Wer schon einmal einen Film über einen Auftragskiller gesehen hat, wird sich an Szenen erinnern, in denen ein Schalldämpfer auf einen Waffenlauf geschraubt wird, um den Mord akustisch unauffällig zu vollführen. Das kurze mechanische Geräusch, das dann zu hören ist, wird im Englischen häufig mit „pew pew“ umschrieben. Über die Jahrzehnte ist es in diversen Actionfilmen erklungen – zuletzt besonders ausgiebig in „John Wick: Kapitel 2“, als sich Keanu Reeves und Common einen Schalldämpfer-Schusswechsel in einer Menschenmenge liefern:
Doch wie so oft, entspricht das, was wir in Hollywood-Filmen sehen und hören, nicht wirklich der Realität. So hat der britische Waffen-Historiker Jonathan Ferguson in einem ausführlichen Video die Wirkweise und den wahren Klang von Schalldämpfern erklärt und ist gleichzeitig mithilfe eines berühmten Sound-Designers den Ursprüngen des ‚falschen‘ Schalldämpfer-Geräusches auf den Grund gegangen – hier das Video in voller Länge:
Mehr lautes Klatschen als "pew pew"
Selbst der beste Schalldämpfer, so Ferguson in dem Video, könne den Schuss niemals auf das bekannte „pew pew“ reduzieren. Vielmehr hörten sich mit Schalldämpfer abgegebene Schüsse wie ein lautes Händeklatschen an. Wie aber kam Hollywood auf das alternativ verwendete Geräusch, das in unzähligen Filmen verwendet wird? Um dem „pew pew“ auf den Grund zu gehen, kontaktierte Ferguson unter andere Ben Burtt, der sich in Hollywood als begehrter Tontechniker und Sound Designer einen Namen gemacht hat. Sein berühmtester Soundbeitrag: Er verlieh den Lichtschwertern in „Star Wars“ ihren ikonischen Klang, den er mithilfe eines alten Filmprojektors schuf.
Querschläger-Audio von 1939
Auf Fergusons Rückfrage zum Schalldämpfer-Sound begann Burtt in der Audio-Datenbank der Fox Studios zu stöbern und entdeckte eine von 1939 stammende Aufnahme von Geschoss-Querschlägern, die für eine Reihe von Western verwendet wurde. Aus dieser Standard-Aufnahme, so rekonstruierte es Burtt, wurde offenbar ein kleiner Ausschnitt der am Mikro vorbeirauschenden Kugel extrahiert und mit einem Fade-Out versehen. So entstand dann der gepresste Schalldämpfer-Klang, der in der Folgezeit dutzendfach für Filme verwendet wurde und uns allen heute bekannt ist.
Doch weshalb hält sich dieser falsche Sound so wacker anstelle des echten Schalldämpfer-Klangs? Nun, zunächst einmal sei es deutlich teurer, solch einen authentischen Sound aufzunehmen, zumal der Schalldämpfer-Einsatz nicht in allen Staaten und zum Teil nur unter strengsten Auflagen erlaubt ist. Zum anderen, so umschreibt es Burtt: Nicht alles, was authentisch klingt, ist Hollywood dramatisch genug.
Apropos Authentizität: Damit nehmen es Historienfilme vor allem in Schlachtenszenen nicht besonders genau – hier mehr dazu:
Dieser Fehler regt Historiker bei den Schlachtenszenen von Historien- und Fantasyfilmen ganz besonders auf – auch wenn es filmisch Sinn ergibt