit zu früh setzt und damit zu viele Wendungen in zu kurzer Zeit ablaufen lässt, was die Identifitakion mit der Situation zwar nicht vollkommen verhindert, sie aber definitiv in gewissem Maße beeinträchtigt. Eine Viertelstunde mehr Zeit zur Erläuterung der Figuren und ihrer Charaktere wäre hier Gold wert gewesen. Glücklicherweise verpasst der Film dennoch ungeachtet seines überstürzten Beginns seinen Protagonisten eine akzeptable Tiefe, denn im Folgenden wird einerseits in amüsanten Rückblenden auf die Erlebnisse in der Vergangenheit der Gauner eingegangen, andererseits wird durch Zurücknahme des Plots den Charakteren mehr Raum zur Entfaltung gegeben, sodass aus die zuvor nur schwer einzuschätzenden Figuren bald zu ebenso glaubwürdigen wie auch sympathischen Menschen reifen. So offenbaren die an der Oberfläche toughen Gangster hinter dieser Fassade einen warmherzigen Kern, der sie als einfühlsame sowie respektvolle Bürger in Erscheinung treten lässt. Schließlich ist es dann auch dem perfekt getroffenen Ton des Drehbuchs sowie der super authentisch agierenden Darsteller zu verdanken, dass der Wechsel vom Gaunerkrimi zur dramatischen Komödie absolut glaubwürdig rüberkommt und durch und durch passend wirkt. Zu leicht hätte dieser Wandel als konstruiert und überzogen erscheinen können, aber das Ensemble des Films vollbringt hier eine grandiose Leistung, was sich im Endeffekt als der wichtigste Part darstellt, da hier der Knackpunkt von ''Flickering Lights'' liegt: Die Figuren wollen kein nomadisch angehauchtes Gaunerleben führen, sondern – so dumm bürgerlich es auch klingen mag,hier aber überaus sympathisch präsentiert wird – sehnen sich nach einer gefestigten Existenz mit gutem Job tragsüber und ein paar schönen Bier mit Freunden am Abend. Jedoch gleitet der Film nicht ins sentimentale ab. Zu skurill und frisch wirken die Charaktere und Dialoge, als dass hier etwas aus dem Ruder laufen würde. Zu sympathisch und subtil vollzieht sich der Wertewandel hin zu Beruf, Freunde und einem schönen, entspannten Leben nah an der Natur.

Ob einem dieser Dogma-Streifen aber gefällt, liegt insbesondere daran, ob man mit dem dänischen Humor etwas anfangen kann, der irgendwo zwischen Coen und Tarantino liegt, aber auch eigene Einflüsse einbringt. Es ist eben ein klassischer Love it or hate it. Entweder man mag die Absurdität der Situationen, die skurillen Charaktere, die abgedrehten Dialoge – oder nicht. Und am besten man sieht sich in der Lage, dann noch über die vollkommen überzogenen Gewaltanwendungen der Figuren zu lachen. Ich für meinen Teil kann darüber lachen und deswegen ist dieser Film für mich echt ein Elebnis.

FAZIT: ''Flickering Lights'' ist ungeachtet seines überstürzten Beginns eine verdammt noch mal zum Schreien lustige groteske Tragikomödie, die mit einer klasse Darstellerriege und einem hervorragenden Gefühl für Tragik wie Komik zu punkten weiß.
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