"Er sieht aus, als würde er gerade in den Wald scheißen": Selbst der "God Of War"-Erfinder lästert über das erste Bild zur Amazon-Serie
Björn Becher
Björn Becher
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Seit mehr als 20 Jahren schreibt Björn Becher über Filme und Serien. Hier bei FILMSTARTS.de kümmert er sich um "Star Wars" - aber auch um alles, was gerade im Kino auf der großen Leinwand läuft.

Das erste Bild zur Amazon-Serie „God Of War“ sorgt für heiße Diskussionen. In diese schalteten sich jetzt auch der Hauptdarsteller und der Erfinder der Videospielvorlage ein. Letzter spart nicht mit Kritik und Spott, hat aber trotzdem Hoffnung.

Amazon Prime Video

Am vergangenen Freitag veröffentlichte Amazon Prime Video ein erstes Bild von „Sons Of Anarchy“-Star Ryan Hurst sowie Jungschauspieler Callum Vinson in der Serie „God Of War“. Die Fans der Vorlage reagierten mit großem Entsetzen. Einige vermuteten sogar ein KI-Erzeugnis oder einen Fake. Entsprechende Verschwörungstheorien befeuerte sogar Hauptdarsteller Hurst selbst: „Glaubt nicht alles, was ihr im Internet seht, Kinder“, postete dieser in einer Instagram-Story. Was er damit aussagen will, ist allerdings zweifelhaft.

Denn Fakt ist: Es ist kein KI-Bild, kein Fake. Es ist ein von Amazon selbst zum Drehstart veröffentlichtes erstes Foto vom Set. Wichtig ist trotzdem, dass diese Szene so nicht in der Serie enthalten sein muss oder man in der Post-Produktion den etwas zu sauberen Look noch kräftig aufpolieren, also in dem Fall roher und dreckiger machen kann. Doch gleichzeitig ist es auch das Bild, mit welchem Amazon der Welt diese Produktion das erste Mal präsentieren will – und was deswegen Fans natürlich sehr kritisch beäugen.

Spieleerfinder findet Veröffentlichung dieses Bilds "dumm"!

Genau darauf bezieht sich jetzt auch David Jaffe. Der Spieleentwickler hat einst „God Of War“ erfunden und auch das Sequel umgesetzt, später aber die Reihe verlassen. Er bezeichnet das Bild und dessen Veröffentlichung in einem YouTube-Video jetzt als „dumm“. „Das ist kein Behind-the-Scenes-Foto, das irgendwer heimlich am Set geknipst hat. Das ist eine offizielle Veröffentlichung von Amazon, die die Serie produzieren. Ich weiß also nicht, was zur Hölle das bedeuten soll.“

Jaffe kritisiert den ersten Eindruck, welcher das Bild liefert. Gerade wenn man Leuten, die vielleicht auch die Spiele nicht kennen, eine für sie brandneue Figur präsentiere, die eine Serie trage, gebe man sich doch besondere Mühe. Er verstehe zwar, dass man keinen Kratos in seiner spartanischen Wut zeigt, weil das vielleicht manche abschrecke. Aber als Alternative könne man „dann nicht ein Bild finden, auf dem er nicht so aussieht, als würde er gerade mitten in den Wald scheißen. Denn genauso sieht das Bild aus“, so der Spielemacher. Die ganze Pose, der Gesichtsausdruck des Schauspielers - „er sieht einfach dumm“ aus, so Jaffe.

"Ist das hier die 'Dumm und Dümmer'-Version von 'God of War'"?

Auch bei Atreus-Darsteller Callum Vinson hat er seine Probleme. Er wolle kein Kind und daher nicht den Jungschauspieler selbst kritisieren, sondern die Verantwortlichen: „Sein Haar sieht aus, als wäre es vollgestopft mit Styling-Produkten. Ich weiß, er soll ein kleiner Junge sein. Aber ist er ein kleiner Junge, der eine Brille braucht? Ist er ein kleiner Junge, der vielleicht ein wenig speziell ist? Denn schaut euch mal an, wie er den Bogen hält und wohin er zielt. Es ist, als würde er gar nicht zielen... das ganze Bild sieht einfach seltsam aus. Er sieht aus wie ein sehr verwirrter kleiner Junge mit viel zu viel Gel im Haar.“

Sein Fazit zu den beiden Protagonisten der Serie: „Keine dieser Figuren wirkt sonderlich interessant oder ansprechend. Sie sehen einfach dumm aus. Wenn das hier die ‚Dumm und Dümmer‘-Version von ‚God of War‘ wäre, wäre es genau das, was man erwarten würde. Wie eine Komödie.“ Und damit ist Jaffe mit seinem Rant noch nicht einmal am Ende.

