Die oft nur als BB bezeichnete Brigitte Bardot wurde 1934 geboren und fand schon in Teenager-Jahren ihren Weg vor die Kamera. Nach einer Ausbildung als Balletttänzerin wurde sie mit 15 Jahren als Fotomodell entdeckt. Bald war auch das Kino von Bardot begeistert – und machte die eigentlich brünette junge Frau schnell zu einer der berühmtesten Blondinen der Filmgeschichte und einem zentralen Gesicht eines neuen, freieren Frauenbildes im Nachkriegskino.
Ihre erste Rolle spielte sie 1952 in „Le Trou Normand“ von Jean Boyer. Ihr Durchbruch kam 1956 mit „... und immer lockt das Weib“ von Regisseur Roger Vadim, mit dem sie damals auch verheiratet war. Bardot spielt darin ein 18 Jahre altes Mädchen, das mit ihrer erotischen Ausstrahlung gleich drei Männer um den Finger wickelt. Ihre Darstellung dieser jungen Frau, die sich offen zu Lust und Unabhängigkeit bekennt, bricht nicht nur mit Konventionen, sondern schockiert auch. Im prüden Nordamerika war man völlig überfordert von dem Film, der so in den USA am Ende nur radikal gekürzt in die Kinos kam. Bardots Popularität schadete das nicht. Sie wird zur internationalen Sensation. Über Jahre gilt sie als eine der meistfotografierten Frauen der Welt, sorgt als Stilikone für die Verbreitung des Bikini und wird mit ihrem Freiheitsstreben als Vorkämpferin des Feminismus gefeiert.
Aufstieg zur Ikone des europäischen Kinos
Insbesondere über die 1960er-Jahre hinweg prägte Bardot das europäische Kino wie kaum eine andere Schauspielerin – und bewies dabei schnell, was sie zu bieten hat. Henri-Georges Clouzots Meisterwerk „Die Wahrheit“ aus dem Jahr 1960 verschaffte ihr Anerkennung als ernsthafte Darstellerin. Das Liebes- und Gerichtsdrama zeigt sie nämlich nicht nur als erotisches Symbol, sondern als intensive Darstellerin mit fesselnder Wucht. Spätestens hier wird deutlich, dass ihr eigentliches Talent oft unterschätzt wurde – nicht zuletzt, weil ihre öffentliche Wirkung alles überstrahlte.
Ein besonderer Platz in ihrer Filmografie gehört „Die Verachtung“ von Jean-Luc Godard, den viele für den besten Film in Bardots Filmografie halten. Hier wird die Ikone selbst zum Gegenstand filmischer Reflexion. Die 1963 veröffentlichte Romanadaption seziert das Verhältnis von Kunst, Kommerz und Begehren – und nutzt Bardots Starimage, um es zugleich zu entlarven. Ihre Rolle markiert einen Wendepunkt: Das Sexsymbol wird zur Projektionsfläche für eine tiefere Auseinandersetzung mit Kino und Gesellschaft. Nicht unerwähnt bleiben darf zudem „Viva Maria“ aus dem Jahr 1965, eine anarchische Abenteuerkomödie mit Bardot an der Seite von Jeanne Moreau.
Ein radikaler Abschied und eine neue Aufgabe
Trotz – oder gerade wegen – ihres immensen Erfolgs empfand Bardot den Starrummel aber als Belastung. Medien, Öffentlichkeit und Erwartungshaltungen engen sie ein. Anfang der 1970er-Jahre traf sie eine außergewöhnliche Entscheidung, von der sich auch trotz zahlreicher Angebote über die folgenden Jahrzehnte nicht mehr abbringen ließ: Mit gerade einmal 39 Jahren zog sie sich vollständig aus dem Filmgeschäft zurück.
Stattdessen widmete sie ihr Leben fortan dem Aktivismus – vor allem dem Tierschutz, für den sie schon während ihrer Schauspielkarriere öfter eintrat. Mit der Gründung einer eigenen Stiftung wurde sie zu einer der bekanntesten Aktivistinnen Europas. In den vergangenen zwei Jahrzehnten machte sie allerdings mehrfach mit islamfeindlichen und rassistischen Aussagen Schlagzeilen, musste sich deswegen auch vor Gericht verantworten.
Wie ihre Stiftung laut der Nachrichtenagentur AFP am heutigen Sonntag, den 28. Dezember 2025, mitteilte, ist Brigitte Bardot jetzt im Alter von 91 Jahren gestorben. Zum genauen Zeitpunkt des Todes wurden dabei keine Angaben gemacht. Als Vermächtnis hinterlässt sie nicht nur etwas mehr als 40 Filme, sondern vor allem ihren großen Einfluss auf das Kino und die Popkultur. Bardot hat die Weiblichkeit auf der Leinwand verändert, die Mode beeinflusst und das Selbstverständnis einer ganzen Generation junger Frauen verändert. Auch wenn sie bis ans Lebensende polarisierte und oftmals spaltete, bleibt so ihr kulturelles Erbe unbestritten. Eine echte Leinwandlegende und weit mehr als eines der größten Sexsymbole, welche das Kino je gesehen hat.
Etwas mehr zu Brigitte Bardot zeigt euch der Trailer zu „Bardot“, einer Dokumentation über die Kino-Ikone, die in diesem Jahr ihre Premiere auf den Filmfestspielen in Cannes feierte und in diesem Monat in den französischen Kinos gestartet ist: