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    Volltreffer: Ein Supercoach greift durch
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,0
    lau
    Volltreffer: Ein Supercoach greift durch
    Von Lars Lachmann

    Dem Schulsport kommt an amerikanischen Colleges in der Regel eine sehr viel größere Bedeutung zu als hierzulande. So ist es keine Seltenheit, dass sich die Schulen über den sportlichen Wettbewerb untereinander nach außen hin zu profilieren suchen. Dies scheint immer auch ein dankbares Thema für entsprechende Teenager-Komödien abzugeben, in welchen dem sportlichen Wettstreit eine tragende Rolle zukommt. Keine Ausnahme ist Steve Carrs Komödie „Volltreffer: Ein Supercoach greift durch“, in der es um Basketball geht. Der wesentlich sinnvollere Originaltitel des Films lautet „Rebound“, was im Kontext dieses Spiels bedeutet, den Spielball nach einem missglückten Wurf auf den gegnerischen Korb wieder zu sichern, um unmittelbar einen neuen Versuch starten zu können, den Ball zu versenken. Insofern passt dieser Begriff in übertragenem Sinne auch zur zentralen Handlung des Feel-Good-Movies, welche sich um einen in Misskredit geratenen Basketballcoach dreht, der sich rehabilitieren möchte.

    Die einstige Basketballlegende Roy (Martin Lawrence) spielt immer noch ganz oben mit – als Mannschaftscoach der US-Nationalliga. Doch die Früchte des Erfolges scheinen dem Profitrainer unterdessen etwas zu Kopfe gestiegen zu sein, für den der nächste Werbevertrag einen höheren Stellenwert bekommen hat als die Betreuung des nächsten Spiels seiner Mannschaft. Doch auch auf dem Spielfeld schlägt er des öfteren über die Stränge, wenn er die Entscheidungen der Schiedsrichter nicht nur bei jeder Gelegenheit anfechtet, sondern diese auch noch lauthals bepöbelt. Dies bleibt jedoch auf die Dauer nicht ohne Konsequenzen und Roy wird in einem internen Verfahren die Trainerlizenz gleich auf Lebenszeit entzogen. Doch sein cleverer Agent Tim Fink (Breckin Meyer) registriert eine Lücke in der Gesetzgebung: Sollte sich eine Mannschaft finden, die Roy von sich aus engagiert, so würde dieser eine Chance erhalten, sich zu rehabilitieren. Und tatsächlich: Die chaotische Basketballtruppe „Smelters“ der Mount Vernon Junior High School, die seit Jahren kein einziges Spiel mehr gewonnen hat, verfolgt das Geschehen um Roy im Fernsehen und schickt kurzerhand ein Fax, um ihn als neuen Coach für sich zu gewinnen. Dieser wittert seine Chance, doch die Aufgabe gestaltet sich schwieriger als erwartet.

    Die „Smelters“ setzen sich zusammen aus Keith (Oren Williams), der als einziger ein wenig basketballerisches Talent mitbringt, im Spiel jedoch eher versucht, sein Ding allein und ohne Einbeziehung seiner Teamkollegen durchzuziehen, „Goggles“ (Gus Hofmann), der nie ohne Schutzbrille das Spielfeld betritt, „One Love“ (Eddy Martin), dem es in erster Linie um die B-Note und gutes Aussehen geht, Ralph (Steven Anthony Lawrence), der sich in jeder aufregenden Situation übergibt sowie das rundliche Babyface „Fuzzy“ (Logan McElroy). Als Roy sich bewusst wird, dass mit diesem zusammengewürfelten Haufen allein kein Blumentopf zu gewinnen ist, werden von ihm kurzerhand noch die ebenso Respekt einflößende wie schlagkräftige „Big Mac“ (Tara Correa) und der schlaksige, aber für die Centerposition ausreichend große Wes (Stephen Christopher Parker) ins Team rekrutiert. Dabei wird Roy zunächst mit Argwohn von Keiths hübscher Mutter Jeanie (Wendy Raquel Robinson) beobachtet, die selbst Lehrerin an der High School ist und aufgrund dessen schlechter Reputation zunächst einmal nicht viel vom neuen Trainer hält. Dies ändert sich jedoch – wie sollte es anders sein –, nachdem sich bei der Mannschaft tatsächlich nach harter Arbeit einige kleinere Erfolge einzustellen beginnen.

    Als Komödie funktioniert „Volltreffer“ in erster Linie durch das Zusammenspiel der Kiddies, die sich mit ihren sie auszeichnenden, mehr oder weniger liebenswerten Schwächen von einer hoffnungslosen Chaotentruppe zu einer erfolgreichen Basketballmannschaft entwickeln. Leider wird dabei kein Klischee ausgelassen, das nicht auch schon in zahlreichen vergleichbaren Sport- oder Teenagerkomödien zu sehen gewesen wäre. Angefangen bei den – vor allem im ersten Drittel des Films – sehr slapstickartigen Gags, bei denen auch der „Klassiker“ Torte-ins-Gesicht nicht fehlen darf. Wirklich lustig ist indes das wenigste daran; der einzige Lichtblick bleibt eine herrlich politisch unkorrekte Szene, in welcher „Big Mac“ den hilflosen Wes, der ihr Nachhilfe in Mathe geben soll, auf dem Schulhof vor den Attacken eines Mitschülers beschützt, indem sie diesem eine heftige Abreibung erteilt und dabei auch gleich dessen Skateboard entwendet, nur um sich kurz darauf in Wes‘ Gegenwart in ein fast zuckersüßes Mädchen zu verwandeln.

    Doch auch die Dramaturgie im Ganzen bringt keine Elemente mit sich, die in irgendeiner Weise neu wären. Eben die Story des vom rechten Weg abgekommenen, aber im Grunde doch herzensguten Trainers, der die untalentiertesten Spieler zu einer Wundermannschaft formt und schließlich auch seine Herzensdame bekommt – natürlich nicht, ohne zuvor noch eine finale Gewissensprüfung bestehen zu müssen. Auch kleinere Details, wie der Rückstand mit einem Punkt beim letzten, alles entscheidenden Match, welches nur noch durch zwei gelungene Freiwürfe gewonnen werden kann, nachdem die reguläre Spielzeit bereits abgelaufen ist, kennt man bereits zur Genüge aus Filmen wie z. B. „Teen Wolf“ mit Michael J. Fox.

    Insgesamt ist „Volltreffer“ eine leidlich nette Komödie ohne Überraschungen, in der sich der Genrefreund sofort heimisch fühlen wird. Im Zentrum steht einmal mehr der Amerikanische Traum vom (sportlichen) Erfolg, der sich auch für „Außenseiter“ erfüllen kann, sowie die Warnung, den Genuss der Früchte dieses Erfolges nicht – oder jedenfalls nicht zum alleinigen Selbstzweck – verkommen zu lassen.

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