Denn viel schlimmer als die beiden Figuren findet er den Felsen zwischen ihnen: „Das sieht aus wie etwas, das man im Bastelladen für seine verdammte Modelleisenbahn kauft: ‚Oh, ich hab das Felsenset für die Züge besorgt, und da ist dieses Moos drauf, das irgendein Hobby-Bastler da drangeklebt hat.‘ Es ist einfach ein schreckliches Bild.“

Trotz massiver Kritik: Jaffe ist weiter von einer guten Serien überzeugt auf

Allerdings will Jaffe die Serie nicht vorschnell verurteilen. Er kritisiert vor allem die Verantwortlichen, die dieses Bild veröffentlicht haben: „Ich bin verwirrt darüber, wer bei Amazon oder PlayStation Productions – vor denen ich großen Respekt habe – gesagt hat: ‚Wisst ihr was? Von den 80 Bildern, die wir veröffentlichen könnten, nehmen wir genau dieses.‘ Diese Person gehört auf irgendeine Liste. Lasst diese Person nicht in ein Flugzeug steigen, denn ich glaube nicht, dass es ihr gut geht“, polemisiert er auch ein gutes Stück weit.

Hier noch einmal in voller Amazon Prime Video
Hier noch einmal in voller "Pracht": Ryan Hurst und Callum Vinson als Kratos und Atreus in "God Of War"

Doch er schränkt seine vorherige Kritik am eigentlichen Bild selbst auch immer wieder ein: Beim angesprochenen Felsen sei der Effekt „wahrscheinlich okay“, „die Jungs und Mädels, die die Requisite gebaut haben, sind wahrscheinlich super. Es ist das fehlende Licht“, sagt er so. Und auch sonst hat er Hoffnung, dass „God Of War“ bei Amazon Prime Video gut wird. Seine Hoffnungen setzt er dabei vor allem in „Battlestar Galactica“-Macher und Chefautor Ronald D. Moore und den mittlerweile für die „God Of War“-Spiele verantwortlichen und auch direkt an der Serie beteiligten Cory Barlog.

„Zwei Dinge können gleichzeitig wahr sein. Das hier kann ein furchtbares Bild sein – und das ist es auch. […] Und gleichzeitig ist Ron Moore, der Showrunner, fantastisch. [...] Ich habe absolut keinen Zweifel daran, dass es eine gute Serie wird. Cory [Barlog] ist dabei. Ich denke, Cory hat viel beizutragen, nicht nur zu diesem Universum; er ist großartig im Storytelling. Ich mache mir um die Serie keine Sorgen.“

Amazon muss jetzt die Fans überzeugen

Nachdem die Reaktionen im Netz aber mit überwältigender Mehrheit negativ sind, muss Amazon jetzt aber erst einmal dafür kämpfen, die Fans wieder zu überzeugen. Am Ende kann es sich aber natürlich als Vorteil erweisen, in einem so frühen Stadium ein so harsches Feedback zu erhalten. Jetzt kann man immerhin noch Dinge korrigieren.

Wer sich mit Videospieladaptionen auskennt, dürfte in dem Zusammenhang auch an ein prominentes Beispiel denken. Bei „Sonic The Hedgehog“ gab es zu Beginn auch riesiges Entsetzten über den Look der Kultfigur. Die Verantwortlichen reagierten, hörten auf die Fans und konnten diese damit überzeugen. Heute ist es eine gefeierte und unglaublich erfolgreiche Reihe.

Wann „God Of War“ bei Amazon Prime Video erscheinen soll, ist noch nicht bekannt. Noch mehr als auf den Serienstart dürfte man jetzt aber auf ein nächstes Bild warten, um zu sehen, ob der Eindruck vom ersten Foto korrigiert werden kann.

Übrigens gibt es gerade auch neue Pläne, eine andere Videospielreihe zu verfilmen. Mehr dazu gibt es im folgenden Artikel:

Eine der besten Videospiel-Reihen wird zum Kinofilm oder zur Serie – vom Macher persönlich

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