Hochspannend, total überraschend und erschreckend komisch: Schaut heute Abend dieses mitreißende Meisterwerk ohne Werbung im TV!
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Schon in der Grundschule las er Kino-Sachbücher und baute sich parallel dazu eine Film-Sammlung auf. Klar, dass er irgendwann hier landen musste.

Er ist einer der fesselndsten Gerichtsfilme der Geschichte und dabei unerwartet humorvoll: „Zeugin der Anklage“ ist eines der Glanzlichter im Schaffen von Billy Wilder, Agatha Christie und Marlene Dietrich. Heute läuft er ohne Werbepause im Free-TV.

Keine Autorin sorgte für mehr verkaufte Exemplare als Agatha Christie: Die britische Rekordschriftstellerin schuf unvergessliche Figuren wie Hercule Poirot und Miss Marple und prägte mit ihrem Erzählstil das Krimigenre wie wohl sonst niemand! Weltberühmt ist Christies Können, eine in die Länge gezogene, detailreiche Erläuterung der Motive und des Tathergangs zum fesselnden Lesevergnügen aufzubauschen. Aber sie war zudem eine Meisterin darin, Erwartungen zu unterwandern!

Ein Paradebeispiel dafür ist das Theaterstück „Zeugin der Anklage“, das Christie aus einer ihrer Kurzgeschichten gesponnen hat. Mit schockierenden sowie genüsslich-haarsträubenden Enthüllungen, geschliffenen Dialogen und vielschichtigen Figuren zeigt es einerseits die Schwierigkeit einer umfassenden Rechtsprechung auf. Andererseits ist es dank der quirligen Macken der zentralen Figuren und allerlei spritzigen Einfällen ungeheuer amüsant!

1957 fand das populäre Bühnenstück den Weg auf die Leinwand – und wurde dort zum umjubelten Kassenschlager. Egal, ob ihr das Justizfilm-Meisterwerk nachholen oder euch erneut in seinen fesselnden Wust aus Twists, Tragödien und Späßen stürzen wollt: Heute, am 15. März 2026, läuft „Zeugin der Anklage“ ab 20.15 Uhr bei arte! Außerdem ist der Klassiker vorübergehend in der arte-Mediathek abrufbar und bei Amazon Prime Video im Abo enthalten:

Darum geht es in "Zeugin der Anklage"

Sir Wilfrid Robarts (Charles Laughton) ist Londons berühmtester Strafverteidiger und gesundheitlich arg angeschlagen. Daher rät ihm sein Arzt (Jack Raine), kein neues Mandat mehr anzunehmen. Doch Robarts ist dafür zu neugierig und ehrgeizig. Erst recht, als ihm der schüchterne und derzeit arbeitslose Handelsvertreter Leonard Vole (Tyrone Power) begegnet. Denn Vole wird beschuldigt, aus habgierigem Kalkül die reiche Witwe Emily French ermordet zu haben.

Robarts Pflegerin Plimsoll (Elsa Lanchester) gemahnt den kränkelnden Herren, er solle den Fall ignorieren. Aber er glaubt Vole, dass er unschuldig ist, und will das dem Gericht beweisen – obwohl Voles Ausflüchte schwammig sind und sein Alibi quasi null und nichtig. Und als wäre das nicht genug, tritt die Frau des Angeklagten, Christine Vole (Marlene Dietrich) aus Deutschland, als Zeugin der Anklage auf...

Wie die (Wilder-)Faust aufs (Christie-)Auge

Kaum wer hätte „Zeugin der Anklage“ besser von der Bühne ins Kino übertragen können als Billy Wilder: Der Filmemacher, der bloß Autor werden wollte und letztlich in eine der faszinierendsten Regiekarrieren der Hollywood-Geschichte geschlittert ist, verstand Dramatik, Witz und Spannung gleichermaßen! Diesem versierten Händchen ist es zu verdanken, dass Wilders Inszenierung des Christie-Theaterstücks feist zwischen Tonalitäten springen kann, ohne dadurch in unvereinbare Einzelteile zu zerbrechen!

Wenn wir den rundlichen, Alkohol und Zigarren liebenden und nicht mehr allzu beweglichen Strafverteidiger Sir Robarts kennenlernen, frönt dieser Altherrenwitzlein, hat mit seinem Treppenlift zu kämpfen und zankt sich liebevoll mit seiner Pflegerin Plimsoll sowie neckisch-kollegial mit seinem Arzt. Das setzt Wilder mit deutlicher Freude an charakterlichen Übertreibungen und kleinen, beiläufig-witzigen Angewohnheiten um – und ihm gelingt ein diffiziler Drahtseilakt zwischen dem Erzeugen von Sympathie für Robarts sowie dem Akt, ihn als archetypischen, alten Mann der Lächerlichkeit preiszugeben.

In Rückblenden wiederum skizziert Wilder ein verführerisches, aber gewaltiges Misstrauen schürendes Knistern zwischen der im Zeugenstand so eiskalt anmutenden Christine und Leonard, den sie im besetzten Deutschland unter tragischen bis tragikomischen Umständen kennengelernt hat. Die eigentliche Gerichtsverhandlung stellt Wilder letztlich als sich stets in Bewegung befindliches Wechselspiel aus Behauptungen, Andeutungen, Widersprüchen und Knobelaufgaben dar.

Und sobald Wilders Gespür für Erzähltemperaturen sowie das von ihm, Larry Marcus („Stadt im Dunkel“) und Harry Kurnitz („Wie klaut man eine Million?“) verantwortete Skript das Publikum in Sicherheit gewogen haben, kommt das raffiniert-tolldreiste Genie Christies zum Zuge: Irgendwie absurd, irgendwie plausibel wird der Stoff gen Schluss nochmal kräftig durchgerüttelt und der zentrale Cast darf deftig aufspielen.

Das ergibt einfach starkes, temporeiches und ebenso spannendes wie schockierend-witziges Gerichtskino! Und wenn ihr danach einen weiteren Klassiker des US-Justizfilms sehen möchtet, folgt doch auch diesem Streaming-Tipp:

Heute Abend streamen: In diesem hochspannenden Klassiker trumpft einer der größten Hollywood-Stars aller Zeiten so richtig auf

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