Einer der erfolgreichsten Kriegsfilme aller Zeiten: Er hat fast 600 Millionen Dollar eingespielt und gilt als brutalerer "Black Hawk Down"
Sebastian Groß
Sebastian Groß
-Freier Autor
Manchmal fühlt er sich alt, weil er damals „The Big Lebowski“ oder „Matrix“ zum Kinostart gesehen hat. Andererseits konnte er damals „The Big Lebowski“ und „Matrix“ zum Kinostart sehen. Zum Glück behält er das für sich, außer jemand fragt ihn. Jetzt fragt ihn halt endlich.

Explosive Action, gnadenlose FSK‑18‑Gewalt und packender historischer Hintergrund: Dieser Kriegsfilm sprengte die Kassen und spielte weltweit fast 600 Mio. Dollar ein – ein spektakulärer Erfolg, der nicht aus Hollywood kam!

Sind Kriegsfilme im Kern Actionproduktionen? Die Frage mag provokant klingen, doch ein Blick auf moderne Werke legt nahe, dass sich das Genre zunehmend der Dynamik und Intensität von Blockbustern bedient: donnernde Explosionen, minutiös choreografierte Feuergefechte, riskante Rettungsmissionen unter hohem Zeitdruck. Filme wie „Black Hawk Down“ (2001) haben vorgemacht, wie sich dokumentarischer Anspruch mit Hochglanz-Inszenierung verbinden lässt.

Ein besonders eindrucksvolles Beispiel für diese Verschmelzung ist „Operation Red Sea“ (2018). Die chinesische Produktion treibt die Mechanismen des Actionkinos auf die Spitze und kombiniert militärischen Realismus mit brachialer Intensität. Heraus kommt ein Werk, das weniger an klassisches Antikriegsdrama erinnert, sondern ein nahezu ununterbrochenes Feuerwerk aus Explosionen, Schusswechseln und nervenaufreibenden Rettungsaktionen liefert.

Operation Red Sea
Operation Red Sea
Starttermin 26. Oktober 2018 | 2 Std. 18 Min.
Von Dante Lam
Mit Zhang Yi, Du Jiang, Hai-Qing
User-Wertung
3,5

Brutaler Ausnahmezustand für eine Spezialeinheit

„Operation Red Sea“ (2018) basiert lose auf der Evakuierung chinesischer Staatsbürgerinnen aus dem Jemen im Jahr 2015 (Quelle: BBC). Im Zentrum steht die Eliteeinheit der chinesischen Marine, die sogenannte „Jiaolong“-Truppe. Ihr Auftrag: Zivilist*innen aus einem fiktiven nordafrikanischen Krisenstaat retten, in dem Rebellen einen blutigen Putsch verübt haben. Was als Evakuierungsmission beginnt, entwickelt sich schnell zu einem gnadenlosen Überlebenskampf gegen schwer bewaffnete Milizen.

In den Hauptrollen sind Yi Zhang („The 800“) als Teamleader und Huang Jingyu („Addicted“) als Scharfschütze mit außergewöhnlicher Präzision zu sehen. Die Regie führte Dante Lam („Operation Mekong“), der bereits zuvor bewiesen hat, wie militärische Stoffe technisch beeindruckend und temporeich inszeniert werden können. Lam erschafft eine dichte, beinahe ununterbrochene Spannung, die jede Entscheidung der Soldat*innen unmittelbar fühlbar macht.

Der Stil des Films orientiert sich an westlichen Vorbildern, hebt sich jedoch durch eine gesteigerte Härte hervor. Abgetrennte Gliedmaßen, explodierende Fahrzeuge und detailreich dargestellte Verwundungen sind integraler Bestandteil der Inszenierung und verstärken den realistischen Eindruck, ohne die Actioneffekte zu kompromittieren.

Ein Kassenschlager mit globaler Wucht

„Operation Red Sea“ entwickelte sich in China zu einem Kassenschlager. Das nationale Einspielergebnis überstieg umgerechnet die 500-Millionen-Dollar-Marke und machte den Film zu einem der erfolgreichsten heimischen Produktionen aller Zeiten. Das Publikum strömte insbesondere während des chinesischen Neujahrsfests in die Kinos – einer der umsatzstärksten Zeiträume des Landes. Allerdings feiert China als Kino-Nation seit einigen Jahren immer wieder immense Erfolge. Zuletzt mit einem Animationsfilm, der alle Rekorde brach:

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International fand „Operation Red Sea“ ebenfalls Beachtung, wenngleich die Einnahmen außerhalb Chinas deutlich niedriger ausfielen. Dennoch erreichte der Titel dank des weltweiten Einspielergebnis knapp die Marke von 580 Millionen Dollar (via Box Office Mojo). In Deutschland hingegen erschien er ungekürzt mit FSK-18-Freigabe ausschließlich fürs Heimkino.

Bei dem Erfolg war klar, dass ein Sequel kommen würde. Dieses erschien in China und den USA im Frühjahr 2025. Allerdings gibt es hierzulande immer noch kein Release-Datum für „Operation Hadal“, der erneut von Regisseur Lam realisiert wurde, der dieses Mal auf ein eher futuristisches Setting setzte und die chinesische Navy als Helden inszenierte. Mit einem Einspielergebnis in seiner Heimat von unter 50 Millionen Dollar kann man auch eher von einem enttäuschenden Ergebnis sprechen - zumindest im direkten Vergleich zum Vorgänger.

Dauerbeschuss als Konzept, gespaltene Kritik als Ergebnis

„Operation Red Sea“ beeindruckt durch seine minutiöse Darstellung militärischer Abläufe. Funkbefehle, taktische Manöver und technische Ausrüstung werden detailliert gezeigt, was Authentizität erzeugt und das Publikum mitten ins Geschehen versetzt. Gleichzeitig kennt die Inszenierung kaum Zurückhaltung: Die Gewalt ist explizit und manchmal schockierend.

Die Kritik reagierte gespalten. Einige lobten die kompromisslose Härte als ehrliche Darstellung, andere sahen die Gewalt als kalkulierten Schockeffekt. Hinzu kommt die patriotische Stoßrichtung: Die chinesischen Soldat*innen erscheinen als hochprofessionelle, moralisch integre Heldinnen, die selbst in ausweglosen Situationen Haltung bewahren. Unabhängig davon gilt: Handwerklich und in der Actionchoreografie setzt der Film Maßstäbe. Leider hat er es aber nicht in die Top 10 der besten Kriegsfilme aller Zeiten geschafft:

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Chinas Blockbuster-Offensive

Mit „Operation Red Sea“ setzte China ein deutliches Signal: Das Land kann technisch und finanziell mit Hollywood mithalten. Die Produktion zählt zu den ersten großen chinesischen Blockbustern, die auch international intensiv diskutiert wurden. Sie demonstriert Selbstbewusstsein und den Anspruch, eigene militärische Heldengeschichten auf globalem Niveau zu erzählen.

Die ideologische Ausrichtung bleibt nicht unumstritten. Die klaren Heldenzeichnungen und das betonte Nationalgefühl wirken bewusst gesetzt. Dennoch lässt sich nicht leugnen, dass der Film ein Meilenstein für das chinesische Action- und Kriegskino ist. Er öffnete Türen für weitere ambitionierte Projekte und zeigte, dass auch nicht-westliche Perspektiven im Blockbusterformat angenommen werden.

Nicht nur die USA und China machen große Kriegsfilme, auch das deutsche Kino bietet eine beachtliche Auswahl. Ein Vertreter war 1993 ein Riesenerfolg, zählt bis heute zum Besten des Genres – und dennoch haben die meisten diesen Film bedauerlicherweise vergessen. Mehr dazu in diesem FILMSTARTS-Artikel.

Einer der erfolgreichsten deutschen Kriegsfilme aller Zeiten: Vor 32 Jahren lockte er 1,3 Millionen Zuschauer in die Kinos!

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