"Er baut ein eigenes Universum": Leonardo DiCaprio verrät uns, was das Meisterwerk "One Battle After Another" so besonders macht
Björn Becher
Björn Becher
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Seit mehr als 20 Jahren schreibt Björn Becher über Filme und Serien. Hier bei FILMSTARTS.de kümmert er sich um "Star Wars" - aber auch um alles, was gerade im Kino auf der großen Leinwand läuft.

Für „One Battle After Another“ bringt Paul Thomas Anderson zwei Schauspiel-Schwergewichte erstmals gemeinsam vor die Kamera: Leonardo DiCaprio und Benicio Del Toro. Wir haben mit ihnen gesprochen.

Als Ex-Revolutionär Bob will Leonardo DiCaprio in One Battle After Another“ (ab 25. September 2025 im Kino) seine Tochter Willa (Chase Infiniti) retten, als der Militär-General Lockjaw (Sean Penn) diese in die Finger bekommen will. Doch der seine Zeit am liebsten mit einem Joint verbringende Bob muss dafür erst mal auf den richtigen Weg gebracht werden. Und diese Rolle übernimmt Sensei Carlos (Benicio Del Toro), Willas Karate-Lehrer.

Es ist nur eine kurze Passage im wilden Ritt, den „Magnolia“- und „There Will Be Blood“-Regisseur Paul Thomas Anderson mit „One Battle After Another“ bietet – doch was Leonardo DiCaprio und Benicio Del Toro in ihrem ersten gemeinsamen Film machen, ist großartig. Ihre Szenen wirken wie ein kleiner Film im Film – voller Gegensätze, mal urkomisch, mal hochdramatisch.

Im kurzen FILMSTARTS-Interview sprechen wir mit den beiden Superstars über ihren ersten gemeinsamen Auftritt vor der Kamera. Im Rahmen des Gesprächs wollen wissen, warum es so schwer ist, bekiffte Figuren überzeugend zu spielen, welche Regisseure noch auf ihrer Wunschliste stehen – und wie Paul Thomas Anderson ein filmisches Universum erschaffen hat, in dem plötzlich alles möglich scheint. Passend zur Darstellung im Film, wo Sensei Carlos mit Taten voranschreitet, während Bob die ganze Zeit redet, übernimmt dabei Leonardo DiCaprio größtenteils das Beantworten der Fragen.

Benicio Del Toro und Leonardo DiCaprio im Interview zu Webedia GmbH
Benicio Del Toro und Leonardo DiCaprio im Interview zu "One Battle After Another".

FILMSTARTS: Ihr habt in „One Battle After Another“ quasi einen eigenen Film im Film, der sehr von den völlig gegensätzlichen Energien eurer Figuren lebt: Laserfokussiert versus völlig zerstreut. Wie war es, mit dieser kontrastierenden Dynamik zu spielen?

Benicio Del Toro: Es hat Spaß gemacht, es hat wirklich Spaß gemacht.

Leonardo DiCaprio: Es sind genau die Dynamiken, die Paul für diese Figuren angelegt hat, die so einzigartig und unerwartet sind. Bei meiner Figur ist es ja so: Man erwartet von ihm, dass er als ehemaliger Revolutionär all seine Fähigkeiten wieder einsetzt – und er scheitert schon an der ersten Hürde - sich überhaupt an das Codewort zu erinnern, um seine Tochter zurückzubekommen.

Und ihm gegenüber stellt Paul diese unglaubliche Figur von Sensei Carlos, dem Karatelehrer seiner Tochter. Und gleichzeitig hast du diese drohenden Militärkräfte des Verderbens im Hintergrund. Davor diese beiden Typen, die gegen alle Widerstände antreten. Ich glaube, viel von der Komik entsteht genau daraus.

Mit diesen Regisseuren wollen DiCaprio und Del Toro noch arbeiten

FILMSTARTS: Warum hat es so lange gedauert, bis ihr beide mal zusammenarbeitet?

