Ist "Heated Rivalry" wirklich Marvel-Fanfiction? Das ist die lustige Geschichte dahinter
Björn Becher
Björn Becher
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Seit mehr als 20 Jahren schreibt Björn Becher über Filme und Serien. Hier bei FILMSTARTS.de kümmert er sich um "Star Wars" - aber auch um alles, was gerade im Kino auf der großen Leinwand läuft.

Die dritte Folge „Heated Rivalry“ ist eine besondere Episode der gefeierten Serie um zwei schwule Eishockeyspieler auf HBO Max. Sie verweist auf die Anfänge des Franchise und auf dessen Marvel-Wurzeln samt einem rückblickend lustigen Fehler.

Heated Rivalry“ ist die Adaption der erfolgreichen Buchreihe von Rachel Reid und übertraf die Vorlage in puncto Popularität noch einmal gewaltig. Die Serie ist ein großer Hit, den wir dank HBO Max jetzt auch endlich in Deutschland sehen können. Doch bei der am Freitag, den 20. Februar 2026 veröffentlichten, dritten Episode dürften einige erst einmal rätseln, was es mit dieser auf sich hat.

Schließlich stehen plötzlich nicht mehr die Hockey-Rivalen und heimlichen Liebhaber Shane Hollander (Hudson Williams) und Ilya Rozanov (Connor Storrie) im Mittelpunkt. Stattdessen begleiten wir den bereits aus den ersten beiden Episoden bekannten Scott Hunter (François Arnaud), den Captain der New York Admirals. Der lernt in einem Smoothie-Laden den Barista Christopher „Kip“ Grady (Robbie G.K.) kennen – und weil er danach mit einem starken Spiel endlich aus seinem Formtief findet, wird er aus Aberglauben zum Stammkunden. Schnell entwickelt sich zwischen den beiden Männern ein immer heißer werdender Flirt...

Die 3. Episode "Heated Rivalry" verfilmt das erste Buch – und das war einst Marvel-Fanfiction

Was einige vielleicht nicht wissen: „Heated Rivalry“ ist eigentlich der zweite Roman in der Buchreihe von Rachel Reid. Angefangen hat alles mit der Vorgängergeschichte „Game Changer“. Genau dieses erstes Buch adaptiert jetzt die dritte Folge – allerdings noch nicht komplett. Wir wollen hier natürlich nichts spoilern, aber können verraten, dass Scott und Kip auch in den nächsten Folgen Teil der Handlung bleiben. Ihre weitere Geschichte aus der Romanvorlage ist in die kommenden Episoden rund um Shane und Ilya eingewoben.

Vielmehr wollen wir hier auf die Ursprünge der Geschichte eingehen. Denn als Rachel Reid „Game Changer“ schrieb, hießen die beiden Protagonisten noch nicht Scott Hunter und Christopher „Kip“ Grady, sondern Steve Rogers und James „Bucky“ Barnes – und wer sich ein wenig für Marvel und das MCU interessiert, bei dem dürfte es jetzt klingeln.

Rachel Reids „Game Changer“-Reihe begann nämlich als Marvel-Fanfiction auf der Plattform Archive Of Our Own alias AO3 – aber das hat auch mit einem rückblickend ziemlich lustigen Missverständnis zu tun.

Darum war "Game Changer" eigentlich keine richtige Fanfiction

AO3 ist eine Seite von Fans für Fans, in denen vor allem Inhalte zu Franchises ausgetauscht werden. Das sind oft Fanfiction-Geschichten, aber auch zum Beispiel Bilder oder Musik. Rachel Reid sah zum Anfang ihrer Karriere die Chance, auf diese Weise wertvolles Feedback zu ihrer Arbeit zu bekommen. Schließlich hatte sie damals noch nie etwas veröffentlicht, laut eigener Aussage sogar noch niemand überhaupt etwas gezeigt, was sie geschrieben hat.

Die Webseite mit der sehr freundlichen Community schien so der optimale Weg für einen ersten Gehversuch, um herauszufinden, ob überhaupt jemand spannend findet, was sie schreibt. So erschien dort 2016 die Geschichte „Game Changer“, die Reid nach erstem Feedback auch noch ausbaute und überarbeitete. Mittlerweile ist sie offiziell nicht mehr verfügbar, aber über das Internet-Archiv sind noch mehrere Version abrufbar.

Was dabei auffällt: Es war von Anfang an eine homosexuelle Liebesgeschichte in der Welt des Eishockeys. Steve Rogers ist der Superstar-Captain der New York Rangers (die Teams wurden erst später fiktionalisiert), James „Bucky“ Barnes arbeitet in einem Smoothie-Shop. Es geht überhaupt nicht um die Superhelden-Aspekte der Marvel-Figuren. Doch warum nutzte Reid dann überhaupt nicht nur diese beiden Comic-Helden, sondern als Nebenfiguren u.a. Maria Hill, Natasha Romanov, Sam Wilson, Clint Barton, Nick Fury und Bruce Banner?

Die Autorin unterlag laut eigener Aussage einem Irrtum. Der Webseite Salon.com verriet sie, dass sie davon ausging, dass auf AO3 nur Fanfiction zugelassen ist. „Ich habe gar nicht realisiert, dass man auch originelle Arbeiten auf AO3 posten kann. Ich dachte, es muss Fanfiction sein.“

Aus dem Missverständnis wurde ein Mega-Hit

Für die Autorin war das Missverständnis im Nachhinein ein Segen. Sie erhielt wertvolles Feedback. Es gab ihr Selbstvertrauen, all die Marvel-Elemente zu entfernen, und das Manuskript bei Verlagen einzureichen. Dort bekam sie zwar das Feedback, es fühle sich noch zu sehr nach Fanfiction an, doch nach weiteren Überarbeitungsprozessen resultierte daraus 2018 der Roman „Game Changer“ – und damit der Anfang von einem Franchise.

Wer weiß, ob das ohne Marvel-Fanfiction überhaupt passiert wäre? Es lässt sich rückblickend nur spekulieren, ob Reids Geschichte auch ähnliche Aufmerksamkeit von der AO3-Community bekommen hätte, wenn sie nicht mit der Marvel-Note versehen gewesen wäre. Die Autorin sagt heute trotzdem, dass sie sich „verzweifelt wünscht, ich hätte diese Fanfiction nie gepostet“. Die Version mit Bucky und Co. sei „schlecht“ und „peinlich“: „Ich hasse den Gedanken, dass Leute das lesen, weil ich einfach ohne Grund einen Haufen zusätzlicher Marvel-Charaktere in die Geschichte gequetscht habe.“

Zudem hat sie, wie sie Salon.com verrät, auch ein schlechtes Gewissen, dass sie das Feedback auf AO3 eingesammelt hat, dann die Story gelöscht und Verlagen angeboten hat: „Das ist wirklich ganz mieses Verhalten für eine Fanfic-Autorin. All diese Leute haben mir wunderbares Feedback gegeben, und ich habe es genossen, und dann habe ich es ihnen einfach wie ein Idiot weggenommen, nur um Geld zu verdienen.“

Doch am Ende dürfte nicht nur sie, sondern auch die Roman- und die „Heated Rivalry“-Fans glücklich sein, wie es dazu gekommen ist. Schließlich verdanken wir all diesen Umständen eine sensationelle Hit-Serie, die auch verdammt gut ist. Denn warum der Hype um „Heated Rivalry“ gerechtfertigt ist, erklärt euch unser Autor Lutz Granert im folgenden Artikel:

Sagenhafte 9,9 in der IMDb für eine der besten Serien-Folgen aller Zeiten: Darum ist der Hype um "Heated Rivalry" berechtigt

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