Wer heute an Nicolas Cage („Con Air“) denkt, denkt an entfesselte Monologe, eruptive Gefühlsausbrüche und eine Filmografie, die sich konsequent jeder Berechenbarkeit entzieht. Doch diese Hingabe zum Äußersten ist kein spätes Karrierephänomen. Schon in jungen Jahren entwickelte Cage seinen eigenen Schauspielansatz, den er selbst als „Nouveau Shamanic“ bezeichnete (grob übersetzt: „neuer Schamanismus“) – eine sehr persönliche Spielweise, beeinflusst von verschiedensten Kunstformen und deutlich expressiver als klassisches Method Acting.
Ein frühes und besonders drastisches Beispiel dafür findet sich in „Birdy“ aus dem Jahr 1984 von Alan Parker („Angel Heart“). In dem Drama spielen Cage und „Full Metal Jacket“-Star Matthew Modine zwei Jugendfreunde, die gezeichnet vom Vietnamkrieg zurückkehren. Während Modines Figur schwer traumatisiert in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wird, liegt Cages Figur Al Columbato mit massiven Gesichtsverletzungen im Krankenhaus.
Autsch! Zwei gezogene Zähne für mehr Authentizität
Um den physischen Schmerz seiner Rolle in „Birdy“ nachvollziehen zu können, traf der damals 19-Jährige eine Entscheidung, die selbst im Kontext kompromissloser Schauspielmethoden außergewöhnlich erscheint: Er ließ sich die beiden Vorderzähne ziehen – und zwar ohne Betäubung! Zwar gab es medizinische Gründe für den Eingriff, doch den Zeitpunkt wählte der Schauspieler bewusst inmitten der Produktionsphase des Films (via FarOut Magazine).
Später zeigte sich Cage deutlich reflektierter, wenn er auf diese Episode angesprochen wurde. Auf die Frage, ob er für eine Rolle noch einmal so weit gehen würde, antwortete er unmissverständlich: „Würde ich nicht. Ich musste mir die Zähne nicht ziehen lassen. Medizinisch gesehen schon – meine Milchzähne wollten nicht ausfallen – aber ich hätte das nicht während der Dreharbeiten machen müssen.“
Warum also dieser drastische Schritt? Seine damalige Motivation erklärte er rückblickend ebenso offen wie selbstkritisch: „Ich dachte, es wäre ein Weg, um mich mit einer Art körperlichem Schmerz zu verbinden. Ich wusste nicht, was ich da tat. Mit 19 fand ich mich in einer anspruchsvollen Rolle wieder, ohne die entsprechende Ausbildung.“
Diese Aussagen zeichnen das Bild eines jungen Schauspielers, der unbedingt ernst genommen werden wollte – nicht zuletzt, weil er zu Beginn seiner Karriere häufig als Neffe von Francis Ford Coppola („Der Pate“) wahrgenommen wurde. „Birdy“ wurde für ihn zur Bewährungsprobe, zu einem frühen Versuch, sich über kompromisslosen Einsatz zu definieren.
Künstlerisch ging die Rechnung durchaus auf. Der Film erhielt viel Lob von der Kritik, und auch Cages Darstellung wurde positiv hervorgehoben. Finanziell jedoch entwickelte sich das Drama zum Desaster. Bei einem Budget von rund 12 Millionen Dollar spielte „Birdy“ lediglich etwa 1,4 Millionen Dollar ein. Ein bitteres Ergebnis für ein Projekt, in das so viel persönlicher Einsatz geflossen war.
So bleibt diese Episode ein paradoxes Kapitel in Cages Laufbahn: ein radikaler körperlicher Einsatz für eine Rolle, die ihm Respekt einbrachte, aber keinen kommerziellen Erfolg. Rückblickend wirkt die Geschichte wie eine Vorahnung dessen, was folgen sollte – eine Karriere voller Wagnisse, geprägt von kompromissloser Hingabe und der Bereitschaft, sich für eine Figur buchstäblich zu verausgaben. So wie in diesem Meisterwerk, dass als einer der besten Cage-Werke gilt und vor dessen Beteiligung der Hollywood-Star gewarnt wurde. Mehr dazu in diesem FILMSTARTS-Artikel:
"Alle sagten, das sei der Tod meiner Karriere": Nicolas Cage wurde eindringlich vor seinem größten Triumph gewarnt*Bei dem Link zum Angebot von Amazon handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision.