1992 starteten Hits wie „Kevin - Allein in New York“, „Basic Instinct“ und der dritte Teil der „Lethal Weapon“-Reihe in den deutschen Kinos. Sie alle wurden von zwei musikalischen Filmen des Disney-Konzerns überboten: An der Spitze der Jahrescharts landete das Zeichentrick-Meisterwerk „Die Schöne und das Biest“, das 5,18 Millionen Menschen in die Lichtspielhäuser lockte. Knapp dahinter platzierte sich die Komödie „Sister Act“ mit 4,97 Millionen Kinobesucher*innen.
Trotz dieses Kassenerfolgs versprüht der Film aber bis heute den Underdog-Charme eines Kultklassikers – und verbreitet mit seiner unvergleichlichen Mixtur aus Lebensfreude, kesser Attitüde und Seelenbalsam bei Jung und Alt blendende Stimmung. Am 10. Juli 2025 läuft „Sister Act“ ab 20.15 Uhr bei VOX. Darüber hinaus findet ihr die spitze besetzte Komödie bei Disney+ im Abo:
Dort könnt ihr auch die Fortsetzung „Sister Act 2“* abrufen, in der Thomas Gottschalk (!) einen von Würsten besessenen Pater (!!) verkörpert und zudem Westernlegende James Coburn, Fugees-Frontsängerin Lauryn Hill sowie Jennifer Love Hewitt mitspielen. Ein dritter Teil befindet sich in Entwicklung – ein Grund mehr, sich (wieder) in diese kultig-schöne Reihe einzufuchsen!
Darum geht es in "Sister Act"
Loungesängerin Deloris van Cartier (Whoppi Goldberg) brennt für Musik, kann bei ihrem Publikum allerdings kein Feuer der Leidenschaft entfachen. Als sie Zeugin wird, wie sich ihr dubioser Liebhaber und Arbeitgeber Vince LaRocca (Harvey Keitel) des Mordes schuldig macht, bricht ihr glanzloses Leben völlig in sich zusammen. Panisch sucht sie das Weite – und findet bei Lieutenant Eddie Souther (Bill Nunn) Gehör.
Er schleust Deloris zu ihrem Schutz in ein katholisches Kloster, wo sie die Identität der Schwester Mary Clarence annimmt. Während Monsignore O’Hara (Joseph Maher) und Mutter Oberin (Maggie Smith) die wahren Hintergründe kennen, wird das restliche Kloster nicht eingeweiht. Trotzdem sind die Nonnen völlig außer sich, ein neues Gesicht in ihrer Mitte zu begrüßen.
Vor allem die muntere Schwester Mary Patrick (Kathy Najimy) und die schüchterne Schwester Mary Robert (Wendy Makkena) freuen sich über den Neuzugang. Der hat zwar Probleme, sich einzugewöhnen, doch kaum erhält Mary Clarence die Gelegenheit, den Nonnenchor zu leiten, blüht sie auf – und mit ihr erst die anderen Nonnen und dann die gesamte Gemeinde. Das bringt Medienaufmerksamkeit mit sich, was nicht gerade mit dem Gedanken eines Zeugenschutzprogramms harmoniert...
Ein anerkennendes Gegeneinander
Mit Whoopi Goldberg als vorlaute, fidele Loungesängerin in Nonnenverkleidung und Maggie Smith als liebevoll-strenge, traditionsbewusste Mutter Oberin stehen sich in „Sister Act“ zwei sympathische Oscar-Gewinnerinnen gegenüber. Von deren Können profitiert „Sister Act“ ungemein: In ihren Händen werden Mary Clarence, die aus einem piefigen Nonnenchor eine populäre Musik im Gospelstil singende Attraktion macht, und die Neuerungen skeptisch betrachtende Mutter Oberin nicht etwa stumpf zu Feindinnen.
Wenn etwa die restlichen Nonnen um eine Abstimmung gebeten werden, sich zwischen den entgegengesetzten Köpfen zu entscheiden, liegt Bedauern in Goldbergs Augen und sie verzieht in empathischer Sorge ihren Mund. Denn Mary Clarence weiß im Gegensatz zur Mutter Oberin, dass die vom frischen Wind im Kloster begeisterten Nonnen für mehr Gospel, Motown und Boogie Woogie stimmen werden.
Sie nimmt diesen Zuspruch geschmeichelt entgegen und freut sich, dass sie ihre Klosterschwestern glücklich macht – aber sie achtet die Mutter Oberin zu sehr, um diese demütigende Abstimmung herbeizusehnen, geschweige denn auszukosten. Und so, wie Goldberg ihre kecke Figur wiederholt erdet, vermeidet Smith es, ihre Rolle als vollauf herrisch und biestig anzulegen. Sanft mitfühlend hochgezogene Mundwinkel und ein Hauch Wärme in der Stimme drücken Gemeinschaftssinn aus, der ganz non-verbal verdeutlicht, weshalb sich diese Frau für solch ein Leben entschieden hat.
Ein weiterer Dauerbrenner vom "Dirty Dancing"-Macher
Diese Feinheiten, sowie ein seine Schurkenrolle nicht abmildernder Keitel und die ihren vermeintlichen Karikaturen eine weitere Wesenszüge andeutende Lebendigkeit verleihenden Najimy und Makkena, geben „Sister Act“ trotz der arg zugespitzten Grundidee Glaubhaftigkeit. Und das beeinflusst die Grundstimmung dieser Komödie: „Sister Act“ ist zwar voller Albernheiten, die „Dirty Dancing“-Regisseur Emile Ardolino selbstbewusst ausbreitet. Aber diese einzelnen, schrägen Noten formieren sich zu einer harmonischen, das Herz erfüllenden Gesamtkomposition.
Die von Joseph Howard („Die Addams Family in verrückter Tradition“) verfasste Welten-prallen-aufeinander-Komödie wird zum herzlichen Lobgesang auf die Vielseitigkeit von Lebensentwürfen und zur beherzten Bestandsaufnahme, dass sie nicht nur koexistieren, sondern sich wunderschön kreuzen können. Und da sich diese Aussage ganz organisch aus diesem amüsierten, amüsanten Gesamtkunstwerk ergibt, kann sie Howard gar nicht schwerfällig von der Kanzel predigen:
Es ist eine erbauliche Erkenntnis, die sich im Laufe des frohen Dialogfeuers, der einfühlsamen Zwischentöne und des erstklassigen Soundtracks ergibt – und die erklären könnte, weshalb dieser skurril konstruierte Spaß die Zeit überdauert hat. Während „Sister Act“ unsere Lachmuskeln trainiert, lässt er unser Herz wachsen. Ein Film wie perfekt abgestimmte „Gravy“ mit „Just A Touch Of Love“!
Und auch in unserem folgenden Streaming-Tipp weiß Whoopi Goldberg zu bezaubern:
Ab heute neu auf Netflix: Ein absoluter Kultfilm aus den 90ern, den immer noch viel zu wenige kennen!*Bei diesem Link zu Disney+ handelt es sich um einen Affiliate-Link. Mit dem Abschluss eines Abos über diesen Link unterstützt ihr FILMSTARTS. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.