Disney macht Fantasy-Kult nach über 60 Jahren endlich zum Kinofilm
Björn Becher
Björn Becher
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Seit mehr als 20 Jahren schreibt Björn Becher über Filme und Serien. Hier bei FILMSTARTS.de kümmert er sich um "Star Wars" - aber auch um alles, was gerade im Kino auf der großen Leinwand läuft.

Es begann mit einer Erzählung für die eigenen Kinder, es wurde zum Welt-Hit, der schließlich noch mal eine ganz neue Bedeutung bekam, die ihn bis zu den Oscars und ins Weiße Haus trug. Jetzt wird der flache Stanley auch zum Kinofilm.

Disney und seine verbundenen Unternehmen

Der amerikanische Autor Jeff Brown erzählte seinen Kindern immer wieder eine Geschichte zum Einschlafen, die er schließlich zu einem Buch machte: 1964 erschien „Flat Stanley“ von Brown und dem legendären Zeichner Tomi Ungerer („Die drei Räuber“).

Im Mittelpunkt der in Deutschland teilweise auch als „Der platte Eberhard“ und „Der flache Franz“ bekannten Geschichte steht ein kleiner Junge, auf den eines Nachts die über seinem Bett hängende schwere Pinnwand fällt. Doch am nächsten Morgen ist Stanley nicht tot, sondern schlichtweg flach – und macht ab jetzt das Beste aus seinem neuen Dasein. Schließlich kann man so plattgedrückt unter verschlossenen Türen hindurchgleiten, als Drachen steigen gelassen werden und sogar getarnt als Gemälde Verbrecher überlisten. Vor allem kann man sich aber mit der ganz normalen Post in einem Briefumschlag an Freunde in andere Städte verschicken lassen – was für den Erfolg der Figur besonders wichtig werden sollte.

Von einem Kinderbuch zum Kult-Phänomen – auch dank eines Lehrers

Erst 19 Jahre nach dem ersten Buch veröffentlichte Brown ab 1983 noch weitere Geschichten, in welchen Stanley unter anderem eine magische Lampe findet, auf Aliens im Weltall trifft und gemeinsam mit der Tochter des Weihnachtsmann die Feiertage rettet. Nach dem Tod des Autors 2003 übernahmen zahlreiche Bestsellerautor*innen das Franchise und lassen Stanley mittlerweile Abenteuer auf der ganzen Welt erleben.

Das hängt auch mit einem globalen Phänomen zusammen, das der kanadische Lehrer Dale Hubert 1995 in seiner dritten Schulklasse startete. Er fordert seine Kinder auf, eine Stanley-Papierfigur zu basteln und per Post in alle Welt zu verschicken. Wer einen Stanley bekommt, sollte ein Foto mit diesem vor einer Sehenswürdigkeit machen und mit einer kleinen Geschichte des gerade Erlebten zurücksenden.

Und das machten bald deutlich mehr Kinder als nur die Klasse von Hubert. Dies führte dazu, dass eine Stanley-Figur sogar mit dem Space Shuttle Discovery ins All reiste, es Fotos mit Präsidenten wie Bill Clinton und Barack Obama im Weißen Haus gibt und der platte Junge sogar schon bei den Oscars war. Als Clint Eastwood bei den 77. Oscars 2005 mit „Million Dollar Baby“ abräumte (u. a. Preise für besten Film und beste Regie) hatte er einen Flat Stanley dabei und schoss damit Fotos auf dem Roten Teppich.

Das ist bereits über den "Flat Stanley"-Film von Disney bekannt.

Angesichts dieser Popularität überrascht es, dass es bislang noch keinen „Flat Stanley“-Kinofilm gibt (auch wenn es über die Jahre wiederholte Anläufe gab). Doch das soll sich jetzt ändern. Wie das für gewöhnlich in Sachen Disney exzellent informierte Portal TheDisInsider berichtet, wird jetzt ein großer Animationskinofilm entwickelt. Mit dem britischen Animationskünstler Mic Graves („Die fantastische Welt von Gumball“) ist bereits ein Regisseur und Autor an Bord.

Aktuell werde nach einem rund 14 Jahre alten Jungen gesucht, der die Hauptfigur spricht. DisInsider konnte an den Casting-Aufruf gelangen, der zeigt, dass es bei der modernen Adaption ein paar Änderungen zur Originalgeschichte gibt.

Stanley wird hier als gutmütiger Teenager zu Beginn seines ersten Highschool-Jahres beschrieben, der verzweifelt versucht, sich von seinem überaus erfolgreichen Bruder Arthur abzuheben, der die gleiche Schule im Vorjahr abgeschlossen hat. Stanley sei energisch und impulsiv, handele oft ohne nachzudenken und reagiert auf plötzliche Dränge oder Intuitionen. Als er über ein mystisches Artefakt namens „Auge von Odin“ stolpert, verändert ihn dies für immer.

Der flache Stanley soll bald die Kinos erobern. Farshore
Der flache Stanley soll bald die Kinos erobern.

Disney scheint also das ein wenig aus der Zeit gefallene und vielleicht traumatisch wirkende Erschlagenwerden von einem Gegenstand über dem Bett als Grund für das Flachsein gegen ein mystisches Artefakt zu ändern. Zudem ist Arthur im kommenden Kinofilm wohl der ältere Bruder von Stanley, in der Originalgeschichte ist er der jüngere.

Wann „Flat Stanley“ erscheinen soll, ist noch nicht bekannt. Es wird spannend, ob er dann an die aktuelle Erfolgswelle von Disney-Animationsfilmen anknüpfen kann. Sowohl 2024 mit „Alles steht Kopf 2“ als auch 2025 mit „Zoomania 2“ war der jeweils weltweit erfolgreichste Film des Jahres ein von Disney vertriebener, animierter Familienfilm. Und es gibt bereits einige, die es für durchaus möglich halten, dass „Toy Story 5“ trotz Kinokassen-Giganten wie „Avengers: Doomsday“, „Spider-Man: Brand New Day“ oder „Der Super Mario Galaxy Film“ 2026 diesen Trend fortschreiben wird. Einen ersten Trailer zu „Toy Story 5“ gibt es im folgenden Artikel:

Im ersten Trailer zu "Toy Story 5" stehen Woody, Buzz und Co. einem ungeheuerlichen Gegner gegenüber

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