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    Dhoom
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Dhoom
    Von Christoph Petersen
    Wenn man sich den Bollywood-Actioner „Dhoom“ reinzieht, denkt man häufig: Das habe ich doch schon mal irgendwo gesehen. Aber „Dhoom“ ist nicht etwa das Remake eines Hollywood-Blockbusters, sondern vielmehr ein buntes Sammelsurium aus Versatzstücken solcher US-Erfolgsfilme wie The Fast And The Furious, "Ocean´s Eleven" oder The Italian Job. Dabei nimmt sich „Dhoom“ aber noch weniger ernst als die amerikanischen Varianten und macht so mindestens genauso viel Spaß.

    In Bombay macht eine Gangsterbande die Straßen unsicher. Anführer Kabir (John Abraham) und seine Gang überfallen eine Bank nach der anderen und entkommen dann jedes Mal mit ihren hochgezüchteten Rennmaschinen den überforderten Cops. Deshalb wird Superbulle Jai Dixit (Abhishek Bachchan) auf den Fall angesetzt, aber zunächst hat auch er keinen Erfolg. Erst als er sich den Kleinganoven und Champ illegaler Motorrad-Rennen Ali (Uday Chopra) mit ins Boot holt, kommen sie den Gaunern näher. Bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung des Ministerpräsidenten scheint dann ihre große Stunde gekommen, sie stehen Kabir und seiner Bande direkt gegenüber, aber außer einem der Diebe, den Jai auf der Flucht erschießt, können alle fliehen. Jai, in seiner Polizisten-Ehre schwer verletzt, schmeißt den Job hin und Ali wird von Kabir, der nun einen neuen Fahrer für den nächsten Raubzug braucht, angeworben. In einem Luxuscasino, wo die Bösen ihren letzten großen Coup landen wollen und Jai sich mit seiner Frau Sweety (Rimi Sen) von seiner Niederlage erholt, treffen sie alle am Silvesterabend wieder aufeinander…

    Natürlich stehen die absolut over-the-top inszenierten Action-Sequenzen klar im Vordergrund. Dabei legt Regisseur Gadhvi wesentlich mehr Wert auf Spli-Screens und Zeitlupen als auf Logik oder physikalische Naturgesetze. So entsteht mit dem einzigen Ziel der Unterhaltung des Zuschauers Kintopp vom feinsten, den in dieser reinen Form momentan nur das indische Kino zu bieten hat und der im US-Kino bis auf wenige Ausnahmen (beispielsweise der absolut unterschätzte Final Call) seit Spielbergs „Indiana Jones“-Filmen schmerzlich vermisst wird. Die zahlreichen Prügeleien erinnern dabei in ihrer Sinnlosig- und Leichtigkeit an frühe Bud Spencer-Klassiker, wobei die Bollywood-Darsteller noch weiter aneinander vorbeischlagen, als es selbst bei Spencer und Terence Hill üblich war. In Sachen Absurdität kann mit den total abgedrehten Motorradsequenzen in „Dhoom“ eigentlich nur Joseph Kahns Hart am Limit mithalten, der ähnlich verrückte Zweiradszenen vorweisen konnte. So nimmt Bösewicht Kabir, während er auf seinem Bike vor einem Polizeiwagen flieht, seinen Helm ab und schleudert ihn so vor die Reifen des Autos, dass dieses abhebt und nach einem kompletten Salto wieder sicher landet. Oder Superbulle Jai schießt, obwohl er selbst in Flammen steht, ohne mit der Wimper zu zucken hinter den fliehenden Verbrechern her, während ihn ein Kollege mit einem Feuerlöscher absprüht.

    Schon in der ersten Szene nach dem Vorspann kommt einer der für einen Bollywood-Film unverzichtbaren Songs. Allerdings geht es dabei in „Dhoom“ für einen indischen Film unerwartet anzüglich-erotisch zu. In einer typischen Werbeoptik versucht Jai seine Frau Sweety zu verführen, was im ersten Moment an einen Hochglanz-Milchspot erinnert. Ihre Haare wehen selbst im Haus verführerisch im Wind und im Garten (auf perfekt gestutztem Rasen) spritz er sie (weißes Oberteil!) in Hochauflösender-Zeitlupe mit dem Gartenschlauch nass. Weitere musikalische Einlagen sind Alis Flirt-Song während er das schicke Auto der sexy Besitzerin Sheena (Esha Deol) repariert, zwei direkt aufeinander folgende Gruppen-Choreographien auf einem Wohltätigkeitsball und der von Sunidhi Chauhan fast ausschließlich in englisch gesungene Titelsong „Dhoom – Machale“ während des Abspanns.

    „Dhoom“s Blick auf die polizeilichen Ermittlungen ist so naiv, dass die Geschichte eher an ein kindliches „Räuber und Gendarm“-Spiel als an die Story eines Big-Budget-Blockbusters erinnert. Aber das macht auch einen Großteil des Reizes des Films aus, vor allem auch deshalb, weil er immer wieder die gängigen Genre-Mustern geschickt aufzubrechen weiß und konsequent mit Action- und Heist-Movie-Versatzstücken jongliert. So steht der supercoole, erbarmungslose Megacop Jai zuhause unter der strengen Fuchtel seiner Frau, die ihn immer wieder bei der Arbeit stört, um zu kontrollieren, ob Jai auch sein Gemüse aufgegessen hat. Ali ist unter den Bikern der absolute Superstar, bekommt aber trotzdem einfach keine Frau ab und betet sogar ständig zu seiner toten Mutter, dass sie ihm doch bitte endlich die Richtige schicken solle. Und schließlich arbeiten die eiskalten, abgebrühten Übergangster allesamt als Kellner in einem kleinen Pizzaladen. Leider verzettelt sich der Film bei all seinen amüsanten Spielereien zum Schuss hin aber ein Bisschen, so dass das Ende viel zu überkonstruiert und auch sehr beliebig daherkommt. Der Showdown ist so bei weitem nicht so spannend, wie er bei der Figurenkonstellation und dem Production-Value hätte sein müssen. Trotzdem darf man auf den zweiten Teil gespannt sein, der noch in diesem Jahr in die indischen Kinos kommen wird.
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