Heute erstmals im TV: Til Schweigers Antwort auf "Einer flog über das Kuckucksnest"
Oliver Kube
Oliver Kube
-Freier Autor & Kritiker
Oliver Kubes Top 10 neue Serien 2025: 1. Pluribus 2. Task 3. Remnick 4. The Studio 5. The Chair Company 6. Adolescence 7. Untamed 8. Cassandra 9. Eternauta 10. Paradise

Kann der Alltag in einer Psychiatrie auch lustig und romantisch sein? Wenn man Til Schweiger heißt, offenbar schon. Zur Primetime feiert seine Regiearbeit „Die Rettung der uns bekannten Welt“ mit sich selbst in einer der Hauptrollen Free-TV-Premiere:

Die deutsche Tragikomödie „Die Rettung der uns bekannten Welt“ läuft am heutigen 19. Januar 2026 um 20.15 Uhr auf Sat.1. Eine Wiederholung folgt noch in derselben Nacht um 1.50 Uhr. Alternativ könnt ihr den FSK-12-Titel aktuell bei Netflix streamen. Zudem ist er als kostenpflichtiges Video-on-Demand zu haben:

Inhaltlich problematisch und verklärend

Wenn wir an Filme denken, die in psychiatrischen Einrichtungen spielen, fällt den meisten von uns sicher direkt Miloš Formans Meisterwerk „Einer flog über das Kuckucksnest“ mit unter anderem Jack Nicholson und Louise Fletcher ein, oder? Vor ein paar Jahren fügte der hiesige Schauspiel- und Regiestar Til Schweiger („Keinohrhasen“) diesem dramatischen Sub-Genre in Form von „Die Rettung der uns bekannten Welt“ einen eigenen Beitrag hinzu. Wobei dies nicht der erste Film des gebürtigen Freiburgers ist, der sich mit psychischen Erkrankungen auseinandersetzt. In „Barfuß“ (2005) ging es unter anderem um posttraumatischen Stress und in „Honig im Kopf“ (2014) um Alzheimer.

Dieses Mal fokussieren sich Schweiger und sein angestammter Co-Drehbuchautor Lo Malinke („Klassentreffen 1.0“, „Die Hochzeit“) auf bipolare Störungen – eine Krankheit, die sich durch extreme Schwankungen in Bezug auf die Stimmung, den Antrieb, das Denken und Handeln sowie die Aktivitätsgrade eines Menschen auszeichnet. Betroffene schwanken oft zwischen schweren Depressionen und extremer Hypomanie. Protagonist der Story ist ein an diesem Krankheitsbild leidender Teenager, den Emilio Sakraya („60 Minuten“) verkörpert.

Dazu sind aber obendrein, wie Rezensent Jochen Werner es in der lediglich enttäuschende 1,5 von 5 möglichen Sternen vergebenden FILMSTARTS-Kritik beschreibt, auch alle anderen psychischen Störungen vertreten, von denen Schweiger bereits einmal gehört hat und die für eine Handvoll schrullige Pointen in einer schlossähnlichen Luxusklinik mit nur einem halben Dutzend Patient*innen geeignet sind. So führt der Film uns klischeehaft überspitzte Figuren (u. a. dargestellt von Charlotte Krause, Sebastian Schneider und Tijan Marei) vor, die an Asperger-Autismus, Tourette-Syndrom oder Zwangshandlungen leiden und die Grenze zu einer „atemberaubend geschmacksunsicheren Freakshow“ mehrfach klar überschreiten.

Die Rettung der uns bekannten Welt
Die Rettung der uns bekannten Welt
Starttermin 11. November 2021 | 2 Std. 16 Min.
Von Til Schweiger
Mit Til Schweiger, Emilio Sakraya, Tijan Marei
User-Wertung
2,5
Filmstarts
1,5
Im Stream

Denn unter diesen karikaturhaft präsentierten Typen kommt es natürlich auch gleich noch zu mehreren Liebesbeziehungen. Unser Autor schreibt dazu dies: „Das Konzept von Romantik ist in Schweigers Filmen ja ohnehin oft problematisch: Liebe ist für ihn offenbar, wenn Menschen völlig verantwortungslose und gemeingefährliche Dinge tun, um sich gegenseitig ihre Zuneigung zu beweisen. Aber diese Weltsicht wird regelrecht toxisch, wenn sie mit dem Thema der psychischen Krankheit zusammengedacht wird. Dann steht ein Erlösungsversprechen durch die Liebe im Raum, das, wie unzählige Angehörige oder Hinterbliebene psychisch kranker Menschen schmerzlich erfahren, nie und nimmer genügt, sondern die Krankheit durch die Erschaffung von Co-Abhängigkeiten gar verschlimmern kann.“

Zwar gibt es laut unserer Kritik auch ein paar durchaus positive Aspekte an „Die Rettung der uns bekannten Welt“ – wie etwa die Diversität der Charaktere und den Umstand, dass Schweigers Figur ausnahmsweise mal kein rundherum perfekter Typ ist. Letztlich ist der Film aber nicht nur aus den oben genannten Gründen inhaltlich problematisch und verklärend, sondern obendrein über weite Strecken arg nervig.

"Die Rettung der uns bekannten Welt": Das ist die Story

Der 18-jährige Paul (Emilio Sakraya) schwankt emotional häufig zwischen den Extremen – womit sein hilfloser Vater Hardy (Til Schweiger) überhaupt nicht umgehen kann. Als eine von Pauls depressiven Episoden in einem Selbstmordversuch mündet, bringt Hardy ihn in einem Therapiezentrum für psychisch kranke Jugendliche unter. Mit der Sorge um den Sohn und seine beiden deutlich jüngeren Geschwister nun allein wendet sich Hardy hilfesuchend an Arbeitskollegin Anni (Bettina Lamprecht).

Paul trifft in der Klinik derweil auf andere Teenager*innen mit ähnlichen Problemen. Unter ihnen befindet sich auch Toni (Tijan Marei), die von ihrem Onkel missbraucht und von ihrer Mutter nicht davor beschützt wurde. Spontan reißen die zwei aus der Klinik aus. Gemeinsam erleben sie den glücklichsten Tag ihres noch jungen Lebens. Doch Pauls Krankheit ist deshalb am nächsten Morgen nicht einfach verschwunden…

Was macht Til Schweiger eigentlich als Nächstes? Im folgenden Artikel stellt euch FILMSTARTS-Redakteur Björn Becher den kommenden Hollywood-Streifen „Contra“ vor, in dem der deutsche Star eine Schlüsselrolle einnehmen wird:

Neue Hollywood-Rolle für Til Schweiger – in einem Thriller, der Schach wie Untergrund-Käfig-Kämpfe klingen lässt

*Bei dem Link zum Angebot von Amazon handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.

facebook Tweet
Ähnliche Nachrichten
Das könnte dich auch interessieren