Leonardo DiCaprio: Um ehrlich zu sein, ich wünschte, es wäre schon früher passiert. Wir sind ja in derselben Generation groß geworden. Ich habe seine Arbeit schon so lange bewundert – und ich finde, das hier sind die perfekten zwei Rollen, die wir zusammen spielen konnten.

Benicio Del Toro: Es brauchte einfach Paul Thomas Anderson, um das möglich zu machen.

FILMSTARTS: Leo, wir wissen, dass Paul Thomas Anderson seit es bei „Boogie Nights“ nicht geklappt hat, auf deiner Wunschliste mit Regisseuren stand, mit denen du unbedingt mal arbeiten willst? Wie sehen eure Wunschlisten jetzt aus? Wer ist noch offen?

Benicio Del Toro: Oh ja, das gibt es viele. Leo hat ja schon mit einem gearbeitet, mit dem wahrscheinlich jeder gerne arbeiten würde: Martin Scorsese. Für mich wäre das der wahr gewordener Traum, einmal mit ihm zu arbeiten.

Leonardo DiCaprio: Ich muss da Damien Chazelle erwähnen. Ich finde, er ist ein großartiger, großartiger Regisseur. Ein weiterer Autor-Regisseur, der dich völlig in seine Welten eintauchen lässt. Aber da draußen gibt es eine ganze Generation junger Talente. Das ist aufregend.

Paul Thomas Anderson mit Leonardo DiCaprio und Benicio Del Toro beim Dreh zu Warner Bros.
Paul Thomas Anderson mit Leonardo DiCaprio und Benicio Del Toro beim Dreh zu "One Battle After Another".

FILMSTARTS: Er ist wirklich einzigartig, wie viel Paul Thomas Anderson mit „One Battle After Another“ auf die Leinwand wirft. Gab es beim Lesen des Drehbuchs einen Moment, in dem ihr dachtet: Okay, what the fuck, hier ist alles möglich in diesem Film?

Leonardo DiCaprio: Das ist das Ökosystem, das Paul kreiert. Es gibt so viele verschiedene Ebenen, so viele unerwartete Wendungen. Er baut hier fast ein eigenes Universum: mit Kopfgeldjägern, mit Leuten, die beide unserer Figuren reinlegen, und meiner Vergangenheit, die mich einholt.

Es ist ein sehr komplexes Plotkonstrukt, aber er hat es so gestaltet, dass es für ein viel breiteres Publikum zugänglich ist – was ich großartig fand. Und trotzdem wird nichts an den Figuren vereinfacht.

Die Botschaft des Films, das, worüber wir im Film sprechen, die Menschlichkeit der Figuren – all das geht in dieser Odyssee, die er erschaffen hat, nicht verloren.

One Battle After Another
One Battle After Another
Starttermin 25. September 2025 | 2 Std. 42 Min.
Von Paul Thomas Anderson
Mit Leonardo DiCaprio, Sean Penn, Chase Infiniti
User-Wertung
3,8
Filmstarts
5,0
Vorführungen (229)

FILMSTARTS: Ihr habt beide große Erfahrung, bekiffte Figuren, wie nun Bob in diesem Film, zu spielen. Was ist dabei die größte Herausforderung?

Leonardo DiCaprio: Es realistisch wirken zu lassen. Weißt du, das ist das Wichtigste: Dass es realistisch wirkt.

Wie gut ihm das gelungen ist, könnt ihr dann ab 25. September im Kino sehen. Dann ist der Start von „One Battle Another“. Bis dahin erfahrt ihr bereits in unserer 5-Sterne-Kritik, warum ein Kinobesuch für alle Filmfans Pflicht ist. Und nach Start gibt es auch noch unser ausführliches Interview mit Regisseur Paul Thomas Anderson, in dem wir etwas tiefer über den Film selbst sprechen können.

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