Die "Stranger Things"-Macher bestätigen Spin-off – und verraten, wie es zum Comeback des Regisseurs des "besten Films aller Zeiten" kam
Markus Trutt
Markus Trutt
-Redakteur
Vom Spurenverwischen mit Dexter bis zu Weltraum-Abenteuern mit Picard. Markus hat ein Herz für Serien aller Art – und schüttet es gern in Artikeln aus.

Das Ende von „Stranger Things“ ist zum Greifen nah. Staffel 5 des Netflix-Hits ist die letzte. Aus diesem Anlass haben wir die Serien-Macher Matt und Ross Duffer zum Online-Interview getroffen, um mit ihnen über den großen Abschluss zu sprechen.

Nach fünf Staffeln und fast zehn Jahren geht „Stranger Things“ in etwas mehr als einem Monat tatsächlich zu Ende. Das ist natürlich DIE Gelegenheit, um einmal die Masterminds hinter dem nostalgischen Netflix-Phänomen über die finale Staffel auszufragen.

Im Interview mit FILMSTARTS reden die Brüder Matt und Ross Duffer aber nicht nur über den emotionalen Abschied und die zukünftigen Pläne für das Franchise, sondern auch über ausbleibende Depeche-Mode-Songs und darüber, wie sie Frank Darabont – seines Zeichens Regisseur der unangefochten an der Spitze der IMDB-Liste der besten Filme aller Zeiten stehenden Stephen-King-Verfilmung „Die Verurteilen“ – zu einer Rückkehr aus dem Ruhestand bewegen konnten...

Alle Musiker wollen in "Stranger Things" vorkommen – außer Depeche Mode

FILMSTARTS: Die wichtigste Frage zuerst: Warum hat es so lange gedauert, bis ihr den Diana-Ross-Song „Upside Down“ in der Serie verwendet habt?

Matt Duffer: (lacht) Gute Frage. Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Ich glaube, wir wollten nicht, dass es sich zu gewollt anfühlt. Es musste narrativ Sinn ergeben – und dies war die erste Staffel, in der wir gemerkt haben: Okay, jetzt passt es zu den Figuren, dass sie diesen Song spielen. Wir waren echt begeistert, endlich eine passende Gelegenheit zu finden.

Ross Duffer: Ja, wir sprechen seit Jahren darüber.

FILMSTARTS: Ihr seid ja bekannt dafür, großartige 80er-Songs zu nutzen und zum Teil auch absolut ikonische Szenen darum zu stricken, wie z. B. bei „Never Ending Story“ in Staffel 3 oder „Running Up That Hill“ in Staffel 4. Es muss ein ziemlicher Albtraum sein, all die Rechte zu bekommen. Gab es denn einen Song, den ihr unbedingt wolltet, aber nicht bekommen habt?

Ross Duffer: Eigentlich hatten wir meistens Erfolg, wenn wir Songs angefragt haben. Und dieses Jahr war es sogar einfacher als je zuvor – wegen des „Running Up That Hill“-Effekts. Viele Künstler haben gesehen, dass die Serie ihrer Musik eine Plattform gegeben hat, um sie einem jüngeren Publikum zu präsentieren. Kate Bush wurde vielen jungen Fans zum ersten Mal nähergebracht. Dieses Jahr hatten wir sogar Bands, die wir bewundern, die sagten: „Ihr könnt jeden Song von uns kostenlos haben.“

Die Netflix
Die "Stranger Things"-Schöpfer Ross und Matt Duffer im Online-Gespräch mit FILMSTARTS-Redakteur Markus Trutt

Matt Duffer: Depeche Mode war für uns allerdings immer unerreichbar, aus irgendeinem Grund. Sie erlauben keine Nutzung ihrer Songs aus den 80s.

Ross Duffer: Sie wollen wohl nicht mehr für ihre 80er-Jahre-Musik bekannt sein, denke ich. Wir haben es versucht und sind gescheitert.

Matt Duffer: Sorry, dass ich Depeche Mode so an den Pranger stelle – aber ich tue es jetzt einfach.

