Die Historien-Serie „Mozart/Mozart“ macht aus der Geschichte von Amadeus Mozart (Eren M. Güvercin) und der zeitlebens in seinem Schatten stehenden Schwester Maria Anna (Havana Joy) eine geschwisterliche Freakshow – mit reichlich hinzuerfundenem Sex und klassischer Musik, die eher an „Queen“-Frontmann Freddie Mercury erinnert. Dass das klassische ARD-Publikum bei einem solchen eher experimentellen Ansatz raus ist, ist klar – und so lassen sich auch die nach der Auftaktfolge schnell in sich zusammensinkenden Quoten erklären.
Aber ganz ehrlich: Für mich klingt das 100 Mal spannender als eine 08/15-Biografie, von denen wir – gerade bei den Öffentlich-Rechtlichen – sowieso schon viel zu viele gesehen (beziehungsweise ganz bewusst NICHT gesehen) haben. Das Problem ist nur: Mutiger Ansatz hin oder her, die Macher*innen haben die Serie schlicht mit Anlauf gegen die Wand gefahren. Selten gab es im Feuilleton derart einhellige Verrisse für ein TV-Event, das eigentlich wie gemacht dafür scheint, vom Stammpublikum verrissen, aber dann von der Kritik gerettet zu werden.
Die schlechteste Serie des Jahres
Die Süddeutsche Zeitung preschte vor und titelte direkt: „Die schlechteste Serie der Welt“. Dagegen hielt sich der Stern ja fast noch zurück, als er feststellte, dass selten „ein aufwendiges Historiendrama derart versemmelt“ wurde. Und wo die Süddeutsche Zeitung mit „der Welt“ auf die globale Schlechtigkeit der Serie hinweisen sollte, zielt die Frankfurter Allgemeine Zeitung „die eindeutig schlechteste Serie des Jahres“ auf den zeitlichen Horizont ab. Mit solchen Superlativen hört’s dann auch irgendwann mit „jede Publicity ist gute Publicity“ auf – wobei man schon hier und dort gehört hat, dass Leute jetzt erst recht einschalten, aber dann eben eher so Autounfall-mäßig.
Jetzt hat sich auch noch der Ernst-Lubitsch-Preis-Gewinner Leander Haußmann („Sonnenallee“, „Herr Lehmann“) zu der ganzen Sache geäußert – allerdings nicht, um auch noch mal draufzuhauen, sondern offenbar eher, um die Öffentlich-Rechtlichen aufzufordern, jetzt bloß nicht die falschen Schlüsse aus dem Scheitern zu ziehen – denn Angst vor aus dem Rahmen fallenden Projekten geht bei den Film- und Serien-Redaktionen der ARD und des ZDF nun wirklich schon genug um.
So schrieb Haußmann auf seiner Facebook-Seite (zitiert ohne Korrekturen): „Ich will nicht näher auf diese Miniserie MOZART / MOZART eingehen. Was mir Sorgen macht: die Feiglinge aus den Redaktionen, werden sich nun nichts historisches mehr trauen. Um von ihrer, in dieser Serie sichtbaren Defiziten, ihr mangelndes Handwerk, ihre Phantasielosigkeit, ihre Verantwortungslosigkeit gegenüber dem Jugendlichen Cast etc. abzulenken, werden sie sagen: die Leute wollen es nicht sehen, für sowas kriegen wir keine Quote, die Menschen da draußen wollen lieber ‚Bauer sucht Frau‘ sehen.“
Hier der Originalpost:
Sehr viel besser als „Mozart/Mozart“ ist übrigens die fast zeitlich erschienene, ebenfalls betont moderne Serie „Amadeus“ angekommen:
Neu im Streaming-Abo: Eine Serie über eine absolute Musik-Legende – die Vorlage wurde schon vor 40 Jahren genial verfilmt!