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    Musa - Der Krieger
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,0
    stark
    Musa - Der Krieger
    Von Christian Horn
    Kim Sung-Sus historisches Epos „Musa“ ist bereits fünf Jahre alt, hat aber erst jetzt mit dem eifrigen „e-m-s“-Team einen deutschen Verleiher gefunden, der den Film als DVD-Veröffentlichung in die Videotheken und auf den freien Markt bringt. Das ist insofern bedauerlich, da „Musa“ ein überaus gelungener und unterhaltsamer Film ist, der in allen Kategorien des Filmemachens überzeugend umgesetzt ist. Sung-Sus Action-Drama ist zwar weder so poetisch wie Ang Lees Tiger und Dragon, noch so bildgewaltig wie Zhang Yimous Hero, kann aber dennoch mit den beiden Vorzeige-Eastern der letzten Jahre konkurrieren. „Musa“ ist bodenständiger als die beiden genannten und überzeugt durch eine feine Figurenzeichnung, aufwändige Kostüme und nicht zuletzt durch groß angelegte, nicht unblutige Schlachtszenen, die Erinnerungen an Kurosawas Ran wach werden lassen.

    Der südkoreanische Historienfilm handelt von einer koreanischen Gesandtschaft, die mitten in den chinesischen Bürgerkrieg gerät und verzweifelt versucht, nach Korea zurückzureisen. Von einer Gruppe Yuan-Soldaten, welche die Gesandten für Spione der Ming hält, wird die Gruppe in die Wüste getrieben und ist von nun an auf sich alleine gestellt. Choi Sung (Ahn Sung-kee), der General der Gesandtschaft, ist jung und unerfahren, beharrt aber auf seinen Entscheidungen, die nicht selten zahlreiche Opfer fordern. Zwischen ihm und Yeo-sol (Jung Woo-Sung), dem schweigsamen Sklaven des zweiten Gesandten, entwickelt sich im Lauf des Films eine angespannte Stimmung, die verschärft wird, als die Gruppe die Prinzessin der Ming aus den Klauen von Mongolen befreit, da sowohl der General als auch der Sklave der hübschen Frau zugetan sind. Die Prinzessin wird sehr gelungen von Zhang Ziyi gespielt, die durch ihre nicht unähnliche Rolle aus „Tiger und Dragon“ und den hoch gelobten Auftritt in Wong Kar-wais Arthouse-Drama 2046 zum Shooting-Star avanciert ist und in „Musa“ ihre schauspielerischen Qualitäten erneut unter Beweis stellt. Ziyi gelingt es, sowohl die arrogant-weltfremde, als auch die verletzliche Seite ihrer Figur glaubhaft zu machen. Mit der Prinzessin sowie einigen vertriebenen Dorfbewohnern im Schlepptau und den Mongolen auf ihrer Fährte versuchen die koreanischen Soldaten eine Ming-Festung zu erreichen, in der sie sich Schutz und die Möglichkeit einer Heimreise erhoffen.

    Seinen Unterhaltungswert zieht der Film nicht nur aus den dynamischen und überzeugend choreographierten Schlachtszenen, sondern vor allem aus den Spannungen innerhalb der Gruppe, in der sich eine immer größere Verzweiflung über die aussichtslose Lage breit macht. Im Verlauf des Films kristallisieren sich zahlreiche Konstellationen heraus und es ist erstaunlich, wie vielen Charakteren der Zuschauer näher kommt. Ob sich zwischen Choi Jung und Yeo-sol eine Rivalität entwickelt, der Mönch und der Sekretär der Gruppe immer wieder aneinander geraten oder der charismatische Heerführer der Mongolen eine Bewunderung für Yeo-Sol, den großen Kämpfer mit der Lanze, entwickelt – alle Figuren werden glaubhaft gezeichnet, machen eine Entwicklung durch und bieten Spielraum zur Identifikation. Dass der koreanische General nicht immer die richtigen Entschlüsse fasst und stellenweise sehr kaltherzig und ungestüm wirkt, gibt ihm die Ecken und Kanten, die eine Filmfigur interessant machen.

    Und selbst die kleinen Rollen, wie etwa der greise Bauer, der gegen Ende mit der Gruppe reist, oder der Herr von Yeo-Sol, der recht früh stirbt und seinen Sklaven zum freien Mann erklärt, gehen in „Musa“ nicht unter, sondern werden zu glaubhaften und greifbaren Charakteren, zu denen der Zuschauer eine Beziehung aufbauen kann. Das liegt vor allem daran, dass der Regisseur sich ausreichend Zeit nimmt, seine Figuren zu entfalten und die ganze Geschichte mit einem langen, epischen Atem erzählt. Die dramaturgisch packende Erzählung, die um traditionelle asiatische Werte wie Mut, Ehre und Treue kreist, sorgt dafür, dass „Musa“ sich trotz seiner Überlänge an keiner Stelle in die Länge zieht. Von den actionlastigen und naturalistisch ausgemalten Schlachtszenen wird der Verlauf der Geschichte keineswegs unterbrochen, sondern verstärkt und vorangetrieben. Imposante Landschaftsaufnahmen und eine gelungene filmgestalterische Umsetzung runden das Filmvergnügen ab.



    „Musa“ ist ein weiterer Beweis dafür, dass Direct-To-DVD-Veröffentlichungen qualitativ nicht zwangsläufig minderwertig sein müssen. Es ist völlig gerechtfertigt, dass sein Ruf ihm vorauseilte. Um an die Substanz von „Tiger und Dragon“ anzuknüpfen, fehlt ihm zwar noch das letzte Quäntchen Kinomagie, aber auf der großen Leinwand hätte er durchaus funktionieren können.
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