„Star Wars“ lebt wie kaum ein anderes Franchises vom sogenannten Expanded Universe – neben den kanonischen Kinofilmen existiert so noch ein gigantisches, weit verzweigtes Geflecht aus Romanen, Comics und Serien, das selbst Nebenfiguren nachträglich mit vollständigen Biografien ausstattet.
Wer glaubt, das sei eine relativ junge Entwicklung, täuscht sich: Nur wenige Monate nach dem Kinostart von „Star Wars: Episode IV - Eine neue Hoffnung“ (der damals noch den schlichten Titel „Krieg der Sterne“ trug) erschien bereits die erste alternative Geschichte aus einer weit, weit entfernten Galaxie. Roy Thomas und Archie Goodwin schufen für Marvel den Comic „The Keeper's World“, der im Magazin Pizzazz veröffentlicht wurde. Die Handlung spielte zeitlich vor der Schlacht von Yavin und stellte Luke Skywalker und Leia Organa im Mittelpunkt, die sich aufgrund eines Navigationsfehlers von R2-D2 verirren und auf vier Androiden-Kinder treffen, die die Elemente kontrollieren können.
Selbst das Monster in der Müllpresse bekam eine Identität
Mit dieser frühen Erweiterung war der Grundstein für das erweiterte „Star Wars“-Universum gelegt: Von nun an konnte praktisch jedes Detail der Filme zu einer eigenständigen Geschichte ausgebaut werden. Ein kurzer Auftritt im Hintergrund genügte völlig aus – und plötzlich wurde ein vermeintlich unbedeutendes Alien einer Spezies mit eigener Kultur und Mythologie zugeordnet. Ein besonders anschauliches Beispiel dafür ist das Wesen aus der Müllpresse im ersten Kinofilm. Es taucht nur für wenige Sekunden auf und verschwindet danach wieder. Doch im Expanded Universe entwickelte sich daraus eine überraschend komplexe Figur.
Disney und seine verbundenen Unternehmen
Das Monster trägt den Namen Dianoga. Es handelt sich dabei um einen primitiven, aber äußerst anpassungsfähigen Kopffüßer, der nahezu alles frisst, was ihm vor die Tentakel kommt. In der Logik des „Star Wars“-Universums erfüllen Dianogas sogar eine praktische Funktion: Sie werden in gezielt etwa in Müllschächten eingesetzt, um Abfälle zu beseitigen. Eine effiziente Lösung für die Entsorgungsprobleme einer riesigen Raumstation wie dem Todesstern.
Doch damit nicht genug: Nachschlagewerken wie „Star Wars: The New Essential Guide To Alien Species*“ oder „Star Wars Encyclopedia: The Comprehensive Guide to the Star Wars Galaxy*“ zufolge verfügen Dianogas über ein ausgereiftes Kommunikationssystem, das auf Schallwellen und Resonanzen im Wasser basiert. In einigen Begleittexten und Erzählungen wird ihnen sogar eine unmittelbare Verbindung zur Macht nachgesagt. Darüber hinaus glauben Dianogas an Wiedergeburt – ein erstaunlich spiritueller Aspekt für eine Kreatur, die im Film lediglich als Bedrohung aus dem Abwasser auftaucht.
Das konkrete Exemplar aus „Episode IV“ trägt übrigens den Namen Omi. Sie ist weiblich und gelangte nach ihrer Gefangennahme durch die Vodraner in die Müllsysteme des Imperiums. Luke und Han Solo begegnen ihr im Müllschacht 3263827 – ein Detail, das im Film natürlich keine Rolle spielt, im Expanded Universe jedoch sorgfältig dokumentiert wurde. Diese Detailverliebtheit verdeutlicht, wie konsequent „Star Wars“ über Jahrzehnte hinweg ausgebaut wurde. Selbst ein zehnsekündiger Cameo kann zur Grundlage einer umfassenden Hintergrundgeschichte werden.
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Habt ihr es gewusst? George Lucas hat eine "Star Wars"-Figur nach DIESER TV-Größe benannt!Ein ähnlicher Artikel ist zuvor bereits auf unserer spanischen Schwesternseite Sensacine.com erschienen.
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