FILMSTARTS: Haben die enorme Popularität der Serie und die Reaktionen der Fans beeinflusst, wie ihr neue Staffeln geschrieben habt?

Matt Duffer: Es ist schwer, Fan-Feedback nicht wahrzunehmen. Und es ist uns auch wichtig, weil man sieht, was funktioniert und was weniger. Aber je größer die Serie wurde, desto lauter wurde auch der Lärm. Und verschiedene Fans wollen völlig unterschiedliche Dinge – das kann verwirrend werden. Am Ende müssen Ross, ich und die vier Autoren, mit denen wir zusammenarbeiten, uns fragen: Was wollen wir sehen? Was begeistert uns? Alles andere muss man ausblenden, sonst wird es überwältigend.

Masterplan und emotionaler Abschied

FILMSTARTS: Hattet ihr von Anfang an eine Vorstellung davon, wie die Geschichte enden wird? Und seid ihr am Ende dort gelandet?

Ross Duffer: Mit Staffel 1 wollten wir einfach eine gute Staffel machen – wir planten nicht mit zehn Jahren bzw. fünf Staffeln. Wir waren schon überrascht, überhaupt eine Serie bei Netflix machen zu dürfen. Wir hatten grobe Ideen. Schon in unserem ursprünglichen Pitch haben wir etwa von einer intelligenteren, bösen Entität gesprochen, die hinter allem steckt. Und wir wussten, dass Will von seiner Zeit im Upside Down beeinflusst sein würde. Aber erst in Staffel 2 sind wir richtig tief in die Mythologie eingestiegen und haben sie ausgebaut. Wir hatten so viele Ideen, dass sie nicht in eine Staffel passten, also verteilten wir sie über mehrere Staffeln. Jetzt, in Staffel 5, können wir endlich alle offenen Fragen beantworten: die Ursprünge von Henry und seinen Kräften, die Ursprünge des Upside Down, was es wirklich ist ... Wir können endlich alles auflösen, und das ist sehr aufregend.

FILMSTARTS: Ich schaue mir öfter das Video an, in dem Peter Jackson die letzte Szene mit Elijah Wood am Set von „Der Herr der Ringe“ wieder und wieder dreht...

Matt Duffer: Oh mein Gott, ja! Das Video ist großartig, ich liebe es. Jeder, der das noch nicht kennt, sollte es sich anschauen. [Anm. d Redaktion: Wir haben das Video am Ende dieses Abschnitts einmal eingebunden.]

FILMSTARTS: Peter Jackson wollte einfach nicht, dass es zu Ende geht. Ging es euch bei der letzten Szene von „Stranger Things“ ähnlich?

Matt Duffer: Ja, es fühlte sich genauso an. Wir konnten den Drehplan so organisieren, dass die Schauspieler ihre finalen Szenen jeweils wirklich an ihrem letzten Tag am Set gedreht haben. Das war extrem emotional. Wir konnten es nicht wie Peter Jackson machen und die Szenen wieder und wieder drehen, sonst wäre unser Cast emotional kollabiert. Aber wir alle haben an diesen letzten Tagen fast durchgehend geweint.

"Die Verurteilen"- und "The Green Mile"-Macher ist für "Stranger Things" zurückgekehrt

FILMSTARTS: Wir habt ihr „Die Verurteilen“-Regisseur Frank Darabont zu einem Comeback bewegt und dazu gebracht, etwas für das „Stranger Things“-Finale zu inszenieren?

Ross Duffer: Wir hatten ihn zuvor bei einer Vorführung getroffen, bei der wir eine Folge aus Staffel 4 zusammen mit „Nightmare On Elm Street 3: Freddy Krueger lebt“ gezeigt haben, den Frank mitgeschrieben hat. Danach hatten wir ein Meeting – wir als Fans von ihm, er als Fan unserer Serie. Wir versuchten, so viele tolle Geschichten aus ihm rauszukitzeln, wie wir konnten, da er eine Legende ist. Monate später fiel dann „Predator: Badlands“-Regisseur Dan Trachtenberg, der für uns Folgen inszenieren sollte, aus, weil er mit gleich zwei „Predator“-Filmen beschäftigt war, und wir überlegten: „Frank ist im Ruhestand und er hat uns ausdrücklich gesagt, dass er nichts mehr machen möchte ... aber es schadet ja nicht, ihn einfach mal zu fragen.“ Und glücklicherweise sagte er eine Woche später: „Okay, ich komme für euch aus dem Ruhestand zurück.“

Matt Duffer: Und ich glaube, er ist froh darüber.

