Der finster-romantische Fantasyhorror „Die Zeit der Wölfe“, der emotional komplexe Kriminalthriller „The Crying Game“ und das kummervolle Horrordrama „Interview mit einem Vampir“ haben Neil Jordan zu einem angesehenen, namhaften Regisseur gemacht. Seine jüngeren Filme genießen allerdings längst nicht denselben Ruhm oder vergleichbares Prestige.
Im toll besetzten Psychothriller „Greta“ etwa mischt Jordan einmal mehr, wie für ihn typisch, wild Themen und Subgenre-Versatzstücke: Es geht um Einsamkeit, zweckmäßige Freundschaften, unangenehme Nähe, emotionale Abhängigkeit, Stalking, Kindheitstraumata und dysfunktionale Eltern-Kind-Dynamiken.
Gerecht wird Jordan diesen Elementen allerdings nicht – für einen Hirn-aus-Filmabend mit schrägen Dialogen und gewagten Twists kann es bei entsprechender Erwartungshaltung aber vielleicht reichen. Zumal sich nun folgender Anreiz bietet: Heute, am 17. Januar 2026, feiert „Greta“ seine deutsche Free-TV-Premiere, nämlich ab 22 Uhr komplett ohne Werbeunterbrechungen bei One! Außerdem könnt ihr den Film unter anderem via Amazon Prime Video als VOD beziehen:
Darum geht es in "Greta"
Wenige Monate nach dem Tod ihrer Mutter zieht Frances (Chloë Grace Moretz) nach Manhattan, wo sie als Kellnerin in einem Luxusrestaurant arbeitet und gemeinsam mit ihrer besten Freundin Erica (Maika Monroe) ein Loft bezieht. Das Leben im Big Apple gestattet es Frances, endlich Abstand zu ihrem strengen Vater zu gewinnen. Es führt eines Tages aber auch zu einer sonderbaren Begegnung: Als Frances in der U-Bahn eine Handtasche findet, übergibt die grundehrliche, junge Frau sie ihrer rechtmäßigen, überaus dankbaren Besitzerin – der Klavierlehrerin Greta (Isabelle Huppert).
Aus pflichtgemäßem Smalltalk entwickeln sich rasch tiefschürfende Gespräche und letztlich eine Freundschaft zwischen Frances und der verwitweten Greta. Als sich die Klavierlehrerin aber als Ersatzmutter aufspielt, wird Frances misstrauisch – und eine kuriose Entdeckung in Gretas Wohnung stellt die Dynamik zwischen den beiden Frauen endgültig, mit bitteren Konsequenzen auf den Kopf...
Etwas Camp und ein paar Klischees
Die Besetzung ist einer der Pluspunkte von „Greta“: Die französische Leinwandlegende Isabelle Huppert, die kurz zuvor mit Paul Verhoevens provokantem Vergewaltigungs-Rachefilm „Elle“ für Furore sorgte, trifft auf „Kick-Ass“-Szenendiebin Chloë Grace Moretz, die über viele Karrierejahre hinweg Rollen wählte, deren Alter sich mit ihrer Erfahrungswelt reibt. Und dann mischt noch „It Follows“-Star Maika Monroe mit!
Und Jordan weiß, die Stärken seiner Darstellerinnen zu nutzen. Monroe agiert, wie FILMSTARTS-Autor Oliver Kube es treffend beschreibt, „herrlich abgeklärt“. Weiter schreibt er, es sei „bis zum Ende interessant und emotional fesselnd, Chloë Grace Moretz zuzuschauen“, wie sie sich glaubhaft-naiv durch die Handlung bewegt. Und Huppert „verrichtet das Gros ihrer Arbeit instinktiv und mit Blicken, die sie virtuos zwischen warm und liebevoll bis verachtend und eiskalt variiert.“
Und dennoch zückte Kube bloß durchschnittliche 2,5 Sterne – was der Verfasser dieses TV-Hinweises komplett verstehen kann. Denn trotz ironisch-genüsslich übertriebener Szenen und Passagen, in denen Jordan tolldreiste Freude daran hat, gemeine Twists, fiese Enthüllungen und (klischeehafte) Hintergrundinformationen aufeinanderzustapeln, wird „Greta“ auch immer wieder beliebig und vorhersehbar:
Zu deutlich werden Wendungen vorbereitet, Suspense- und Schockmomente sind zu abgedroschen in Szene gesetzt. Spannung (und auch Humor) höherer Qualitätsgüte findet ihr derweil in unserem folgenden Filmtipp!
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