Als Schauspielerin kennen wir Emerald Fennell aus Filmen wie „The Danish Girl“, „Anna Karenina“ oder dem Mega-Hit „Barbie“. Doch auch hinter der Kamera macht die Britin eine herausragende Figur. Mit ihrem Rache-Thriller „Promising Young Woman“ gab sie 2020 ihr Langspielfilmdebüt als Regisseurin und konnte damit direkt mehrere Oscar-Nominierungen einfahren – unter anderem als Bester Film und für die Beste Regie. Fennell selbst durfte den begehrten Goldjungen schließlich für das von ihr verfasste Drehbuch mit nach Hause nehmen.
Spätestens seit „Saltburn“ dürfte ihr Name dann endgültig auch einem großen Publikum bekannt sein. Schließlich ist der provokante Thriller einer der meistdiskutierten Filme des Jahres 2023, der vor allem in den sozialen Netzwerken hohe Wellen schlug.
Nun hat sich Fennell erstmals einer Romanadaption gewidmet. Mit „Wuthering Heights“ bringt sie den gleichnamigen literarischen Klassiker von Emily Brontë auf die große Leinwand. Anlässlich des Kinostarts am 12. Februar 2026 traf FILMSTARTS-Redakteurin Chantal Neumann Emerald Fennell in London zum Interview. Darin sprach die Regisseurin und Drehbuchautorin über ihre Herangehensweise an die Adaption und die besonderen Herausforderungen, denen sie sich während der Dreharbeiten stellen musste.
FILMSTARTS: Ich habe mich gefragt, wie du zum ersten Mal zu „Wuthering Heights“ gekommen bist. War es ein Buch, zu dem du dich schon früh persönlich hingezogen gefühlt hast, oder ist es dir als Teil der Pflichtlektüre in der Schule begegnet?
Emerald Fennell: Es war Pflichtlektüre in der Schule. Es war Teil unseres Lehrplans. Ich finde, bei Dingen, die Teil des Lehrplans in der Schule sind, geht man immer mit einer gewissen Portion Grauen heran, weil man davon ausgeht, dass es Arbeit sein wird. Und ich glaube, dieses Buch war so – ich habe es wahrscheinlich ziemlich widerwillig aufgeschlagen und hatte dann nicht erwartet, dass es mich so umhauen würde.
FILMSTARTS: Und warum wolltest du ausgerechnet dieses Werk verfilmen – es gibt schließlich viele große Klassiker der englischen Literatur?
Emerald Fennell: Als ich nach „Saltburn“ darüber nachgedacht habe, was ich als Nächstes machen wollte, wusste ich, dass ich etwas machen wollte, was eine körperliche und eine emotionale Reaktion hervorruft. Ich wollte, dass es auf diese Weise verbindend ist, denn das ist der Grund, warum ich es liebe, ins Kino zu gehen, und warum ich es liebe, ins Theater zu gehen – um Dinge gemeinsam anzuschauen. Als ich darüber nachdachte, kehrte ich immer wieder zu dem ersten Werk zurück, das bei mir dieses Gefühl ausgelöst hat und das ist „Wuthering Heights“. Denn es gibt wirklich kein Kunstwerk, das physisch und emotional mehr verbindet – es bringt einen zum Weinen, es regt einen auf, es verstört einen irgendwie. Es ist emotional und physisch so einnehmend. Weil ich immer wieder darauf zurückkam, fragte ich mich irgendwann, ob ich eine eigene Version machen könnte – eine Adaption im weitesten Sinne –, aber mehr meine Antwort auf das Lesen des Buches.
Warner Bros.
FILMSTARTS: Du hast schon öfter betont, dass der Film das Gefühl einfängt, das du hattest, als du das Buch als junges Mädchen gelesen hast. Hast du den Roman zur Vorbereitung erneut gelesen oder dich bewusst auf diese Erinnerung verlassen?
Emerald Fennell: Ich glaube, ich wäre in Schwierigkeiten geraten, wenn ich mich nur auf das Gefühl verlassen hätte, das ich damals hatte. Ich habe es seit meinem 14. Lebensjahr so oft gelesen. Aber als ich dann das Gefühl hatte, dass es wirklich das nächste war, was ich machen wollte, habe ich, bevor ich es noch einmal gelesen habe, alles aufgeschrieben, woran ich mich aus dem Buch erinnerte. Und einiges davon war echt und einiges war Wunschdenken. Und so ging es dann beim Drehbuch darum zu entscheiden, welche Teile dieses Wunschdenkens ich behalten und im Film haben wollte.
FILMSTARTS: Wie hast du entschieden, welche Elemente des Romans du in den Film einbauen würdest?
Emerald Fennell: Ich denke, einer der wichtigsten Punkte für mich war, so viel wie möglich von Brontës Originaldialogen beizubehalten. Denn sie hat die besten Dialoge aller Zeiten geschrieben. Ich habe mir viel von Baz Luhrmanns „Romeo + Julia“ abgeschaut. Und das Besondere daran ist, dass es Shakespeare ist – Shakespeares Skript, Shakespeares Stück. Luhrmann hat manchmal die Art oder die Optik verändert und es in eine andere Zeit versetzt, aber es ist schlichtweg Shakespeare. Und das ist es, was für mich so aufregend war, als ich es zum ersten Mal sah, als ich jung war. Und so ist es jetzt für mich: Solange man Brontës Worten so treu wie möglich bleibt, kann man bei allem anderen sagen: „Nun, das ist einfach meine Reaktion darauf.“
FILMSTARTS: Wie hast du sichergestellt, dass der Film den Geist und die emotionale Essenz des Romans einfängt, auch dort, wo er sich inhaltlich oder formal von der Vorlage löst?
Emerald Fennell: Ich denke, dass man es einfach fühlen muss. Man muss immer wieder physisch und emotional prüfen, ob etwas funktioniert. Und das geht auch einher mit der Arbeit mit unglaublichen Schauspielern und unglaublichen Abteilungsleitern und der Crew. Wir verbringen viel Zeit in der Vorbereitung, bevor wir etwas drehen, und führen lange Diskussionen darüber, ob das Set emotional resonant ist, ob die Kostüme und der Stoff einen etwas fühlen lassen – all das ist darauf ausgelegt, das Gefühl von Brontës Welt zu vermitteln.
FILMSTARTS: Im Trailer wird „Wuthering Heights“ als „die größte Liebesgeschichte aller Zeiten“ bezeichnet. Viele stellen jedoch infrage, ob es überhaupt eine Liebesgeschichte ist – oder nicht vielmehr eine Tragödie über Rache, Klassenkonflikte und obsessive, dunkle Charaktere. Wie ist deine Reaktion darauf?
Emerald Fennell: Nun, ich habe darauf keine Antwort, denn genau deshalb wird über dieses Buch fast 200 Jahre später immer noch gestritten. Das ist es, was es so aufregend macht – niemand kann sich in irgendeinem Punkt über dieses Buch einig werden. Und das ist der Moment, in dem man weiß, dass es ein Meisterwerk ist. Und so ist es für mich und für viele eine großartige Liebesgeschichte. Das soll nicht heißen, dass sie einfach ist, dass sie nicht kompliziert und grausam und in vielerlei Hinsicht immens beunruhigend ist. Aber ich glaube, dass die Menschen, die „Wuthering Heights“ lieben, eine sehr tiefe emotionale Verbindung zur Liebesgeschichte haben. Aber es liegt nicht an mir, den Leuten zu sagen, was für eine Geschichte das ist.
Warner Bros.
FILMSTARTS: Gab es besondere Herausforderungen während der Dreharbeiten, etwa beim Einfangen der rauen, stürmischen Atmosphäre, die für die Geschichte so zentral ist?
Emerald Fennell: Natürlich ist die Arbeit in Yorkshire, wo man zehn verschiedene Jahreszeiten an einem Tag hat, ziemlich schwierig. Aber es ist auch wunderschön und irgendwie magisch, und zum Glück arbeite ich mit Leuten zusammen, die eine herausfordernde Umgebung mögen. Aber ja, zu versuchen, den Nebel, den wir für eine bestimmte Szene erzeugt haben, dazu zu bringen, sich auf eine ganz bestimmte Weise zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt zu verhalten, war sehr kompliziert.
FILMSTARTS: Vielen Dank.
Emerald Fennell: Vielen Dank.
Nachfolgend könnt ihr euch auch nochmal den englischen Original-Trailer zu „Wuthering Heights“ anschauen: