Die 1970er-Jahre waren die Blütezeit für das Verschwörungs- und Paranoiakino: Nicht zuletzt durch in Fernsehnachrichten prominent aufbereitete Politskandale entstand ein Klima des Misstrauens zwischen Volk, Medien und Politik. Diese Stimmung inspirierte zahlreiche Filmschaffende zu packenden Thrillern über das Gefühl, ständig verraten zu werden und niemals sicher zu sein.
Einer der berühmtesten Vertreter dieses Genres ist der Polit- und Agententhriller „Die drei Tage des Condor“, dem es selbst mit minimalem Action-Anteil gelingt, den Puls in die Höhe zu treiben. Nun könnt ihr den Klassiker, dem das Marvel Cinematic Universe ein Denkmal gesetzt hat, ohne Werbeunterbrechungen im TV genießen: Der BR zeigt heute, am 27. Juni 2025, „Die drei Tage des Condor“ ab 22.45 Uhr. Alternativ ist der Film als VOD über Amazon Prime Video verfügbar.
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Darum geht es in "Die drei Tage des Condor"
Comicliebhaber Joseph Turner (Robert Redford) arbeitet in New York für eine getarnte Außenstelle der CIA. Seine Aufgabe ist es, Bücher nach Inhalten zu durchkämmen, die für die Sicherheit des Landes relevant sein könnten. Doch als er eines Mittags von einer Pause ins Büro zurückkehrt, findet er seine Kollegen erschossen vor! Noch unter Schock ruft Joseph bei der Zentrale in Langley an, um den Vorfall zu melden.
An der Strippe versichert ihm der CIA-Offizier Higgins (Cliff Robertson), dass er in Sicherheit gebracht wird. Doch dann kommt dem CIA-intern „Condor“ genannten Joseph eine beängstigende Vermutung: Was, wenn die CIA ihn, den einzigen Überlebenden, für einen Verräter hält? Was, wenn die CIA – oder ein Maulwurf – die komplette Außenstelle auslöschen wollte, und er nun enthüllt hat, dass dies misslungen ist?
Joseph bleibt keine Wahl: Er begibt sich auf die Flucht, um in Sicherheit nachzuforschen, was genau vor sich geht. Dabei lernt er zufällig die Fotografin Kathy (Faye Dunaway) kennen, die er dazu drängt, ihm zu helfen...
Marvel, Clooney und Pollack referenzieren diesen Klassiker
„Die drei Tage des Condor“ erzählt von der Hatz einer Frau und eines Mannes, die durch New Jersey, New York und Washington D.C. führt. Zudem geht es um die Furcht des Helden, dass der Geheimdienst, für den er tätig war, nicht etwa den demokratischen Staat und seine Bevölkerung schützen, sondern eine Form des Totalitarismus heraufbeschwören will und dafür über Leichen geht. Und mittendrin steckt „Der Clou“-Star Robert Redford in einer tragenden Rolle.
Marvel-Fans dürften das bekannt vorkommen – und dies ist kein Zufall! Die Regisseure Joe & Anthony Russo gaben wiederholt zu, dass „The Return Of The First Avenger“ eine (actionreichere) Hommage an „Die drei Tage des Condor“ und einige seiner Genrekollegen darstellt. Und nicht nur das aufregende MCU-Filmhighlight verneigte sich vor dem Verschwörungsthriller!
Unter anderem wird in „Out Of Sight“ mit Jennifer Lopez und George Clooney über ihn diskutiert – und „Die drei Tage des Condor“-Regisseur Sydney Pollack gönnte sich den Spaß, in drei seiner späteren Filme Dialogzeilen aus seinem Paranoia-Meilenstein abzuwandeln: In der Komödie „Tootsie“, im Justizfilm „Die Firma“ und im Thriller „Die Dolmetscherin“.
Zum anhaltenden Ruhm von „Die drei Tage des Condor“ dürfte auch beigetragen haben, dass der aus dem Watergate-Politpessimismus entwachsene Thriller ein vorausschauendes Gespür für US-Politkontroversen beweist: Eine zentrales Element des Films ist der ruchlos ausgefochtene Kampf um endliche Ressourcen – ein Thema, das für die USA seit Veröffentlichung von „Die drei Tage des Condor“ weiter an Relevanz und Brisanz zugelegt hat.
Rasiermesserscharfer Wechsel zwischen Stilwillen und Realismus
Auch unabhängig davon, wie zielsicher die Autoren Lorenzo Semple Jr. und David Rayfiel einen Nerv getroffen haben, weiß der von ihnen verfasste Verschwörungsthriller noch Jahrzehnte später zu begeistern. Die diversen Schichten an Machtmissbrauch, Intrige und Machtgier, die Joseph Turner sukzessive enthüllt, sind durchdacht konstruiert und werden in fesselnder Abfolge präsentiert: Es ist spannend, dem unmoralischen Morast auf den Grund zu gehen, ebenso entsteht Suspense durch die Frage, wie lange der trotz seiner Raffinesse ordentlich ins Schleudern gelangende Condor seinen Feinden entkommen kann.
Eine Spur Menschlichkeit gewinnt der Stoff durch die komplexe, den Helden nicht durchweg moralisch astrein dastehen lassende Beziehung zwischen Condor und Kathy, die Dunaway mit Feingefühl und Tiefe verkörpert. Und obwohl Pollack sich Jahre später selbst kritisieren sollte, er hätte einen emotionalen Wendepunkt in der Beziehung dieser Figuren „zu verkopft“ inszeniert: „Die drei Tage des Condor“ ist nicht zuletzt aufgrund Pollacks behände zwischen Realismus und kunstvoller Spekulation gleitender Inszenierung solch ein Meisterwerk. Ständig schmeißt der Regisseur sein Publikum zwischen semi-dokumentarischer, bodenständig-detaillierter Beobachtung und Unsicherheit schürendem, die geordnete Welt verschiebendem Stilwillen hin und her.
Dieses parallel zum Film laufende Kopfkino der Paranoia wird weiter durch den für den Oscar nominierten, rasiermesserscharfen Schnitt von Don Guidice und Fredric Steinkamp bestärkt – sowie durch die enorm von Zeitkolorit geprägte Filmmusik des Jazzmusikers Dave Grusin. Denn Grusin erzeugt wiederholt eine lässig-fidele, Komfort bietende Klangwelt, die an einzelnen Stellen jedoch prägnant durch bedrohliche Zwischentöne gestört wird.
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