Bei den Filmfestspielen von Cannes sorgte dieser ungewöhnliche Genremix für Furore: „Sirāt“ ist teils deftig wummernder Partyfilm, teils Thriller über eine Vermisstensuche, teils Roadmovie-Drama über einen Vater und einen Sohn, die sich einer unzertrennlichen Gruppe an Rave-Begeisterten anschließen und teils dystopisch ausufernde, filmische Reflexion über Ekstase und Endlichkeit.
Das wurde in Cannes mit dem Preis der Jury, darf sich beim Europäischen Filmpreis auf Auszeichnungen in neun Kategorien Hoffnungen machen und kann nun euer Heimkino zum Beben bringen. Denn seit kurzer Zeit ist „Sirāt“ auf DVD und Blu-ray erhältlich!
Auf DVD und Blu-ray gibt es als Bonusmaterial Interviews mit Regisseur Óliver Laxe sowie mit DJ Kangding Ray, der die Musik zum Film verantwortet hat. Falls ihr darauf sowie auf das physische Element verzichten könnt, habt ihr die Option, „ Sirāt“ als VOD zu beziehen – etwa via Amazon Prime Video*.
Darum geht es in "Sirāt"
Eine eingeschworene Gemeinde aus Musikbegeisterten befindet sich auf der Suche: Auf einem Rave vor den Bergen Südmarokkos sehnen sie sich nach völliger, sämtliche Sehnsüchte hinfort wummernder Ekstase. Parallel dazu befinden sich auch der fast 60 Jahre alte Luis (Sergi López) und sein zwölfjähriger Sohn Esteban (Bruno Núñez Arjona) auf der Suche.
Mar, Luis' Tochter und Estebans Schwester, ist auf einem anderen, berauschenden Elektromusik-Happening verschwunden. Daher zeigen sie mit flehendem Blick Mars Foto herum, während sich das Partyvolk dem Bass hingibt – und dem, wozu er ihren Körper antreibt. Die Hoffnung schwindet, dennoch folgen Vater und Sohn den Feierwütigen zu einer weiteren Party. Es beginnt eine Reise durch Schmerz, Stille und Solidarität vor finsterem Hintergrund...
Der Tanz zwischen Hölle und Paradies: Ein Beat entlang Sorglosigkeit und mangelnder Vorsicht
Wie eine Texttafel zu Beginn von „Sirāt“ erklärt, beschreibt der Filmtitel im Arabischen einen schmalen Pfad, der über die Hölle führt und auf dem Weg zum Paradies überquert werden will. Einen tänzerischen Drahtseilakt über dem Vulkan, sozusagen – und den illustriert Regisseur Óliver Laxe famos:
In rohen, hypnotischen 16mm-Bildern zeigt er imposante Lautsprecher-Burgen, eine sich dem steten Rhythmus hingebende, zur Gemeinschaft verschmelzende Truppe aus körperlich höchst individuellen Menschen, und stoisch als Resonanzkörper auf den Rave herabblickende Berge. Weite, unendlich anmutende Meere aus Sand. Und sich mit variierendem Erfolg gegen alle Widrigkeiten stemmende, verstaubte Kraftwagen, als sei dies ein von grummelnder Musik unterlegtes Arthouse-„Mad Max: Fury Road“, in dem Verlust, Sinnsuche und zufällig-tröstliche Geselligkeit an Stelle von Kampf, Verfolgung und Abscheu treten.
Wie es sich für einen Film gehört, der nach dem schmalen Pfad benannt ist, der vorbei am Inferno zum Paradies führt, lässt Laxe in „Sirāt“ nur wenig Raum zwischen Grauen und Euphorie, Kräfte zehrendem Elend und Geborgenheit. Es ist rührend, wie widerstandslos sich das spießig wirkende Vater-Sohn-Gespann mit der von Laien verkörperten Quasi-Kommune zur Ersatzfamilie vereinen lässt. Es inspiriert, wie uneigennützig sie nach kurzen Startschwierigkeiten füreinander da sind, um körperliches und mentales Elend zu durchstehen.
Dennoch ist dieser von Solidarität und Gemeinschaftsgefühl durchzogene Film ein ans Nervenkostüm gehender Thriller, in dem lange Dürreperioden der Ausweglosigkeit, abrupte Schicksalsschläge und bedrohlich in der Luft wabernder Tumult für banges Gemüt sorgen. „Sirāt“ wird somit auch zum Film darüber, wie schmal der Grat zwischen Befreiungsschlag und Fehltritt ist. Mit einem Wimpernzucken kannst du dich aus dem tiefen Tal des Wehmuts befreien und eine Gemeinde finden, die dir Rückhalt und Antrieb gibt, während sie dich von erdrückenden Sorgen erlöst. Doch ein kleiner, falscher Schritt zu viel, und dir fliegen Ignoranz und Gleichgültigkeit gegenüber den Bedrohungen dieser Welt um die Ohren. Wo der richtige Pfad liegt, weißt du leider oft erst hinterher...
Und auch in unserem folgenden Heimkino-Tipp geht es um Musik, die durch Mark und Bein geht, beflügelnde Lebensfreude, eine feindselige Welt sowie schmerzliche Fehleinschätzungen:
Ab heute erstmals im Streaming-Abo: Einer der besten Filme des Jahres ist nicht nur für Horror-Fans ein absolutes Muss!*Bei den Links zum Angebot von Amazon handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links oder beim Abschluss eines Abos erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.