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    Cincinnati Kid
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,0
    stark
    Cincinnati Kid
    Von René Malgo
    New Orleans, 1936. Eric Stoner, genannt The Cincinnati Kid (Steve McQueen) hat sich einen beachtlichen Ruf als Pokerspieler erarbeitet. Doch er möchte der Beste sein. Da bietet sich der Besuch des inoffiziellen Pokerkönigs Lancy Howard (Edward G. Robinson) geradezu an. Er fordert ihn zum einem Duell heraus. Howard akzeptiert. Es kommt zum alles entscheidenden Duell, wofür Cincinnati Kid gar gewillt wäre, seine Beziehung zur hübschen Christian (Tuesday Weld) aufs Spiel zu setzen. Gangsterboss und Millionär Slade (Rip Torn) möchte, dass Stoner um jeden Preis gewinnt. Zuvor hatte ihn Howard in einem Spiel gedemütigt und nun möchte Slade Howard schwitzen sehen. Dafür ist er bereit, das Spiel manipulieren zu lassen. Er erpresst Cincinnatis besten Freund Shooter (Karl Malden), der die Position des Gebers im Pokerspiel einnimmt und Stoner zwingt ihn, zu Cincinnatis Gunsten auszuteilen…

    Ein sehr guter Film ist Norman Jewison (In der Hitze der Nacht, Hurricane) mit dem atmosphärischen Spieler-Drama „Cincinnati Kid“ gelungen. Er schafft es, ein nach außen und für Unbeteiligte uninteressant ausschauendes Kartenspiel so zu inszenieren, dass selbst der Laie gefesselt mitfiebert. Bis zum großen Finale, das auch den Bärenanteil des Films einnimmt, beschert Jewison dem Betrachter erst einmal sicher inszeniertes, obligatorisches, zwischenmenschliches Vorgeplänkel. Kameramann Philip H. Lathrop („Der rosarote Panther“, „Erdbeben“), Jewisons Regiekunst und den Darstellern ist es zu verdanken, dass dieses eher oberflächlich gehaltene Vorspiel das Desinteresse im Zuschauer nicht wecken muss.

    Lathrop filmt „Cincinnati Kid“ in schönen Bildern und zusammen mit Hal Asbhys Schnitttechnik ist so eine stimmige Atmosphäre gewährleistet. Ihre Dichte ist beachtlich und macht Jewisons kunstfertig inszeniertes Werk auch über die volle Distanz sehenswert. Sehr gut in Szene gesetzt werden vor allem die beiden typischen 60er-Jahre-Schönheiten Tuesday Weld als Steve McQueens Filmfreundin und Ann-Margret als Karl Maldens verführerische Filmfrau, die mehr als nur ein Auge auf den Cincinnati Kid (McQueen) geworfen hat. Tatsächlich ist ihre Inszenerückung so wunderbar gelungen, dass die beiden Damen – und insbesondere ihre Frisuren – im Setting eines New Orleans aus dem Jahre 1936 ein wenig deplaziert wirken. Dem Betrachter bleibt eher das Gefühl bei, zwei Pin-Up-Girls der 60er auf Zeitreisen zuzuschauen.

    Steve McQueen ist Mr. Cool himself und passt natürlich wie kein anderer in solch eine Rolle. Sein Outfit ist übrigens zeitlos. Das Publikum hätte ihn so auch in einem Film des neuen Jahrtausends antreffen können. Sein Gegenspieler ist Edward G. Robinson. Ursprünglich sollte Hollywoodlegende Spencer Tracy den Part übernehmen, er winkte aber ab und so wurde Tracy durch Robinson ersetzt. Ein Glücksgriff. Mit McQueen stand seinerzeit ein Vertreter der neuen Hollywoodgeneration einem der großen Namen des alten Hollywoods gegenüber. Robinsons Aura überstrahlt denn – abgesehen von Mr. Cool – auch alles und den beiden im Pokerduell zuzuschauen, macht den mit Abstand größten Reiz des Spieler-Dramas aus. Eine Erwähnung verdient auch Karl Malden als Shooter, der den vielschichtigsten Charakter im Ensemble mimen darf. Von allen verleiht er seiner gut ausgearbeiteten Figur am meisten Tiefe, geht aber gegen den von McQueen und Robinson verbreiteten Starglamour und die Erotik der Damen Tuesday Weld und Ann-Margret leider und zwangsläufig ein wenig unter. Joan Blondell als fingerfertige, ehemalige Topspielerin Lady Fingers bekam für ihre Rolle eine Golden-Globe-Nominierung als beste Nebendarstellerin. Das mag ein wenig übertrieben sein, aber sie spielt gut und mit der richtigen Portion augenzwinkernden Humors.

    Die bereits angedeutete Erotik hält sich im zugeknöpften Rahmen. An diesem jenen Punkt ist übrigens Sam Peckinpah beim Film gescheitert. Ursprünglich hätte er Regie führen sollen. Er aber wollte unbedingt eine Nacktszene und hatte mit Sharon Tate schon das passende Body-Double parat. Für das europäische Publikum sollte diese Szene sein, in der amerikanischen Fassung gäbe es die nicht, behauptete Peckinpah. Als aber Produzent Martin Ransohoff dahinter kam, dass Peckinpah die Szene des Anstoßes tatsächlich für beide Versionen vorgesehen hatte, kam es zu solch offenen Spannungen, dass Peckinpah freiwillig das Handtuch warf. Wie der Film unter seiner Regie geworden wäre, darüber kann nur spekuliert werden, dass aber mit Norman Jewison ein exzellenter Ersatz gefunden wurde, steht außer Frage.

    Der Subplot um die Erpressung von Shooter und den Gangsterboss Slade (Rip Torn) wird unspektakulär, dafür aber realitätsnah erzählt und wer nun Verwicklungen und ein Blutbad gemäß gängigen Gangster-Thrillern erwartet, ist fehl am Platz. Die Beziehung zwischen dem nicht ganz so einfachen Charakter von Steve McQueen alias The Cincinnati Kid und seiner liebreizenden Freundin erhält nähere Beleuchtung, genauso wie die Beziehung von Cincinnati Kid (McQueen) zu Shooter (Malden), am Ende jedoch steht das Pokerspiel im Mittelpunkt. Zu Recht genießt „Cincinnati Kid“ den Ruf, der spannendste Spieler- und Pokerfilm zu sein. Der Betrachter muss die Regeln nicht kennen, um Nägel kauend mitzufiebern. Großartig.

    Zum großen Filmklassiker fehlt es „Cincinnati Kid“ ein wenig an Tiefe und Variationen. Als brillant gedrehtes Spieler-Drama kann das Werk jedoch positiv in Erinnerung bleiben und dem Publikum uneingeschränkt empfohlen werden.
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