Ich habe erst im Nachhinein erfahren, dass das das Regiedebut von Ewan McGregor ist, umso beachtlicher, dass er sich für seinen ersten Film gleich einen so anspruchsvollen Stoff vorgenommen hat. Aber die Umsetzung des Buches ist ihm hervorragend gelungen. Die idyllische amerikanische Vorzeigefamilie beginnt schon relativ früh zu bröckeln, die Anzeichen werden aber vom Schweden und auch von seiner Frau nicht wahrgenommen, so kommt es zur unvermeidlichen Katastrophe. Merrys Psychotherapeuten bringt es schon eigentlich zu Beginn treffend auf den Punkt, wenn sie eine psychodynamische Deutung ihres Stotterns anbietet. Aber hier reagieren die Eltern nicht nur mit Unverständnis sondern gleich mit aktiver Abwehr.
Dennoch ist die Radikalisierung von Merry etwas zu plötzlich geraten, eine offene Auseinandersetzung mit ihrer Mutter, ein Streitgespräch mit ihrem Vater, einige “No War”-Poster an der Wand, das muss genügen, um den Zuschauer einzustimmen. Wenngleich das vom Drehbuch ganz gut vorbereitet wird, so kommt die Wandlung, vor allem in diesem dramatischen Ausmaß, wie es sich zum Ende hin offenbart, dann doch aus meiner Sicht etwas zu schnell. Nichtsdestotrotz wird die Geschichte überzeugend und emotional erzählt. Besonders hervorzuheben ist (wieder einmal) die schauspielerische Leistung von Ewan McGregor. Er spielt seine Figur des Schweden, der zwischen der Liebe zu seiner Tochter und der gleichzeitigen Unfähigkeit sie zu verstehen geradezu zerrissen wird. Jennifer Connelly hat eine etwas undankbare Rolle, da sie von Anfang an nur die ablehnende und wenig empathische Mutter spielen muss, immerhin zum Ende aber auch ihren emotionalen Moment bekommt. Dakota Fanning hat leider viel zu wenig Screentime, brilliert aber in jeder ihrer Szenen.
FAZIT: Emotionales und bewegendes Drama über die Dekonstruktion einer (vermeintlichen) amerikanischen Vorzeigefamilie und der Auflösung des titelgebenden amerikanischen Idylls. Starke Schauspieler, allen voran Regisseur und Hauptdarsteller Ewan McGregor, tragen die Geschichte trotz leichter inszenatorischer Schwächen sicher in ein tragisches und berührendes Finale. Sehenswert!