Die Oscars 2026 begannen richtig schwungvoll. Im Make-Up von Amy Madigans bereits jetzt ikonischer Horrorfigur Gladys aus „Weapons - Die Stunde des Verschwindens“ ließ sich Moderator Conan O’Brien von einer Horde Kinder quer durch einige der nominierten Film-Hits jagen. Am Ende ging es sogar über den roten Teppich rein zur Oscar-Verleihung auf die Bühne. Doch die Dynamik dieses wunderbaren Auftakts, den ihr euch direkt nach diesem Absatz via YouTube selbst anschauen könnt, hielt der übrige Monolog nicht.
Allgemein war die 98. Oscar-Verleihung immer wieder eine zähe Angelegenheit. Die Kabbelei der Preispräsentatoren wirkte oft sehr steif und war hin und wieder auch sehr schamlos einfach nur Werbung für einen kommenden Film (ich schaue da nicht nur auf Sigourney Weaver und Pedro Pascal). Doch das kennt man irgendwie bei der Goldjungen-Verleihung und hat damit zu leben gelernt. Es gibt schließlich genug schöne Momente, die dafür entschädigen.
Von "routiniert" bis "Was soll das?"
In einem guten Jahr gehört dazu der Eröffnungsmonolog. Für viele ist er sogar der Gradmesser schlechthin, ob eine Oscar-Show gelungen ist oder nicht. 2026 muss man da leider ein schulterzuckendes „Naja“ hinterlassen. Denn wie schon angesprochen konnte der gesamte Start nicht das Niveau des amüsanten Auftakts halten.
Da nahm O’Brien natürlich den auf der Hand liegenden Scherz mit, dass er der letzte menschliche Moderator der Show ist, bevor die KI übernehmen wird. Sehr routiniert wurden die üblichen Witze über die nominierten Filme und Stars gemacht, keiner war wirklich schlecht, aber auch keiner gut.
Sie waren aber so zahlreich, dass sich der Monolog doch ziemlich zog – zumal man am Ende noch auf eine verquere Idee kam. In einer Musical-Einlage ließ sich da O’Brien selbst einen Oscar verleihen und nebenbei als König salben. Es war wohl ein wenig als Seitenhieb auf den jede Auszeichnung am liebsten für sich beanspruchenden Donald Trump gedacht, aber ich fragte mich: „Was soll das?“ und „Wann geht‛s endlich mit den Awards los?“
Böse Witze beweisen, dass es O'Brien besser kann
Dabei ließ der TV-Moderator in seinem zweiten Jahr als Oscar-Gastgeber immer mal wieder aufblitzen, wie gut der Monolog sein könnte. Ein Witz gegen Ted Sarandos, dass dieser nun wohl zum ersten Mal in seinem Leben in einem „Theater“ sei, was im englischen auch „Kino“ bedeutet, hatte vor allem Wirkung, weil der Netflix-Boss mitmachte – und sich (fast schon etwas beunruhigend ausführlich) darüber kaputtlachte.
Richtig gelungen waren aber zwei Witze, die etwas Schärfe reinbrachten. So spottete der Moderator, dass Amazon keine einzige Oscarnominierung einheimsen konnte, um zu fragen: „Warum gewinnt die Webseite, von der ich mein Toilettenpapier bestelle, nicht mehr Oscars?“
Während da noch alle direkt loslachten, mussten bei einem Epstein-Joke einige heftig schlucken. Zum ersten Mal seit 2011 sind keine Schauspielenden aus Großbritannien nominiert, leitete O‛Brien mit etwas Oscar-Trivia seinen Witz ein, um dann die britische Stellungnahme dazu zu verkünden: „Aber zumindest verhaften wir unsere Pädophilen.“ Man merkte richtig, wie sich die Menge erst ein wenig sammeln musste und der Applaus hier deutlich verzögert kam. Für mich war es der mit Abstand stärkste Witz des Abends.
Mit einem ernsten Moment punktet O'Brien
Viel wurde ohnehin vorher darüber spekuliert, wie politisch die Oscars 2026 werden. Sie waren es deutlich weniger, als einige angesichts der aktuellen Lage in der Welt und den USA dachten - auch wenn Zwischentöne Teil mehrerer Dankesreden waren. Es gab deutliche politische Äußerungen aber vor allem von denen, bei denen man es erwarten durfte – in erster Linie von Moderator und Trump-Kritiker Jimmy Kimmel sowie Palästina-Unterstützer Javier Bardem, die jeweils Awards verliehen. Dass das Team des verdient mit dem Oscar für den besten Dokumentarfilm ausgezeichneten „Ein Nobody gegen Putin“ die Dankesrede auch für ein Statement nutzte, war ebenfalls logisch. Doch loben möchte ich hier O‛Brien.
Wie politisch er werden würde, war ein großer Diskussionspunkt. Größtenteils ließ er das Thema außen vor, auch wenn es über die Show hinweg immer wieder Anspielungen und Seitenhiebe gegen Donald Trump gab. Doch die besten Worte wählte der Moderator in der Eröffnungsrede, als er ankündigte kurz ernst zu werden.
Alle Zuschauenden auf der ganzen Welt seien sich bewusst, dass dies sehr chaotische, beängstigende Zeiten sind, erklärte er, um dann zu sagen, dass gerade in solchen Momenten die Oscars besondere Resonanz haben können. Dabei hob er hervor, wie international der amerikanische Filmpreis mittlerweile ist. 31 Länder von sechs Kontinenten seien über alle Kategorien vertreten. Jeder Film, der heute geehrt wird, sei das Ergebnis einer Zusammenarbeit von Menschen, die verschiedene Sprachen sprechen.
Es gehe daher auch darum, das Ideal globaler Kunstfertigkeit, Zusammenarbeit, Geduld und Widerstandsfähigkeit zu zelebrieren und vor allem eine weitere Sache: Optimismus. Man feiere daher nicht, weil man denke, alles da draußen sei gut, sondern weil man für eine bessere Zukunft arbeitet und auf diese hofft.
Am Ende bleibt von Conan O’Briens zweitem Oscar-Einsatz für mich ein gemischtes Bild zurück. Während der eigentliche Monolog oft zu routiniert und in seiner abschließenden Musical-Krönungs-Einlage fast schon befremdlich wirkte, waren es die mutigeren Momente, die hängen bleiben. Die giftigen Spitzen gaben die Schärfe, die einer solchen Show oft fehlen. Und dass er inmitten des Hollywood-Prunks kurz innehielt, um die Kraft der globalen Zusammenarbeit und den nötigen Optimismus in den Fokus zu rücken, war vielleicht sogar der beste Moment des Abends.
Alle Gewinner bei der Oscarverleihung 2026 gibt es derweil im folgenden Artikel:
Alle Gewinner der Oscars 2026: Das ist der beste Film des Jahres