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    Der Profi
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,0
    stark
    Der Profi
    Von Robert Cherkowski
    Ein gutes Plakat kann Neugier wecken und Lust auf einen Film machen. Das allerwichtigste ist jedoch, keinen Etikettenschwindel zu betreiben. Wenn man also auf dem Plaket von George Lautners „Der Profi" Jean-Paul Belmondo sieht, der eine dicke Kanone am Betrachter vorbei auf die Welt richtet, weiß man genau, was man bekommt: Ein vollkommen auf den Star zugeschnittenes Action-Brett mit coolen Sprüchen, einem selbstherrlichen Star in eitlen Posen und der ein oder anderen Handgreiflichkeit. Mit dieser Erwartungshaltung wird man nicht enttäuscht, erweitert man seinen Blick jedoch, kann man weitaus mehr entdecken: Denn zwischen den Zeilen ist „Der Profi" ein düsteres Drama über die narzisstischen Störungen eines altmodischen Heldentypus, der in einer Welt schnell wechselnder Fronten nur noch seinem persönlichen Amoklauf frönt. Halb düsteres Drama – halb heitere Action: immer jedoch ein großes Filmvergnügen.

    Einst war Joss Beaumont (Jean-Paul Belmondo) hochdekorierter Agent des französischen Geheimdienstes, der als Attentäter in einen ungenannten afrikanischen Staat geschickt wurde, um den dort wütenden Diktator Njala (Pierre Saintons) umzubringen. Bevor er jedoch sein Zielfernrohr anlegen und den Despoten ausschalten kann, ändert sich das politische Klima: Joss wird verraten und landet in den menschenunwürdigen Gefangenenlagern Njalas. Als sich nach Jahren eine Chance zum Ausbruch bietet, nutzt Beaumont sie und kehrt nach Frankreich zurück. Während ihn seine Freunde aus dem Geheimdienst, seine Frau Jeanne (Élisabeth Margoni) und seine Geliebte Alice (Cyrielle Clair) zu überreden versuchen, das Kriegsbeil endlich zu begraben, hat Joss nur einen Gedanken: Njala, der gerade auf Staatsbesuch ist, endgültig auszuschalten. Daran will ihn unter anderem der eiskalte Staatsdiener und Vollstrecker Rosen (Robert Hossein) hindern. Paris wird zum Schlachtfeld zwischen Joss und dem Rest der Welt.

    „Der Profi" ist ein seltsam schizophrener Film. Auf der einen Seite funktioniert der blutige Rachefeldzug, wie ein handelsübliches Belmondo-Vehikel mit allem was dazu gehört: Da werden Sprüche gerissen, begeistern rasante Actionszenen, so mancher Lump wird verprügelt und den Ladies schöne Augen gemacht. So weit, so bekannt, so unterhaltsam. Doch schon wenn über den Credits der melancholische Score von Ennio Morricone erklingt, wird klar, dass dieser Agentenstoff eine zweite, dunklere Seite hat und sehr wahrscheinlich nicht mit einem Happy End enden wird.

    Besonders ein Anfang der 80er Jahre noch unbekannter Name lässt aufhorchen: Unter den Drehbuchautoren ist auch der spätere Starregisseur Jacques Audiard aufgelistet, der später mit Meisterwerken wie „Der wilde Schlag meines Herzens" oder „Ein Prophet" düstere Männerdramen inszenieren sollte und sich hier bereits an einem komplizierten Charakter versuchen durfte. Beaumont mag ein Draufgänger und Teufelskerl sein – in seinem inneren jedoch ist er ein fast fanatischer Überzeugungstäter, der seinen Privatkrieg gegen Rosen und den Geheimdienst, der ihn einst verraten hat, aus verletztem Stolz und verbissenen Prinzipien bis zum Ende führt.

    Gutes Zureden ist vergebens, Beaumont ist taub gegenüber der Vernunft und gleicht in seinem sturen Pragmatismus vielen Figuren Melvilles. Die Welt durch die der einsame Wolf Beaumont streift ist kompliziert und verlogen – er macht sie sich jedoch einfach. Wie ein allwissender Geist streift Joss durch Paris, umpirscht seine Verfolger oder taucht aus dem Nichts auf, um zuzuschlagen oder sie zu verhöhnen.

    Über weite Strecken ist „Der Profi" ein verschmitztes Katz-und-Maus-Spiel, dessen ganze Auswirkungen sich erst ganz am Ende offenbaren. Bis es soweit ist macht Beaumont diversen Damen schöne Augen, die ihm zwar sofort zu Füßen liegen, ihn jedoch nicht von seinem Plan abbringen können. Erst mit dem Erscheinen des ebenso abgezockten, wie skrupellosen Rosen (ein tolles Scheusal: Robert Hossein) und seines eher tumben Laufburschen und Prügelknaben Farge (Bernard-Pierre Donnadieu ) wird der Ton ruppiger. Höhepunkt ist ein geradezu klassisches Duell in bester Western-Manier, mitten in Paris. Das eigentliche Finale schließlich ist bemerkenswert intelligent und lässt einen faszinierenden Film mit ungeahnter Konsequenz ausklingen.

    Fazit: Mit dem zwischen Leichtigkeit und Tragik pendelnden Actionfilm „Der Profi" ist George Lautner und Jean-Paul Belmondo ein kleiner Klassiker gelungen, an dem die Zeit zwar nicht spurlos vorübergegangen ist, den der geneigte Fan europäischer Action jedoch nicht verpassen sollte.
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