Mein Konto
    Unternehmen Capricorn
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,0
    stark
    Unternehmen Capricorn
    Von Carsten Baumgardt
    Auch heute glauben immer noch 15 bis 20 Prozent der Amerikaner, dass die Vereinigten Staaten nie auf dem Mond gelandet sind. Weder soll Neil Armstrong am 20. Juli 1969 einen Fuß auf die staubige Oberfläche des Erdtrabanten gesetzt haben, noch seine Nachfolger bei fünf weiteren Apollo-Missionen bis 1972. Seitdem halten sich sehr hartnäckig Verschwörungstheorien, welche die Grundidee zu Peter Hyams’ hochspannendem Sci-Fi-Thriller „Unternehmen Capricorn“ liefern. Lediglich Mars und Mond wurden in der Zielsetzung vertauscht, ansonsten stützt sich der Film auf diese Theorien als Antrieb für einen launigen Unterhaltungsfilm.

    Die NASA steckt in der Klemme. 24 Milliarden Dollar hat die US-Raumfahrtbehörde für eine Prestige-Mission zum Mars ausgegeben, aber kurz vor dem Start gibt es massive technische Probleme. Die Lebenserhaltungssysteme der „Capricorn One“ funktionieren nicht einwandfrei. Projektleiter Dr. James Kelloway (Hal Holbrook) will die Mission retten und lässt die drei Astronauten Colonel Charles Brubaker (James Brolin), Lieutenant Colonel Peter Willis (Sam Waterston) und Commander John Walker (O.J. Simpson) wenige Minuten vor dem Abheben aus der Raumfähre holen. Ohne weitere Erklärung werden sie per Flugzeug zu einer abgelegenen Militärbasis in der Wüste gebracht. Die Rakete hebt tatsächlich ab, aber unbemannt. Kelloway will die Marslandung vortäuschen, um das in der Öffentlichkeit bereits kritisierte, sündhaft teure Raumfahrtprogramm nicht zu gefährden. Die Marsaufnahmen mit den Astronauten sollen im Studio nachgestellt werden. Nur unter großem Druck und der Bedrohung ihrer Familien stimmen die drei zu. Als die „Capricorn One“ beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre nach einem Versagen des Hitzeschildes verglüht, haben alle Beteiligten ein riesiges Problem... Unterdessen nimmt der ehrgeizige Journalist Robert Caufield (Elliott Gould) Witterung auf. Ein Freund von ihm, der bei der NASA arbeitete und dort Unregelmäßigkeiten entdeckte, ist spurlos verschwunden, seine gesamte Existenz scheint ausgelöscht...

    „Unternehmen Capricorn“ kam im Jahr 1978 in die Kinos. Das Klima dieser Zeit ist dem Film in jeder Faser anzumerken. Die USA erholen sich nur mühsam von dem Trauma des Vietnam-Krieges und den Folgen der Watergate-Affäre. Es herrscht kollektives Misstrauen im Lande. Passend dazu bannt Peter Hyams im ersten Teil seiner inoffiziellen Sci-Fi-Trilogie (später: „Outland – Planet der Verdammten“, 1981; 2010 - Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnahmen, 1984) den Zeitgeist in seinen Verschwörungsthriller. Doch dabei geht der Regisseur und Autor taktisch sehr geschickt vor. Er verwendet zwar die Betrugstheorie als Motor für seinen Film, verfolgt diese aber keinesfalls akribisch (ein paar Plotholes gönnt er sich), sondern nutzt das Szenario lediglich als Hintergrund für einen ungemein spannenden, reißerischen Thriller. Somit ist Hyams kaum als wirrer Verschwörungstheoretiker angreifbar, weil jedem Zuschauer klar ist, dass der Amerikaner von Haus aus ein reiner Unterhalter ist und auch diesmal sein Publikum nur zwei Stunden bei Laune halten will. Und das gelingt ihm ausgezeichnet.

    Hyams ist gewiss kein Regievirtuose, aber mit wenigen Ausnahmen (A Sound Of Thunder) meist ein Mann, der sein Handwerk versteht. Die Geschichte ist clever-effektiv konstruiert und lebt von ihren zwei Erzählsträngen, die lange nur nebeneinander herlaufen, um sich am Ende dann doch immer näher zu kommen. Das Tempo ist rasant, was sich vor allem in packenden Schuss-Gegenschuss-Szenen widerspiegelt. Die Atmosphäre wird zunehmend fiebriger. Auch wenn „Unternehmen Capricorn“ beileibe kein Die Unbestechlichen oder Zodiac ist, überzeugt die Recherchestory um den abgebrühten Journalisten Caufield dennoch. Elliott Goulds kerniger Charakter wird nach und nach zur interessantesten Figur des Films und rückt immer mehr in den Vordergrund. Als typischer unangepasster Antiheld hat er die Sympathien auf seiner Seite. Bei der Zeichnung der Astronauten macht sich Hyams keine allzu große Mühe, gewährt lediglich Wort- und Tatführer Brubaker eine ausführlichere Betrachtung, die knapp über die Oberfläche hinausragt. Auch James Brolin (übrigens der Ehemann-Nachfolger von Elliott Gould bei Barbra Streisand) gibt seine Figur in ähnlich machohaft-aufrichtiger Weise, wie es in dieser Zeit beliebt war. Sam Waterston („Der große Gatsby“, Eine Affäre in Paris) und O.J. Simpson („Die nackte Kanone“, Flammendes Inferno) spielen nur nebensächlich eine Rolle, ihre Charaktere sind kaum entwickelt. Wesentlich memorabler ist da schon der knallig-kultige Kurzauftritt von Telly Savalas, was erneut dokumentiert, wie ernst es um die Geschichte steht. Es wirkt vielmehr so, als hätte ein großer deutscher Privatsender Hyams’ Lebensmotto vor einigen Jahren einfach übernommen.

    Fazit: „Unternehmen Capricorn“ macht das, was er vorgibt zu tun: schnörkellos unterhalten. Der Film ist ein grundsympathisches Kind seiner Zeit. Ob die Amerikaner nun wirklich auf dem Mond gelandet sind oder nicht, spielt für „Unternehmen Capricorn“ keine Rolle. Dass es überhaupt Zweifel daran gibt, schon viel mehr. Denn allein die Vorstellung eines derartigen Betrugs versetzt die Fans von Verschwörungstheorien in schiere Verzückung. Das nutzt Peter Hyams in seinem Film konsequent und effektiv aus.
    Möchtest Du weitere Kritiken ansehen?
    Das könnte dich auch interessieren
    Back to Top