Ross Duffer: Ich glaube auch. Und ich hoffe, es ist nicht sein letztes Projekt.

Matt Duffer: Er behauptet zwar, es sei sein letztes – aber ich glaube, da kommt noch was. Ich denke, er hat wieder Blut geleckt. Aber Frank Darabont aus dem Ruhestand geholt zu haben, ist für mich tatsächlich eine der Errungenschaften, auf die ich am meisten stolz bin.

Stranger Things
Stranger Things
Starttermin 2016-07-15
Serie: Stranger Things
Mit Winona Ryder, David Harbour, Millie Bobby Brown
User-Wertung
4,4
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FILMSTARTS: Ich habe zu „Predator: Badlands“ übrigens kürzlich mit Dan Trachtenberg gesprochen – er ist immer noch etwas traurig, dass es nicht geklappt hat.

Matt Duffer: Sollte er auch sein!

FILMSTARTS: Aber ihr hattet ja einen kleinen Cameo in „Predator: Badlands“ – zumindest eure Stimmen.

Matt Duffer: Ja, das hat Spaß gemacht. Ross und ich sind schreckliche Schauspieler, das habe ich Dan auch gesagt. Aber wir mussten zum Glück nicht wirklich spielen. Wir mussten in der Predator-Sprache sprechen... wie heißt die noch mal? Die Nerds werden mich dafür umbringen, dass ich das nicht weiß. Weißt du das?

FILMSTARTS: Yautja.

Matt Duffer: Yautja, genau! Wir haben Yautja gesprochen, das war echt schwer. Aber es ist toll, dass im Film so wenig Schauspieler prominent auftreten – deshalb fallen wir in den Credits richtig auf. Ich bin stolz, dass es unser erster Schauspiel-Credit ist.

Ross Duffer: Wir haben aber immer noch kein Geld dafür bekommen. Da müssen wir Dan mal drauf ansprechen.

Matt Duffer: Ja, was ist da los? Sind wir jetzt in der Schauspielgewerkschaft? ... Jedenfalls war es sehr cool und nett von Dan, dass wir das machen durften.

Gleich zwei "Stranger Things"-Spin-offs geplant

FILMSTARTS: Was hält die Zukunft für das „Stranger Things“-Franchise bereit? Und wie stark seid ihr noch involviert?

Matt Duffer: Es kommt eine Zeichentrickserie, über die wir uns sehr freuen [„Stranger Things: Tales From '85“] – sie erinnert an die Samstagmorgen-Cartoons unserer Kindheit, wie „The Real Ghostbusters“ oder die „Beetlejuice“-Serie. Die Kids altern darin nicht, was großartig ist. Wir können sie in der Zeit einfrieren, in ihrem niedlichsten Alter. Dann gibt es noch ein Live-Action-Spin-off, an dem Ross und ich arbeiten: neue Dekade, neue Stadt, neue Figuren, neue Mythologie. Es ist mit der Hauptserie verbunden, fühlt sich aber trotzdem sehr anders an. Wir wollten diese Idee seit Jahren umsetzen, hatten aber nie die Zeit. Ich wünschte, ich könnte schon mehr verraten, aber mir wurde leider gesagt, dass ich das nicht darf.

Falls ihr die vierteilige erste Ausgabe der fünften Staffel „Stranger Things“ bereits komplett geschaut und ihr Fragen zum vorläufigen Ende habt, kann euch derweil hoffentlich unser folgender Erklärartikel weiterhelfen:

"Stranger Things"-Comeback nach 8 (!) Jahren: Das Ende der neuen Folgen und die große Rückkehr erklärt – so geht es in Staffel 5 weiter

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