Sieben Mal wurde John Steinbecks Roman „Von Mäusen und Menschen“ bereits verfilmt, hinzu kommt eine direkte Hommage von Stephen King mit seinem Buch „Qual“ sowie zahlreiche Parodien, etwa bei „Family Guy“. Das 1937 erschienene Werk ist ein echter Klassiker, dessen Einfluss bis heute spürbar ist – nicht zuletzt durch die popkulturellen Verweise. Verwunderlich ist das keineswegs, denn „Von Mäusen und Menschen“ erzählt eine völlig zeitlose Geschichte über Freundschaft, Verantwortung und den zutiefst menschlichen Wunsch, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.
Ihr hattet bislang noch keine Berührungspunkte mit dem Stoff, möchtet aber heute Abend endlich in diese bewegende Erzählung eintauchen? Auf Amazon Prime Video findet sich aktuell „Von Mäusen und Menschen“ aus dem Jahre 1992. Die Verfilmung von „Forrest Gump“-Star Gary Sinise kann ich euch wirklich nur ans Herz legen – auch wenn ihr euch darauf einstellen solltet, dass euer Herz am Ende schwer sein wird:
Das ist "Von Mäusen und Menschen"
George (Gary Sinise) ist klein von Statur, aber klug, umsichtig und voller Fürsorge. Lennie (John Malkovich) dagegen ist ein bärenstarker Hüne, geistig jedoch auf dem Stand eines Kindes. Als ungleiches Duo schlagen sie sich als Wanderarbeiter im Kalifornien der 1930er-Jahre durch. Ihr gemeinsamer Traum: eines Tages eine eigene Farm zu besitzen und ein Leben nach ihren eigenen Vorstellungen zu führen.
Doch dieser Traum steht von Anfang an unter keinem guten Stern. Nachdem sie ihre vorherige Arbeitsstelle überstürzt verlassen mussten, finden George und Lennie auf der Tyler Ranch eine neue Anstellung. Dort begegnen sie Candy (Ray Walston), der von ihrem Plan erfährt und anbietet, seine Ersparnisse einzubringen – unter der Bedingung, dass er Teil dieses Neuanfangs sein darf. Für einen kurzen Moment scheint der Traum greifbar nah. Doch ein tragischer Zwischenfall bringt alles ins Wanken und zwingt George zu der wohl schwersten Entscheidung seines Lebens.
Ein amerikanischer Traum
„Von Mäusen und Menschen“ gilt als eines der zentralen Referenzwerke zum sogenannten „Amerikanischen Traum“. Hinter diesem Begriff steht die tief verwurzelte Überzeugung, dass jeder Mensch durch harte Arbeit und Ausdauer sozialen Aufstieg, Wohlstand und Unabhängigkeit erreichen kann. In Steinbecks Geschichte geht es allerdings nicht um den Weg vom Tellerwäscher zum Millionär, sondern um einen bescheideneren, aber nicht minder bedeutenden Wunsch: Herr über das eigene kleine Stück Welt.
Zwar vermitteln die sonnenüberfluteten Felder Kaliforniens einen gewisse Frieden, und auch die Freundschaft zwischen George und Lennie ist von großer Zärtlichkeit und gegenseitiger Hingabe geprägt. Doch ein klassisches Happy End bleibt „Von Mäusen und Menschen“ verwehrt. Der Roman ist keine optimistische Hymne auf den Glauben, dass jeder seines Glückes Schmied sei, sondern vielmehr eine schonungslose und bittere Auseinandersetzung mit der Frage, wie zerbrechlich Träume sind – und wie grausam die Realität jene einholen kann, die an sie glauben.
Besonders das Zusammenspiel von Gary Sinise und John Malkovich bildet das emotionale Zentrum der Verfilmung. Mit beeindruckender Sensibilität zeigen sie die komplexe Dynamik ihrer Figuren: Georges stille Verantwortung, Lennies kindliche Unschuld und die ständige Angst vor den Konsequenzen eines Moments der Unachtsamkeit. Die Art und Weise, wie Lennie auf Georges Schutz angewiesen ist – und wie George gleichzeitig weiß, dass sein Freund ohne ihn verloren wäre –, wird mit einer Ehrlichkeit und Würde dargestellt, die tief berührt. Und irgendwann beginnt genau diese Ehrlichkeit weh zu tun.
Mit seiner zweiten Regiearbeit hat Gary Sinise ein atmosphärisch dichtes, emotional aufwühlendes Stück Erzählkino geschaffen. Umso bedauerlicher ist es, dass der oscarnominierte Schauspieler nach „Von Mäusen und Menschen“ neben seiner Schauspielkarriere nicht mehr als Regisseur in Erscheinung trat und sich hinter den Kulissen vor allem auf Produzententätigkeiten konzentrierte.
Besonders bemerkenswert ist zudem das Drehbuch, das von einer wahren Autorengröße stammt: Horton Foote! Der renommierte Dramatiker gilt als einer der großen Chronisten der dunkleren Seiten des amerikanischen Südstaatenalltags und wurde für seine Drehbücher zu „Wer die Nachtigall stört“ und „Comeback der Liebe“ jeweils mit einem Oscar ausgezeichnet.
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