Obwohl den ersten Teil fast 4 Millionen Menschen sahen: Fast niemand interessierte sich für die Fortsetzung dieses Kriegsfilm-Hits!

Sie flogen wieder, doch diesmal gab’s eine Bruchlandung. Der Actioner „Wildgänse 2“ floppte brutal, obwohl der Vorgänger ein Zuschauermagnet war. Kaum Bezug zum Original und eine krude Story rund um Hitlers Stellvertreter waren mitverantwortlich.

Frontier Films

„50 stahlharte Söldner, sie fliegen wie die Vögel, sie kämpfen wie Schakale – Töten ist ihr Geschäft“. Das klingt nach dem Slogan für einen zweitklassigen B-Actionfilm und billig produzierten Direct-to-Video-Streifen. Tatsächlich bewarben die Macher mit diesem unfreiwillig komischen Werbespruch 1978 einen Film, der sich zu einem enormen Box-Office-Erfolg entwickeln sollte: die Kriegs-Action „Die Wildgänse kommen“ von Andrew V. McLaglen.

Sein straffer, bleihaltiger Film erzählt von der der Befreiung eines gestürzten afrikanischen Präsidenten durch eine Gruppe gealterter Söldner. Simpel, fesselnd, ohne Kompromisse. Außerdem versammelte der auf Kriegsfilme und Western spezialisierte US-Amerikaner McLaglen einige der größten Hollywood-Stars der damaligen Zeit. Diese Kombination kam an und lockte die Massen in die Kinos. Am Ende wollten fast vier Millionen Deutsche den Film im Kino sehen (Platz 6 in der Jahresbestenliste). Bei diesem gewaltigen Erfolg war es bis zur Produktion eines Nachfolgers nur eine Frage der Zeit . Der kam schließlich unter dem Titel „Wildgänse 2“ 1985 auf die Leinwände – und entwickelte sich zu einem fundamentalen Flop.

Die Wildgänse vs. Rudolf Heß – what the fuck?!

Westberlin, 1985: Erneut geht es um eine Söldnertruppe, dem diesmal der libanesisch-amerikanische Söldner-Veteran John Haddad (Scott Glenn) vorsteht. Im zweiten Abenteuer der „Wildgänse“ begeben sich die Männer jedoch nicht nach Afrika, sondern in den britischen Sektor der geteilten Stadt. Der Auftraggeber, ein internationaler Medienkonzern, will den seit Kriegsende im Spandauer Kriegsverbrechergefängnis inhaftierten Rudolf Heß (Laurence Olivier) entführen lassen. Der Sender will durch Interviews mit dem früheren Stellvertreter Hitlers und dank potenzieller Enthüllungen zu besseren Einschaltquoten gelangen.

Die Story klingt abseitig und ziemlich schräg – und war womöglich mit ein Grund dafür, dass der Film gnadenlos von der Kritik verrissen wurde und letztlich auch an den Kassen baden ging. Fast noch schwerer aber wiegt die Tatsache, dass „Wildgänse 2“ kaum Bezüge zum erfolgreichen Vorgänger aufweist. Regisseur Peter R. Hunt, der in den 60er-Jahren als Cutter an fünf James-Bond-Filmen beteiligt war, baute zwar ein paar Verbindungen und Anspielungen zur Story und zu den Figuren aus Teil 1 ein – allerdings nur rudimentär und oberflächlich. So spielt Edward Fox („Der Schakal“) einen Scharfschützen, der der Bruder des von Richard Burton gespielten Colonels Allen Faulkner aus dem ersten Teil ist. Doch für eine emotionale Bindung zu einer Figur reicht solch eine Randnotiz natürlich nicht.

Das Berlin der 80er als Kulisse

Noch fataler: Keiner der Hauptdarsteller aus „Die Wildgänse kommen“ kehrte zurück. Dieses Fehlen der Originalstars (Burton, Roger Moore, Richard Harris) trug mit großer Wahrscheinlichkeit ebenso zum Misserfolg bei. Erschwerend kamen ein wenig fokussiertes Drehbuch, die billig anmutende Optik und eine rein auf plakative und explosive Actionszenen setzende, hölzerne Inszenierung hinzu. Heraus kam ein Film, der in Sachen Stimmung, Tonalität und Ästhetik eher an einen durchschnittlichen Fernsehfilm erinnerte.

Wildgänse II - Sie fliegen wieder
Wildgänse II - Sie fliegen wieder
Starttermin 18. Juni 2021 | 2 Std. 05 Min.
Von Peter Hunt
Mit David Lumsden, Frederick Warder, Malcolm Jamieson
User-Wertung
3,0

Immerhin versprühen die Bilder vom Berlin der 1980er-Jahre („Mauerstadt“) Charme und eine gewisse Nostalgie. Tatsächlich entstanden nämlich weite Teile der Aufnahmen rund um das Spandauer Kriegsverbrechergefängnis, zudem drehte das Filmteam am Flughafen Tegel und an einigen markanten Orten in Charlottenburg (Justizvollzugsanstalt).

Einem ganz anderen Genre als „Wildgänse 2“ ist der längst in Vergessenheit geratene Film „Das Mädchen von Petrovka“ (1974) zuzuordnen. Die Komödie mit dem späteren Hollywood-Star und Oscar-Preisträger Anthony Hopkins („Das Schweigen der Lämmer“) hat jedoch einen entscheidenden Aspekt mit dem trashigen Action-Abenteuer von 1985 gemein: Sie war ebenso ein brachialer kommerzieller Misserfolg. Lest hier, warum Hopkins „Das Mädchen von Petrovka“ sogar als den absoluten Tiefpunkt seiner Karriere bezeichnet:

"Der schlechteste Film aller Zeiten": Diesen Flop hält Anthony Hopkins für den Tiefpunkt seiner Karriere
Björn Schneider
Björn Schneider
-Freier Autor
Seit Björn als Kind „Spiel mir das Lied vom Tod“ und „Hook“ gesehen hat, ist er vom Medium Film und seinen (audio-)visuellen Möglichkeiten fasziniert. Am liebsten schaut er Horror, Western, Mystery und Thriller. Musicals und romantische Komödien kosten ihn allerdings Überwindung.
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