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    Slither
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Slither
    Von Deike Stagge
    Was Außerirdische so alles auf unserem Planeten anrichten können, haben Filme wie Krieg der Welten oder Independence Day hinreichend demonstriert. Die Idee, dass sich Alien-Parasiten in menschlichen Wirten einnisten, ist seit Alien auch nicht mehr neu. Dass man trotzdem eine recht unterhaltsame Angelegenheit daraus machen kann, beweist der Comedy-Horrorfilm „Slither“ von James Gunn.

    Wheelsy ist eine friedliche Kleinstadt irgendwo im Countrygebiet der Vereinigten Staaten. Es gibt nicht viel Arbeit für Polizeichef Bill Pardy (Nathan Fillion) und sein Team. So hat der Beau umso mehr Zeit, seinem High-School-Schwarm Starla (Elisabeth Banks) hinterher zu schmachten, die den wesentlich älteren Geschäftsmann Grant (Michael Rooker) geheiratet hat. Doch Starla ist nicht wirklich glücklich. Nach einem Streit des Ehepaars vergnügt der abgewiesene Grant sich mit der jungen Brenda (Brenda James) und findet auf dem Rückweg einen merkwürdigen Kokon. Als er diesen untersuchen möchte, schießt ihm ein kleines, tentakelartiges Insekt entgegen, das sich in seinem Körper einnistet. Fortan ist Grant nicht mehr derselbe. Er mutiert äußerlich, quasi im Stundentakt, kontinuierlich zu einer hässlichen, abstoßenden Kreatur. Außerdem hat er plötzlich auf nichts mehr Appetit, als rohes Fleisch und setzt ein Vorhängeschloss vor den Keller, um ungestört zu sein.

    Das Ganze klingt nicht nur wie ein B-Movie, es fühlt sich auch so an. Dennoch ist „Slither“ auch auf der Kinoleinwand ein lustiges Event für Horden von unterhaltungs- und slapstickwütigen Teenager. Nicht zu Unrecht. Filme wie Arac Attack haben bewiesen, dass sich die Mischung von brutalen Monstern und einer ordentlichen Portion schwarzem Humor sehr gut vertragen kann. „Slither“ beschreitet den gleichen weg. Statt genetisch aufgepäppelter Achtbeiner vermiesen hier mutierte, Frischfleisch suchende Zombie-Menschen harmlosen amerikanischen Bürgern den Abend. Und zwar gewaltig. Regisseur James Gunn konnte bereits als Drehbuchautor des Erfolgs-Remakes Dawn of the Dead erste Erfahrungen in diesem Genre sammeln. Mit „Slither“ liefert er als Regisseur sein Leinwand-Debüt ab und steuert auch das Drehbuch bei. Dass alles aus einer Hand kommt, schadet dem Film nicht. „Slither“ findet eine gute Balance zwischen Horror- und Schockelementen und humoristischen Einlagen. Gern nimmt der Autor/Regisseur dabei auch das prüde Kleinstadtleben der konservativen Amerikaner aufs Korn: In zwei ineinander geschnittenen Szenen muss Starla einen Squaredance-Abend mit dem Thema „Deer Cheer“ über sich ergehen lassen, während Grant der geschockten Brenda seine Mutation enthüllt - und der Zuschauer kann sich prompt nicht entscheiden, was denn nun schrecklicher ist. Unterstützt wird die Atmosphäre von einem ziemlich guten Soundtrack voller Goldstücke traditioneller Countrymusik und leicht rockigeren Ohrwürmen. So mancher Zuschauer dürfte sich beim Mitwippen mit dem Fuß erwischen. Vor allem in der Eröffnungssequenz mit der Polizeistreife im Auto liefert die Musik einen großen Einstieg in den Film.

    „Slither“ orientiert sich auch an den einschlägigen Regeln des Horrorgenres. Eine düstere Grundstimmung wird früh angelegt, und die Schockmomente sind gut platziert. Außerdem arbeitet der Zufall immer nur gegen Polizeichef Pardy und zwingt ihn mehr als einmal, schnell zu einem nicht ausgereiften Plan B überzugehen. So etwas wollen Horrorfans sehen. Mit Nathan Fillion (Serenity, „Firefly“) hat sich auch der richtige Mann als Protagonist gefunden. Er ist vielleicht kein ausgefeilter Charakterdarsteller, aber das ist hier auch gar nicht gefragt. Stattdessen bringt er eine ordentliche Portion Country-Charme und Galgenhumor mit. Dass er sich selbst nicht ganz ernst nimmt, wirkt ebenfalls recht sympathisch. Allerdings gibt er fast eine Reprise seiner Rolle als Captain Reynolds aus Serenity. Sein Gegenspieler Michael Rooker ist eher durch TV-Rollen und ältere Filme wie „Tage des Donners“ und Cliffhanger bekannt, gibt aber durch sein kantiges Äußeres und seine ruppige Art eine gute Besetzung für Grant ab. Auch Elisabeth Banks (Spider-Man 2, Jungfrau (40), männlich, sucht...) legt einen guten Auftritt hin, der ihr allerdings auch nicht viel abverlangt. Lustig ist allerdings, wie sie die Ernsthaftigkeit des Eheversprechens ihrer Figur vermittelt.

    James Gunn ist sicherlich keine Perle des Horrorfilms gelungen. Zu lange braucht „Slither“ für seinen Einstieg in die Handlung, die Exposition der Figuren ist für einen Horrorfilm sehr umfangreich geraten und ziemlich überflüssig. Bis endlich Klartext in Sachen Monster und Action gesprochen wird, hat sicher schon der ein oder andere Zuschauer geistig abgeschaltet. Außerdem bietet „Slither“ nichts wirklich originell Kreatives, sondern lehnt sich an bereits bewährte Konzepte an und schreibt gern mal ab. Es funktioniert auch insoweit, als dass ein unterhaltsamer Spaß-Horrorfilm dabei herauskommt, aber einige Lücken und vor allem ein viel zu langer Anfang trüben den Sehspaß doch ziemlich.
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