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    Young Adam
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Young Adam
    Von Stefan Ludwig
    „Young Adam“ ist ein Independent-Drama mit B-Starbesetzung. Ewan McGregor („Trainspotting“ , „Star Wars: Episode I-III”) und Peter Mullan („Mein Name ist Joe” , „Trainspotting”) agieren hier unter der Regieführung von David Mackenzie. Zusammengefasst geht es eigentlich zu großen Teilen um Sex, natürlich nicht ohne das passende Drumherum. Die offensichtlich beabsichtigte Charakterstudie kann ihr durch die Geschichte gegebenes Potenzial nicht entfalten und so dümpelt der Film nach einer grundsätzlich interessanten ersten Hälfte vor sich hin. Die sprunghafte Erzählweise, die sich um Chronologie wenig schert – was gar nicht negativ ist – lässt zu früh erkennen, wie die Dinge wirklich stehen. Doch das schlechte Gewissen (wofür soll hier nicht verraten werden) ist Ewan McGregor nur bedingt abzukaufen.

    Aushilfsarbeiter und Möchtegern-Schriftsteller Joe (Ewan McGregor), Kahnbesitzerin Ella (Tilda Swinton) und ihr Mann Les (Peter Mullan) fahren durch das England der fünfziger Jahre und liefern Kohle aus. Joe betrügt Les mit Ella – doch noch ahnt der nichts davon. In der Einstiegsszene ziehen Joe und Les gemeinsam eine Wasserleiche aus dem Fluss. In der Zeitung sorgt das für großes Aufsehen, schon bald wird ein Mann angeklagt, der jedoch seine Unschuld beteuert. Les freut sich, als später sein Name in der Zeitung steht, Joe will von dem ganzen nichts wissen. Bald wird klar, dass ihm die Leiche vor ihrem Ableben keine Unbekannte war...

    Die Erzähltaktik von David Mackenzie verwischt die zeitliche Abfolge der Vorgänge und zeigt dem Zuschauer stets nur Puzzleteile. Die erste Hälfte hindurch gelingt dieses Vorgehen gut und kann eine eigene Spannung erzeugen. Die Beweggründe der Charaktere sind noch nebulös und nur langsam lassen sich Teile davon erkennen. Warum schläft Elle mit Joe, fragt sich der Zuschauer anfangs, bis klar wird, wer eigentlich wen für seine Zwecke gebraucht. Das Schriftstellerdasein von Joe ist allerdings nur Fassade, weder scheint er etwas auf die Reihe zu bringen, noch scheint das Schreiben sein Leben zu beherrschen. Im Grunde wirkt er wie ein verträumter Verlierer, der jedoch alle Frauen abbekommt, die ihm über den Weg laufen.

    Genau das ist der Knackpunkt: Die zahlreichen Sexszenen reihen sich fast nahtlos aneinander und teilweise fragt sich der aufmerksame Zuschauer, was das eigentlich soll. Denn die Geschichte vorantreiben tut dies nur zum Teil. Am ehesten wird damit klar gemacht, dass ihn die Frauen eigentlich einen Dreck scheren – und die zugehörigen Männer erst Recht. Warum genau ihm erstere auf Anhieb so verfallen sind, wird nicht klar - besonders nicht, weshalb sie sich ihm immer und wirklich überall hingeben, und sei es dort noch so unbequem und ungünstig.

    In der zweiten Hälfte des Films ist die Geschichte noch nicht komplett erzählt, aber zu großen Teilen aufgelöst. Danach folgen nur noch mehr Szenen, die den Charakter von Joe bis zu einem gewissen Grad zerstören, aber auch dazu führen, dass die spätere Reue ihm nicht abzukaufen ist. Worum es dabei genau geht, soll hier selbstverständlich nicht verraten werden. Eine Szene sei vielleicht erwähnt, die den Sadismus von Joe offen legt und seine Anziehungskraft in diesem Fall vollends rätselhaft macht. Sie ist ganz und gar nichts für zartbesaitete Gemüter und lässt nachhaltigen Eindruck und Erschrecken.

    Ewan McGregor spielt seine Rolle simpel und beschränkt seine Mimik auf wenige Gesichtszüge. Manchmal erscheinen Einstellungen etwas zu sehr wie eine Hommage an ihn und sein Aussehen, auch wenn er hier gar nicht als der absolute Schönling präsentiert wird. Rauchend bekommt der Zuschauer ihn am häufigsten zu sehen, zu jeder Gelegenheit zündet er sich ein Zigarette an. Das erscheint allerdings wie ein gewolltes Stilmittel. Peter Mullan zeigt sich fast als Seebär, ein Mann mit Bart und Prinzipien. Für ihn lässt sich am ehesten Sympathie entwickeln, während Joes Verhaltensweisen immer unzulänglicher wirken und Ellas subtile Machtspiele offengelegt werden. Verkörpert wird Ella jedoch von Tilda Swinton hervorragend, ungeschminkt und etwas garstig und doch anziehend, ist sie auch die interessanteste Figur.

    Am Ende kann „Young Adam“ nur in die Mittelklasse eingestuft werden, weist er doch zu viele Defizite auf. Die gemischten schauspielerischen Leistungen, das sich selbst zu früh verratene Drehbuch und die in der zweiten Hälfte zu eintönige Erzählweise, die Spannung ausmerzt, machen einen nur halb kompletten Film. Es fehlt an mehr Überraschung und einige Subplots entziehen sich dem Hauptgeschehen etwas zu weit. Das Ende selbst muss jedoch als konsequent angesehen werden und macht das Gesamtbild in Teilen wieder rund. Doch der fade Eindruck, ohne die bekannten Namen wäre dieser kleine Film auch in gemütlichen Programmkinos untergegangen, bleibt leider bestehen.
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