TÖTEN IST WAS GANZ NATÜRLICHES
Mickey und Mallory ziehen als Serienkillerpärchen durchs Land und hinterlassen eine Schneise der Verwüstung. Auf ihrem Weg werden sie von Medien gehypt, steigen zu Pop-Ikonen der Gewalt auf und sind auf dem Cover vom Time Magazin. Die Frage bleibt aber, warum tun sie das überhaupt?
Natural Born Killers (1994) geht ca. 120 Minuten und ist ab 18 freigegeben. Woody Harrelson und Juliette Lewis tragen den Film als unheimlich eingespieltes, verstörendes Duo. Wenn die beiden streiten, sich lieben oder moralphilosophisch über Gut und Böse reden, ist das tatsächlich spannend. Diese Figuren haben Ecken, Kanten und eine gefährliche Faszination.
Was den Film für mich kaputtmacht, ist der Stil: Regisseur und Cutter feuern eine visuelle Reizüberflutung ab, Schwarzweiß, Körnung, Perspektivwechsel, hektische Sprünge als sollte das Hirn des Zuschauers nie stillstehen dürfen. Nach kurzer Zeit tut der Kopf weh. Die satirische Idee, die Mediengesellschaft als Komplizin zu zeigen, ist giftig und wäre großartig, leider verkommt sie häufig zur reinen Rechtfertigung für Eskalation und Brutalität ohne echten substanziellen Kommentar.
Nebenrollen wie Robert Downey Jr. oder Tommy Lee Jones sind überspitzt und nervig, sie geben dem Film Überdrehung und Energie, reißen aber zugleich den Ton immer wieder auseinander.
Das Finale ist ein hemmungsloses Baller-Spektakel: Polizei, Medien und Wärter bekommen ihr Fett weg. Es ist überzogen, realitätsfern, aber trotzdem gut inszeniert.
Unterm Strich bleibt ein Werk, das mich persönlich nicht komplett abgeholt hat, zu überdreht im Schnitt, zu laut in seiner Inszenierung und zu gezielt auf Schock getrimmt, inhaltlich teils oberflächlich.
Dafür sind die Hauptfiguren stark, die Gewalt konsequent dargestellt und der Soundtrack sitzt.
5,5/10 Punkten. Und ja die Frage „Wollen wir mal wieder eine Geisel mitnehmen?“ wirkt in diesem Film fast wie schlechter Smalltalk. Klar, warum nicht, irgendwo steht doch immer jemand bereit.