Colin Farrell gehört seit Jahren zu den wandlungsfähigen Schauspielern seiner Generation, zuletzt bewies er dies eindrücklich im „The Batman“-Spin-Off „The Penguin“. Doch manche Projekte hinterlassen tiefere Spuren als andere. So beschäftigt ihn seine Zeit in der zweiten Staffel von „True Detective“ bis heute. Insbesondere die Rezeption seiner Rolle als Ray VelcoroIn und wie seine Leistung in der öffentlichen Wahrnehmung unterging, scheint für Farell auch heute noch ein großes Thema zu sein, über das er nun sehr ehrlich spricht.
Farrells unerwartete Verbindung zu einem zerrissenen Cop
Als Farrell der britischen Zeitung The Independent von seiner Zeit in „True Detective“ erzählte, wurde schnell klar, wie sehr ihm die Figur am Herzen lag. „Ich war ein bisschen traurig wegen True Detective“, sagte er rückblickend. Obwohl er sich im Interview im ersten Moment nicht an den Namen seines Charakters erinnerte, machte er sofort deutlich, wie viel ihm diese Rolle bedeutete: „Ich habe diesen Charakter geliebt. Ich habe es geliebt, Ray zu spielen. Er war ein Tier, aber er war ein anständiger Mann, der eine Menge verabscheuungswürdiger Dinge getan hat.“
Ray Velcoro war ein Cop im moralischen Ausnahmezustand – verbittert, gewalttätig, innerlich gebrochen und trotzdem auf eine verdrehte Weise loyal. Farrell spielte ihn mit einer Intensität, die vielen Zuschauern positiv in Erinnerung blieb, obwohl die Staffel selbst von der Kritik hart abgestraft wurde (47 % auf Rotten Tomatoes). Besonders die komplexe Handlung und die schwerfällige Dialogführung standen im Kreuzfeuer, während das Ensemble – zu dem auch Vince Vaughn, Rachel McAdams und Taylor Kitsch gehörten – eher Lob erhielt.
Im Vergleich zur ersten Staffel stand die Fortsetzung unter enormem Druck. Der Auftakt mit Matthew McConaughey und Woody Harrelson hatte die Messlatte hoch gelegt: unvergessliche Spannung, verschachtelte Erzählweise, atmosphärische Bilder – das Gesamtpaket wurde sogar für vier Emmys nominiert, wobei Regisseur Cary Joji Fukunaga, der sämtliche Folgen inszeniert hatte, eine Auszeichnung gewann.
Für Staffel 2 blieb zwar Serienmacher Nic Pizzolatto an Bord, doch Fukunaga wendete sich anderen Aufgaben zu – ein Verlust, der kreativen Einfluss hatte. Die düstere Magie des Vorgängers war schwer reproduzierbar, und trotz Starbesetzung fehlte der Staffel die erzählerische Klarheit, die das Original so besonders gemacht hatte. Insgesamt war „True Detective“ für Farrell also ein Missgriff – oder wie er es treffend formulierte: „Einer der Tritte in den Hintern“, die er im Lauf seiner Karriere erlitten hat.
Heute gilt Staffel 2 als schwarzes Schaf der Anthologie – erst die dritte und vierte Staffel brachten die Serie wieder auf Kurs. Während auch Mahershala Ali als Protagonist der dritten Season überzeugen konnte, zeigt vor allem Jodie Fosters mehrfach emmyprämierte Staffel 4, zu welcher Stärke die Reihe inzwischen zurückgefunden hat.
Für Farrell aber bleibt die Erfahrung ambivalent: eine Rolle, die er liebte, in einer Serienstaffel, die ihn beruflich hart traf – und schließlich zu einem interessanten Wendepunkt wurde. Denn nach „True Detective“ nahm Farrell vermehrt Rollen an, die ihm mehr Raum für Leichtigkeit gaben und zugleich seine Stärken als Charakterdarsteller betonten. Projekte wie „The Killing Of A Sacred Deer“ oder „The Banshees Of Inisherin“ zeigen genau diese neue Balance: düster, aber mit mehr Kontrolle über die eigene Gefühlswelt.
Auch mit einem anderen Projekt war Colin Farrell nicht ganz glücklich, wenn auch aus komplett anderen Gründen. Mehr dazu im folgenden Artikel:
"Ich übernehme die Verantwortung": Mit diesem Kult-Actionthriller kann Colin Farrell nichts anfangen*Bei dem Link zum Angebot von Amazon handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision.