Auf der pazifischen Insel Isla Nublar, unweit der Küste Costa Ricas, hat der exzentrische Multimillionär John Hammond mithilfe modernster Gentechnologie das scheinbar Unmögliche vollbracht: Er hat Dinosaurier wieder zum Leben erweckt und aus ihnen einen spektakulären Erlebnispark geschaffen – den berühmten „Jurassic Park“.
Als Steven Spielbergs Science-Fiction-Abenteuer 1993 in die Kinos kam, entwickelte es sich rasch zum kommerziell erfolgreichsten Film seiner Zeit und hielt diesen Rekord, bis „Titanic“ ihn 1997 ablöste. Die Handlung basiert auf dem gleichnamigen Roman von Michael Crichton, der gemeinsam mit David Koepp auch das Drehbuch verfasste.
Seit Jahren stellen sich Filmfans jedoch dieselbe Frage: Ist „Jurassic Park“ eigentlich wissenschaftlich korrekt? Die kurze Antwort lautet: natürlich nicht. Schon beim Nachdenken darüber müsste einem auffallen, dass es auf der Welt längst mehrere solcher Parks gäbe – schließlich würde der Kapitalismus ein solches Geschäftsmodell sofort vervielfältigen, wenn es technisch möglich wäre. Und wie sich herausstellt, sind viele der wissenschaftlichen Erklärungen im Film schlichtweg Unsinn.
Der "Lysin-Kontrollmechanismus" kann gar nicht funktionieren
In „Jurassic Park“ wird erklärt, dass die Dinosaurier genetisch so verändert wurden, dass ihr Körper die lebenswichtige Aminosäure Lysin nicht selbst herstellen könne. Dadurch seien sie vollständig abhängig von der Versorgung durch die Wissenschaftler*innen des Parks. Sollten sie entkommen, so heißt es, würden sie ohne extern zugeführtes Lysin sterben. Klingt zunächst plausibel – ist aber wissenschaftlich gesehen völliger Quatsch.
Tatsächlich ist Lysin zwar essenziell für alle Tiere und auch für den Menschen, jedoch kann kein lebender Organismus es von Natur aus selbst herstellen. Stattdessen wird Lysin grundsätzlich über die Nahrung aufgenommen. Und diese Aminosäure kommt in einer enormen Bandbreite von Lebensmitteln vor: Gemüse, Obst, Fleisch – überall ist genug davon enthalten. Die Dinosaurier im Film könnten also problemlos weiterleben, auch ohne Versorgung aus dem Labor. Der Mechanismus ist wissenschaftlich schlicht nicht haltbar (und wurde in den Fortsetzungen später dann ja auch einfach ignoriert).
Universal Pictures / Amblin Entertainment
Auch der amerikanische Unternehmer Ben Lamm, dessen Biotechnologieunternehmen Colossal tatsächlich daran arbeitet, ausgestorbene Tierarten – darunter das Wollhaarmammut – zurückzubringen, stört sich an diesem Logikfehler. Die Wissenschaftler*innen seines Teams verdrehen jedes Mal die Augen, wenn sie in „Jurassic Park“ sehen, wie DNA aus einer in Bernstein eingeschlossenen Mücke extrahiert oder welche Bedeutung Lysin dort zugeschrieben wird.
„DNA mit einem Bohrer und einer Spritze aus Bernstein zu entnehmen, lässt mich nur mit den Augen rollen. Wenn unsere Arbeit so einfach wäre, hätten wir wahrscheinlich schon längst ein Mammut oder sogar Dinosaurier“, kommentiert Lamm (via ScreenRant). Sein Unternehmen verfolgt zudem eine völlig andere Strategie: Statt künstliche Abhängigkeiten bei wiederbelebten Tieren zu schaffen, ist es das Ziel, stabile Populationen aufzubauen, die langfristig aus eigener Kraft überleben können.
Übrigens: Warum auch schon zu Beginn des Films klar wird, dass Parkgründer John Hammond gar keine Ahnung hat, erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel:
Ein ähnlicher Artikel ist zuvor bereits auf unserer spanischen Schwesternseite Sensacine.com erschienen.