„Wuthering Heights“ ist derzeit in aller Munde. Unter Kinobesucher*innen wird wild über die prickelnden Szenen zwischen Margot Robbie („Barbie“) und Jacob Elordi („Frankenstein“) diskutiert, über extravagante Kostüme und opulente Kulissen geschwärmt – und natürlich werden Vergleiche zur 1847 erschienenen Romanvorlage von Emily Brontë gezogen. Wirklich überrascht sein kann man darüber allerdings kaum, dass der Film die Gemüter erhitzt. Schließlich steckt hinter dem Drama keine Geringere als Emerald Fennell.
Schon mit ihrem Rache-Thriller „Promising Young Woman“, mit dem sie 2020 ihr Langspielfilmdebüt als Regisseurin gab, traf die Britin einen Nerv und fuhr direkt mehrere Oscar-Nominierungen ein. Fennell selbst durfte den begehrten Goldjungen schließlich für das von ihr verfasste Drehbuch mit nach Hause nehmen. Und auch ihr zweites Werk „Saltburn“ schlug hohe Wellen und entwickelte sich 2023 zu einem der meistdiskutierten Filme des Jahres. Vor allem einige fast schon skandalöse Szenen sorgten in den sozialen Netzwerken für Empörung. Was viele dabei nicht wissen: Eine davon wurde tatsächlich von „Wuthering Heights“ inspiriert.
Die Grabszene
In „Saltburn“ geht es – falls ihr den Film noch nicht gesehen haben solltet: Achtung, Spoiler! – um den von Barry Keoghan gespielten Studenten Oliver Quick. Dieser wird im Sommer auf das Familienanwesen seines Freundes Felix eingeladen. Doch Oliver ist regelrecht besessen von Felix. Als dieser herausfindet, dass Oliver über seine Vergangenheit gelogen hat und ihn vom Anwesen fortschickt, schlägt die Obsession in gewalttätigen Groll um: Oliver tötet Felix. Nach der Beerdigung wird er von der Last des Verlusts überwältigt, zieht sich nackt aus und lässt sich auf das frisch gefüllte Grab fallen, um die aufgestaute sexuelle Spannung zu entladen, die er in sich trägt.
Diese Szene, so erklärte Emerald Fennell vor ein paar Jahren in einem Interview mit BuzzFeed, ist tatsächlich von Emily Brontës Werk inspiriert: „In ‚Wuthering Heights‘, eines meiner Lieblingsbücher überhaupt, gibt es eine Szene, in der Heathcliff sich zu Cathys Sarg hinuntergräbt, und der Subtext hat sehr viel mit einer ähnlichen Handlung zu tun. Was wir also in dem Film sehen, ist angesichts des Genres nicht völlig abwegig. Ein Großteil von Olivers Sehnsucht kann nicht gestillt werden, was er wirklich will, ist nicht möglich, und selbst am Ende ist es nicht möglich. Wir sehen, wie er eine Version dessen bekommt, was er will, aber er ist immer noch allein, er ist immer noch dort mit den Felsen und nicht mit den Menschen. Deshalb war es für mich wirklich wichtig, dass die Szene so lange dauerte, wie sie dauerte.“
Interessant ist dabei, dass Fennell genau dieses Motiv in ihrer eigenen „Wuthering Heights“-Adaption komplett weggelassen hat. Wie sie generell entschieden hat, welche Elemente der Romanvorlage sie übernimmt und welche nicht, hat die Regisseurin übrigens im Interview mit FILMSTARTS verraten. Das ganze Gespräch gibt es hier:
"Das ist der Moment, in dem man weiß, dass es ein Meisterwerk ist": "Wuthering Heights"-Regisseurin Emerald Fennell im großen FILMSTARTS-Interview