2011 wurde eine Verfilmung von George Orwells Klassiker „Animal Farm“ alias „Farm der Tiere“ angekündigt. Ein Jahr später gab der eigentlich vorgesehene Regisseur Rupert Wyatt den Posten an Andy Serkis ab, mit dem er zuvor „Planet der Affen: Prevolution“ machte. Der vor allem mit seinen Motion-Capture-Performances als Gollum im „Herr der Ringe“-Universum (siehe Artikelbild) oder als Affe Caesar bekannte Serkis sollte mit dem Titel sein Regie-Debüt feiern. Mit der Hilfe der erwähnten Motion-Capture-Technik wollte er die Welt von Orwell zum Leben erwecken – als 3D-Spektakel.
Doch die Jahre zogen ins Land. Zwischenzeitlich kam Netflix an Bord und stieg dann wieder aus. Serkis inszenierte unterdessen mehrere andere Filme – darunter „Mogli: Legende des Dschungels“ und „Venom 2: Let There Be Carnage“. Seine „Dschungelbuch“-Neuverfilmung diente vielen auch als Blaupause, wie wir uns seine „Farm der Tiere“-Adaption vorstellen dürfen. Doch Fehlanzeige...
Denn zwischenzeitlich warf Serkis die ganzen Motion-Capture-Ideen über den Haufen und plante „Animal Farm“ fortan als klassischen Animationsfilm. Der erblickt nun endlich das Licht der Welt. Nachdem es vor einigen Wochen schon ein erstes Teaser-Poster gab, wurde nun das allererste Szenenbild veröffentlicht – und das überrascht:
The Imaginarium
Auch wenn wir wussten, dass „Animal Farm“ ein klassischer Animationsfilm und kein Motion-Capture-3D-Blockbuster mehr ist, überrascht doch der Look. Die im Zentrum des Bild stehenden Schweinchen sehen höchst süß und knuffelig aus – was auf den ersten Blick so gar nicht zur Story der düsteren Parabel passt (aber gleichzeitig genau mit diesem Unterlaufen von Erwartungen genial sein könnte). Auf der Diskussionsplattform Reddit gibt es in einem von vielen Threads zum Bild so bereits deutlich über 1.000 Kommentare, die größtenteils sehr überrascht auf das Bild reagieren. Oft wird die Befürchtung geäußert, dass Eltern mit einem falschen Eindruck ihre Kinder in den Film schleppen könnten.
Da sollten sie wirklich vorsichtig sein, denn George Orwells „Animal Farm“ ist alles andere als ein niedlicher Tierfilm: Die 1945 veröffentlichte Fabel erzählt von einem Aufstand der Tiere gegen ihre menschlichen Unterdrücker – nur damit sich im Anschluss neue Hierarchien und ein totalitäres Regime herausbilden. Was als Streben nach Gleichheit beginnt, endet in brutaler Diktatur und Propaganda, mit der berühmten Formel: „Alle Tiere sind gleich, aber manche sind gleicher.“
Die Geschichte gilt als scharfe Allegorie auf die Russische Revolution und den Stalinismus – ist aber mit ihrer Kritik an Machtmissbrauch und autoritären Systemen bis heute hochaktuell. Gerade dieser Kontrast zwischen kindlich-verspieltem Look und düsterem, politischem (überhaupt nicht für die Jüngsten geeigneten) Inhalt könnte Serkis' Film eine spannende Dynamik bescheren.
Über ein Jahrzehnt war es still – nun gibt's plötzlich die Weltpremiere
Nachdem wir so lange auf „Animal Farm“ gewartet haben, geht es nun übrigens richtig schnell mit der ersten Vorführung des Films. Bereits am kommenden Montag, den 9. Juni 2025, feiert er seine Weltpremiere auf dem 2025 Annecy International Animation Film Festival in Frankreich. Dann wird es auch erste Eindrücke eines Publikums von Serkis' Adaption des Orwell-Klassikers geben.
Leider ist aber noch nicht bekannt, wie es mit dem Film danach weitergeht und wer „Animal Farm“ wann und wie regulär herausbringen wird. Ob der Film also noch im Laufe des Jahres 2025 in die Kinos kommt oder bei einem Streamingdienst erscheint, wissen wir noch nicht.
"Animal Farm" mit lauter Stars am Mikro
Die Hoffnung ist aber groß, dass die Vorführung beim renommierten Animationsfestival in Frankreich ein Startpunkt für mehr ist. Genügend Star-Power bringt der Film zumindest mit. Seth Rogen („Das ist das Ende“), Steve Buscemi („Fargo“), Glenn Close („Gefährliche Liebschaften“), Kieran Culkin („A Real Pain“), Woody Harrelson („Zombieland“), „The Big Bang Theory“-Star Jim Parsons, Kathleen Turner („Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten“), „Stranger Things“-Entdeckung Gaten Matarazzo und Ms.-Marvel-Darstellerin Iman Vellani leihen den animalischen Figuren ihre Stimme.
Warum der Film trotzdem noch keinen Abnehmer gefunden hat? Womöglich hängt das mit der hier im Artikel geäußerten Überraschung über den Look zusammen und damit der Frage, an welches Publikum sich diese Neuverfilmung richten soll. Erwachsene Zuschauer könnte die zu niedliche Optik abschrecken, für kleine Kinder ist der Stoff womöglich nichts (wenn sie nicht ohnehin durch eine entsprechende Altersfreigabe ausgeschlossen werden). Hoffen wir mal, dass der Einfall, die düstere Story mit einem niedlichen Look zu konterkarieren, nicht nach hinten losgeht.
Übrigens macht Andy Serkis gerade auch einen neuen „Herr der Ringe“-Film. Wie es um diesen steht und wie lange wir noch warten müssen, erfahrt ihr im folgenden Artikel:
Starttermin für neuen "Herr der Ringe"-Film enthüllt: So lange müssen wir auf "The Hunt For Gollum" warten