Seit Jahrtausenden träumt die Menschheit von ewiger Jugend. Der Jungbrunnen ist ein uralter Mythos, viele Religionen locken mit dem ewigen Leben. Der Wunsch, dem Verfall des Körpers zu entkommen, ist so alt wie die Zivilisation selbst. In der Literatur hat dieses Motiv niemand so prägnant auf den Punkt gebracht wie Oscar Wilde mit seinem einzigen Roman „Das Bildnis des Dorian Gray“: Hier bleibt der Protagonist jung und makellos, während sein Porträt an seiner Stelle altert.
Und auch das Kino ist voll von Variationen dieses Traums: In „Der Tod steht ihr gut“ verspricht ein magisches Elixier Unsterblichkeit, in „Für immer Adeline“ hört eine Frau nach einem Unfall einfach auf zu altern, und im Sci-Fi-Film „In Time“ wird Lebenszeit buchstäblich zur Währung. Was nur wenige wissen: Auch in der Realität arbeiten Forschende längst daran, Alterungsprozesse gezielt zu beeinflussen – und seit 2024 gibt es in dieser Hinsicht bemerkenswerte neue Erkenntnisse.
Diese Rolle spielt das Protein AP2A1 beim Altern
Forschende der Universität Osaka haben nämlich herausgefunden, dass ein bestimmtes Protein namens AP2A1 eine zentrale Rolle bei der Zellalterung spielt. Wird dieses Protein blockiert, können Mechanismen aktiviert werden, die den Alterungsprozess von Zellen verlangsamen – oder unter bestimmten Bedingungen sogar teilweise umkehren.
Mit zunehmendem Alter verändern sich die Zellen unseres Körpers. Sie werden größer, weniger aktiv, teilen sich nicht mehr – sterben aber auch nicht ab. Dieser Zustand wird als zelluläre Seneszenz bezeichnet. Solche gealterten Zellen sammeln sich im Organismus an und stehen im Zusammenhang mit Krankheiten wie Osteoporose, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bestimmten Krebsarten und neurodegenerativen Leiden.
Wie Pirawan Chantachotikul – eine der Autorinnen der in der Fachzeitschrift Cellular Signalling veröffentlichten Studie – erklärt, sind die sogenannten Stressfasern in seneszenten Zellen deutlich dicker als in jungen Zellen (via Purebreak.com). Das deutet darauf hin, dass die darin enthaltenen Proteine dazu beitragen, die vergrößerte Form und die „Unbeweglichkeit“ der alten Zellen aufrechtzuerhalten. Genau hier setzt AP2A1 an: In gealterten Zellen ist das Protein in erhöhter Menge vorhanden und scheint direkt zu dieser Verhärtung beizutragen.
So weit ist die Forschung bisher gekommen
In Laborexperimenten veränderte das Team die Expression von AP2A1 in verschiedenen menschlichen Zelltypen. Wurde das Protein in alten Zellen deaktiviert, begannen diese wieder, sich zu teilen. Gleichzeitig verringerte sich ihre Größe – sie nahmen also Eigenschaften an, die typisch für junge Zellen sind. Umgekehrt beschleunigte eine erhöhte AP2A1-Menge in jungen Zellen den Alterungsprozess. „Die Unterdrückung von AP2A1 in alten Zellen kehrte die Seneszenz um und förderte die Zellerneuerung“, erläuterte Co-Autor Shinji Deguchi.
Zusätzlich setzten die Wissenschaftler*innen den Wirkstoff IU1 ein – eine Substanz, die die „molekulare Müllabfuhr“ der Zellen unterstützt, indem sie beschädigte Proteine abbaut. Die Kombination aus AP2A1-Blockade und IU1 führte zu einer messbaren Reduktion von Alterungsmarkern. Das deutet darauf hin, dass sich die biologische Uhr von Zellen zumindest teilweise zurückdrehen lässt.
Noch steht die Forschung in dieser Hinsicht am Anfang – die bisherigen Ergebnisse stammen aus Laborversuchen mit menschlichen Zellen. Ob sich die Effekte in komplexeren Organismen bestätigen lassen, ist offen. Sollte sich der Ansatz jedoch bewähren, könnte er die regenerative Medizin grundlegend verändern: Nicht nur eine Verlängerung der Lebensspanne wäre denkbar, sondern auch die Prävention chronischer Erkrankungen – noch bevor erste Symptome auftreten. Bleibt nur zu hoffen, dass die „ewige Jugend“ anders als zumeist in Kunst, Kino und Literatur nicht an einen hohen Preis gekoppelt ist...
Wenn ihr wissen wollt, welcher bildstarke Sci-Fi-Film von der Wissenschaft sehr geschätzt wird (und warum), dann lest direkt im folgenden Artikel weiter:
Dieser spektakuläre Blockbuster wird von der Wissenschaft geliebt: "So nah an der Realität, wie es ein Sci-Fi-Film nur sein kann"Ein ähnlicher Artikel ist zuvor bereits bei unseren Kolleg*innen von Purebreak.com erschienen.