„Olfas Töchter“ ist ein Dokumentarfilm, bewegt aber wie ein Drama und ist intensiv wie ein Thriller. Am Abend könnt ihr die packende deutsch-französisch-tunesische Koproduktion erstmals im hiesigen Free-TV sehen:
„Olfas Töchter“ läuft am 22. Oktober 2025 um 21.55 Uhr auf arte. Eine Wiederholung gibt es nicht. Dafür steht der Film aber bereits jetzt als Gratis-Stream in der Mediathek des Senders zur Verfügung. Alternativ ist der FSK-12-Titel zum Leihen oder Kaufen als Video-on-Demand bei den üblichen Anbietern wie Amazon Prime Video, Apple TV oder im YouTube-Store zu haben:
Darum geht es in "Olfas Töchter"
2016: Olfa Hamrouni ist eine alleinerziehende Mutter von vier Teenagerinnen. Als eines Tages ihre beiden ältesten Töchter, Rahma und Ghofrane Chikhaoui, verschwinden, stürzt sie in ein tiefes emotionales Loch. Krank vor Sorge erfährt sie wenig später, dass die zwei nach Libyen gereist sind, um dort dem IS (Islamischen Staat) beizutreten – einer Terrororganisation, die sich dem Dschihad verschrieben hat, dem Heiligen Krieg und bewaffneten Kampf gegen alle Nichtmuslime.
Trauer um die Abwesenheit ihrer Kinder paart sich mit Schuldgefühlen – wie konnte es dazu kommen, dass die Mädchen diesen Schritt unternahmen? Hamrouni entschließt sich, an die Öffentlichkeit zu gehen, und kritisiert offen die tunesischen Behörden dafür, dass diese ihre minderjährigen Töchter einfach das Land verlassen ließen.
Nach der Festnahme der jungen Frauen durch libysche Streitkräfte reagieren die einheimischen Behörden erneut nicht. Stattdessen hindern sie Hamrouni daran, auszureisen, um in Libyen selbst nach ihren Töchtern zu suchen. Während all dies passiert, muss sie versuchen, ihren beiden verbliebenen Mädchen die Sicherheit, Geborgenheit und Liebe zu geben, die diese gewohnt sind – immer in der Angst, dass sie es ihren Schwestern vielleicht irgendwann gleichtun könnten…
Das Experiment geht auf
Der Fall von Olfa Hamrouni und ihren Töchtern schlug 2016 nicht nur in ihrer Heimat, sondern international hohe Wellen. Direkt im Anschluss an Hamrounis Schritt an die Weltöffentlichkeit wollte die tunesische Regisseurin Kaouther Ben Hania (2022 Oscar-nominiert für „Der Mann, der seine Haut verkaufte“) einen Dokumentarfilm drehen. Das Projekt scheiterte damals, weil Ben Hania keinen passenden Ansatz für das Thema fand. Sechs Jahre später wagte sie sich dann aber mit einer komplett anderen Konzeption erneut an das Projekt, für das sie drei professionelle Schauspielerinnen und einen Schauspieler engagierte.
Die Profi-Darsteller*innen wurden immer dann eingesetzt, sobald die Szenen für die reale Olfa Hamrouni emotional zu belastend wurden. Die im arabischsprachigen Raum sehr populäre Hend Sabri („Asmaa“) übernimmt dann den Part der Mutter, während die Jungmiminnen Ichraq Matar und Nour Karoui für ihre zum IS übergelaufenen Töchter einspringen. Zudem verkörpert Majd Mastoura („Hedis Hochzeit“) verschiedene Männer in Olfas Leben.
So gelingt ein faszinierend intimes Porträt einer ohnehin schon ungewöhnlich zusammengesetzten Familie in einer extremen Ausnahmesituation – eine Reise voller Hoffnung, Rebellion, Tradition und Gewalt, die die Fundamente unserer Gesellschaft hinterfragt. Mit diesen Begriffen umschreibt unser Rezensent Thorsten Hanisch den Film in der starke 4 von möglichen 5 Sternen vergebenden FILMSTARTS-Kritik die Dokumentation, die 2023 in Cannes um die Goldene Palme konkurrierte und im Folgejahr eine Oscar-Nominierung in der Kategorie Bester Dokumentarfilm erhielt.
Kaouther Ben Hanias Aufbau ihres Films mag im ersten Moment noch kompliziert oder vielleicht sogar verkopft klingen. Denn die „realen“ und „gespielten“ Charaktere befinden sich nicht in jeweils unterschiedlichen filmischen Räumen, sondern interagieren direkt miteinander. So kommentiert etwa die von Sabri gespielte Olfa gelegentlich die Äußerungen oder Aktionen der echten Olfa. Dabei wird der dokumentarische Charakter des Projekts immer wieder hervorgehoben, indem einzelne Charaktere direkt mit der Regisseurin oder einfach in die Kamera sprechen.
Doch das Experiment geht exzellent auf, fühlt sich für uns als Zusehende nicht nur absolut organisch an, sondern zieht uns sehr schnell mitten rein in das Geschehen. So sind auch wir bald emotional dabei und können die Sorgen, Selbstzweifel und Frustrationen der Mutter, die uns immer näherkommt, nachfühlen. Schaut euch den Film an und überlegt, wie ihr wohl in diesem realen Albtraum reagieren beziehungsweise fühlen würdet.
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