An „Melania“ kommt man aktuell kaum vorbei. Der Dokumentarfilm über die 20 Tage im Leben von Melania Trump vor Beginn der zweiten Präsidentschaft von Donald Trump wird selbst in Deutschland umfangreich diskutiert – allerdings kaum geschaut.
Der Branchendienst The Spot hat jetzt die Zahlen für das erste Kinowochenende in Deutschland veröffentlicht. Ganze 767 Menschen gingen für „Melania“ in jene 44 Kinos, welche den Film am Ende hierzulande auch zeigten. Einige sollen ihn vorher bereits mangels Nachfrage aus dem Programm genommen haben. Damit spielte das Werk von „Rush Hour“-Macher Brett Ratner in Deutschland gerade einmal 8.300 Euro ein und landete laut The Spot auf Platz 47 der Kinocharts.
So sind die Zahlen für "Melania" einzuordnen
In den USA wird „Melania“ dagegen als erfolgreichster Start einer Nicht-Konzert-Dokumentation seit zehn Jahren gefeiert. Dort wurden am ersten Wochenende sieben Millionen Dollar eingespielt – mehr als vorab prognostiziert. Online machten zwar Screenshots von leeren Kinos in Metropolen wie New York und Los Angeles die Runden, aber gerade in Umlandräumen in Trump-freundlichen, sogenannten roten Staaten, den Hochburgen der MAGA-Bewegung, soll ein Großteil dieses Einspielergebnisses erzielt worden sein.
Teilweise wird auch gemunkelt, dass möglicherweise Ticketverkäufe, die gar nicht zu Kinobesuchen führten, für das stärkere US-Einspielergebnis verantwortlich sind. Auch im Artikel von The Spot wird dies kurz angedeutet. Erste Analysen der Verteilung der Ticketverkäufe zeigten zwar keine Anzeichen für solche Unregelmäßigkeiten, mittlerweile gibt es aber einige Verdachtsfälle von angeblichen sogennanten Bulk-Käufen und anschließender Gratis-Verteilung - zum Beispiel in Seniorenheim.
Dass sich in Deutschland (und übrigens laut den Zahlen aus anderen Ländern auch im restlichen Europa) weniger Leute für Hochglanz-Bilder der First Lady interessieren als in den USA, ist jetzt nicht so überraschend. Gerade einmal 767 Kinobesuche ist aber schon erstaunlich wenig – zumal zahlreiche Medien auch hierzulande berichteten. Da „Melania“ der Presse nicht gezeigt wurde, sind übrigens auch alle Berichterstattenden unter den Ticketverkäufen.
Am Ende muss man die Zahlen vor allem auch in Relation zu den Kosten setzen. Selbst die gefeierten Einnahmen von sieben Millionen Dollar in Nordamerika qualifizieren den Film im Verhältnis zu den Ausgaben als Flop – auch wenn Amazon natürlich darauf verweist, dass ja auch noch die Verwertung beim hauseigenen Streamingdienst Prime Video folge.
Amazon MGM
Dem hinter dem Projekt steckenden Konzern Amazon dürfte die finanzielle Seite aber ohnehin größtenteils egal sein – was jenseits vom Inhalt des Films der Hauptkritikpunkt ist. Mit den 40 Millionen Dollar Produktionsbudget sei „Melania“ laut Ex-Amazon-Filmboss Ted Hope die teuerste Dokumentation ohne Musik-Lizenzen. Auch das Marketing-Budget von 35 Millionen Dollar gab es wohl noch nie für einen Dokumentarfilm. Der Grund für die immensen Kosten: Protagonistin Melania Trump soll für ihr Mitwirken selbst 28 Millionen Dollar kassiert haben, weswegen viele Amazon vorwerfen, mit dem Filmprojekt die Regierung Trump zu bestechen. Und damit die Schlagzeilen nicht ganz so negativ werden, weil die Kinos komplett leer sind, hat man noch mal kräftig Geld in die Werbung gesteckt. So hat man jetzt einen 7-Millionen-Dollar-„Erfolg“, den man feiern kann.
Eine Randnotiz bleibt da übrigens, dass gegenüber dem Rolling Stone ein Großteil der Crew die Arbeitsbedingungen unter dem seit über einem Jahrzehnt nach mehreren Vorwürfen der sexuellen Nötigung und Belästigung nicht mehr in Hollywood tätigen Regisseur Brett Ratner kritisiert hat. Ein angeblich sehr beträchtlicher Teil der Mitarbeitenden soll sogar die eigentlich obligatorische Nennung im Abspann des Films verweigert haben.
Zwischen den ganzen Schlagzeilen rund um „Melania“ ging ein wenig unter, dass ein unabhängig und mit wenig Geld produzierter Horrorfilm eines YouTube-Superstars dieses Wochenende wirklich ein massiver Erfolg an den Kinokassen war. Mehr dazu gibt es im folgenden Artikel:
Er hat mehr als das 7-Fache (!) seines Budgets eingespielt: Dieser Sci-Fi-Horrorfilm ist die Kino-Sensation der Stunde