Santa´s Slay
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
1,5
enttäuschend
Santa´s Slay
Von Christoph Petersen

Die Pre-Credit-Sequenz erweist sich schon mal als ausgesprochen viel versprechend: Ein ganz normales Weihnachtsessen bei Luxusfamilie Mason, in den Gebeten wird sich brav für den neuen 3er-BMW bedankt und Leute mit Kleinwagen werden aufrichtig bedauert. Doch dann kommt Santa vorbei, Rebecca Scream 2 Gayheart endet mit löchrigem Schädel, Fran „Die Nanny“ Drescher wird erstmal abgefackelt, um anschließend auch noch in der Suppe ersäuft zu werden, James Der Pate Caans Hirn wird von einer Truthahnkeule durchbohrt und der Christbaum kurzerhand als Ninjastern zweckentfremdet. Leider stellt sich beim Weitergucken sehr schnell heraus, dass David Steiman so den größten Teil des Pulvers seiner festlichen Horror-Comedy „Santa´s Slay“ schon in der ersten Minute verschossen hat. Die restlichen 80 Minuten präsentieren sich hingegen absolut harm- und witzlos, erinnern eher an eine missglückte Sonntag-Nachmittag-RTL-Familienkomödie denn eine saftige Splattercomedy. So kommen Erinnerungen an das Hulk-Hogan-Vehikel „Santa Claus mit Muckies“ nicht nur wegen der Besetzung von WWE-Wrestlingstar Bill Goldberg als blutrünstiger Santa und der ähnlichen Thematik, sondern auch wegen der akuten Ideenlosigkeit auf.

Früher zog Santa (Bill Goldberg), der Sohn von Satan und Erika (unbefleckte Empfängnis, die Zweite!), jedes Jahr zum Tag der Toten mordend und meuchelnd über die Lande. Doch dann verlor er gegen einen Engel eine Curling-Wette – seither muss er immer ganz doll lieb sein und zu Weihnachten schöne Geschenke verteilen. Doch nun ist diese Wette abgelaufen und Bad Santa is back! Der erste Flug mit seinem treuen Rentier Berserker führt ihn direkt in das kleine US-Städtchen Hell. Hier versuchen die beiden Teenies Mary („Lost“-Star Emilie de Ravin, The Hills Have Eyes) und Nicholas (Douglas Smith) zwar gerade ihre Beziehung auf die Reihe zu bekommen, aber für den Kampf gegen den teuflischen Weihnachtsmann machen sie eine kurze Pause. Mit Nussknacker und Panzerfaust bewaffnet, mit Erfinderopa (Robert Culp) und einer Horde schießwütiger Rednecks im Schlepptau wird zum alles entscheidenden Gegenschlag ausgeholt…

Nachdem sich David Steiman als Assistent und Co-Regisseur bei den Brett-Ratner-Filmen „The Family Man“, „Rush Hour 2“ und Roter Drache abgerackert hat, hat sich Rattner dazu entschieden, seinem Schützling auch mal eine Chance zu geben und sein Regie- und Autorendebüt „Santa´s Slay“ zu produzieren. Eine Entscheidung, die ihm im Nachhinein hoffentlich einige schlaflose Nächte beschert hat. Denn Steimans Inszenierungskünste sind nicht nur so dürftig, dass der Film kaum über durchschnittliches Kinder-TV-Niveau herausreicht, außerdem raubt sein infantiler Humor dem Zuschauer auch noch den letzten Nerv. Splatterszenen auf der einen und Kleinkindergags auf der anderen Seite – welches Zielpublikum hat eine solch absurde Mischung? Man muss zwar schon einen Perso besitzen, um sich die DVD überhaupt ausleihen zu dürfen, sollte aber gleichzeitig auch den American Pie 3-Humor für eine anspruchsvolle philosophische Abhandlung halten? Und wenn gar nichts mehr geht, kommt der Auftritt des furzenden Opas und für dümmliche Schwulenwitzen findet sich auch noch ein prominentes Plätzchen. Wenn man einen Film macht, der einen Killerweihnachtsmann zur Hauptfigur hat, kann man eigentlich nicht viel falsch machen – ein Trash-Feuerwerk scheint sicher. „Santa´s Slay“ fehlt aber jede Spur von Charme und Witz, wirkt im Endeffekt einfach nur unheimlich angestrengt und gewollt.

Ich bin Santa, nicht der beknackte Graf Dracula!

Bei solchen Onelinern ist es zu verschmerzen, dass sie äußerst rar gesät sind und Santa meistens die Klappe hält. Auch Goldbergs schauspielerischen Talente bewegen sich in einem sehr überschaubaren Rahmen – gut also, dass er sich die meiste Zeit hinter seinem großen, grauen Bart verstecken kann. Allerdings kann Santa so natürlich weder mit Bösewichtcharme noch mit trashiger Coolness aufwarten – so hat man es doch tatsächlich geschafft, selbst aus einem Killerweihnachsmann eine durchgehend langweilige Figur zu machen. Nebenbei versucht Steiman auch noch einige Spitzen gegen die kapitalisierte Coca-Cola-Weihnacht zu setzen. Und wenn er Pastor Timmons (Dave Thomas, Rat Race), der sich mit seiner Predigt eher Lorbeeren als Geldeintreiber denn als Seelentröster verdient, mit der Kollekte sofort in einen Tittenclub ziehen lässt, wo er die Spenden unter die großbusigen Blondinen bringt, gelingt ihm dies auch für einen ganz kurzen Moment. Weitere Ansätze in diese – eigentlich viel versprechende – Richtung sucht man dann allerdings vergebens.

Ich fasse gar nicht, dass der Weihnachtsmann uns jagt. Ich dachte immer, dass der voll cool drauf ist!

Auch was die Splatterszenen angeht, ist der Ideenreichtum bereits nach dem Vorspann erschöpft. Danach folgen eigentlich nur noch timing- und pointenlose Prügeleien, die an einen Bud-Spencer-Film erinnern, den man sich nach dem Genuss von mehreren Schlaftabletten reinzieht. Nur enden diese gerade für einen Wrestling-Star verdammt schwach choreographierten Fights hier nicht mit der typischen klatschenden Backpfeife, sondern meist mit einer aufgespießten Leiche, was auf Dauer eher ermüdet denn zu Jubelstürmen hinreist – da haben Jason, Freddy und Konsorten schon ganz andere und viel unterhaltsamere Dinge geleistet. So lässt sich der erste gelungene Gag seit dem Vorspann erst wieder im Abspann entdecken: Wie so oft werden auch in „Santa´s Slay“ noch kurz die weiteren Werdegänge der Protagonisten zusammengefasst. Und Mary, die Figur von Serienstar Emilie de Ravin, got „Lost“. Ein kurzes Lächeln zum Schluss kann aber natürlich zahlreiche vermisste Lacher zuvor nicht im mindesten ausgleichen. Trotz hohem Bodycount eine gänzlich glanzlose Weihnacht.

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