Gegen Ende des Kalenderjahres flimmert er verlässlich über unzählige Bildschirme: Heinz Rühmann ist nicht zuletzt dank der Komödie „Die Feuerzangenbowle“ über einen erwachsenen Scherzkeks, der sich als jugendlicher Lausbube ausgibt, Jahrzehnte nach seinem Ableben populär. Doch man kann heute rasch aus den Augen verlieren, wie populär er in der Hochphase seiner Karriere war: Allein 1956 spielte er in zwei Filmen die Hauptrolle, die in Westdeutschland jeweils mehr als 14 Millionen Kinobegeisterte erreichten!
1960 wiederum lockte Rühmann mit der Militärkomödie „Der brave Soldat Schwejk“ über 10,8 Millionen Menschen in die hiesigen Kinos. Diesem herausragenden Ergebnis zum Trotz ist die satirisch-ulkige Romanverfilmung derzeit in keinem Streamingabo zu finden und auch auf keiner Plattform als Leih- oder Kauf-VOD verfügbar.
Das heißt aber nicht, dass ihr bangend auf eine TV-Wiederholung oder eine Kino-Wiederaufführung hoffen müsst, wenn ihr den Erfolgsfilm sehen möchtet. Denn „Der brave Soldat Schwejk“ ist auf Blu-ray erhältlich.
Alternativ könnt ihr den leider weitestgehend in Vergessenheit geratenen Klassiker noch bis zum 28. März 2026 in der ARD-Mediathek abrufen. Darüber hinaus ist seine Romanvorlage, „ Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk“ von Jaroslav Hašek, ganz leicht im Handel zu finden – beispielsweise bei Amazon*.
Darum geht es in "Der brave Soldat Schwejk"
Josef Schwejk (Heinz Rühmann) ist ein böhmischer Überlebenskünstler par excellence. Als dem Hundehändler etwa Majestätsbeleidigung unterstellt wird, kann er aufgrund seines Verhaltens dem Zuchthaus entkommen – die Ärzte sind sich völlig uneinig, ob er nicht zurechnungsfähig oder ein mieser Simulant ist! Doch als 1914 der Weltkrieg ausbricht, wird auch er in die Armee von Österreich-Ungarn eingezogen.
Aufgrund seines Rheumas wird er jedoch bloß als Offiziersbursche dem Oberleutnant Lukasch (Ernst Stankovski) zugeteilt, der vom Kartenspielen und Anschmachten diverser Frauen weitaus mehr hält als vom Gedanken, an die Front zu gehen. Das Leben könnte so entspannt und sicher sein, unterliefe Schwejk nicht eines Tages ein schwerer Fehler ...
Zu unbedarft oder zu schlau für den Krieg? Egal! Hauptsache: Pazifist!
... aber auch im Zuge dieses Missgeschicks bleibt Schwejk seinem Umfeld, das ein straffes Regiment und den Krieg befürwortet, ein Rätsel: Immer und immer wieder wird er für einen Fauxpas oder ein kleines Unglück auf eine Art und Weise bestraft, die ihm bloß die Gelegenheit gibt, erneut harten, weitere Menschen in Mitleidenschaft ziehenden Konsequenzen und dem brutalen Ernst des Lebens zu entgehen.
Die nicht nur Schwejks Feinde und Freunde-wider-Willen, sondern ebenso das Publikum auf Trab haltende Frage lautet: Ist Schwejk einfach zu naiv und tollpatschig, um als Zahnrad im Kriegsgetriebe zu fungieren – oder ist er womöglich ein raffinierter, die Obrigkeit an der Nase herumführender Schelm, der täuschend echt einen auf entwaffnend-unfähig macht?
Gewiss: Drehbuchautor Hans Jacoby (der auch den herausragenden Krimi „Es geschah am hellichten Tag“ mitverfasst hat) drosselt ein wenig die Schärfe der in der Vorlage skizzierten Szenarien. Und unter der Regie des „Der Gauner und der liebe Gott“-Machers Axel von Ambesser dominiert in den Wortgefechten sowie im Verlauf von Schwejks Pannen/Geniestreichen zumeist eine leichtfüßige Quirligkeit. Der Biss, der Hašeks Schreibe ausmacht, kommt nur gelegentlich zum Zuge.
Dennoch ist „Der brave Soldat Schwejk“ eine ebenso charmante wie unmissverständliche Absage gen Militärfetisch und Kriegsgehabe: Rühmanns dusseliger Glückspilz, der auch ein ebenso unauffälliger wie wirksamer Kämpfer gegen Obrigkeitshörigkeit sein könnte, regt analog zur zeitlosen „Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin“-Parole den ebenfalls friedlichen Tagtraum „Stell dir vor, es ist Krieg und die paar, die hingehen, stehen ihm verwirrt lächelnd und wirksam im Weg“ an.
Das fand Anfang der 1960er, sicherlich nicht zuletzt dank Rühmanns liebenswerter, vieldeutiger Lausebengel-Ausstrahlung, sogar international Anklang: „Der brave Soldat Schwejk“ wurde als bester nicht-englischsprachiger Film für einen Golden Globe nominiert! Und damit hat er etwas mit dem folgenden, aktuelleren (und klanggewaltigen!) Heimkino-Tipp gemein:
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