"Allein im Finale haben wir mehr als 370 Liter Kunstblut benötigt": Die "Ready Or Not 2"-Regisseure im großen FILMSTARTS-Interview!
Susanne Gietl
Susanne Gietl
-Freie Autorin
Susanne Gietl ist freie Kulturjournalistin und lebt in Berlin. Sie liebt es, mit Kunstschaffenden in Interviews und Publikumsgesprächen über ihre Arbeit zu sprechen. Sie fühlt sich bei Arthouse-Filmen zu Hause, traut sich dafür aber selten in Horrorfilme.

Das Versteckspiel geht weiter. Nachdem sie zwischendrin bei „Scream 5“ und „Scream 6“ die Regie übernommen haben, bringen Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett sieben Jahre nach ihrem Horror-Hit „Ready Or Not“ jetzt die Fortsetzung in die Kinos …

In „Ready Or Not“ verkörpert Samara Weaving eine Braut, die in der Hochzeitsnacht feststellen muss, dass die Familie ihres Gatten einen Pakt mit dem Teufel eingegangen ist. Die Folge war ein Versteckspiel auf Leben und Tod, das sie als einzige Überlebende bis zum Sonnenaufgang durchgestanden hat. Aber wie sich jetzt in „Ready Or Not 2“ herausstellt, war das nur der Anfang …

Der Cast des Sequels liest sich wie das Who’s Who des Horror-Genres: Nicht nur ist Kathryn Newton („Abigail“) als Schwester der Protagonistin neu dabei, mit Sarah Michelle Gellar („Buffy“), Elijah Wood („Maniac“), Shawn Hatosy („The Faculty“) und Kevin Durand („The Strain“) ist auch die neue Jagdgesellschaft namhaft besetzt. Sogar Kultregisseur David Cronenberg („Die Fliege“) gibt sich in einer kleinen Rolle die Ehre. Da muss das Regieduo Tyler Gillett und Matt Bettinelli-Olpin echt stolz auf seinen Cast gewesen sein – und nun steht es FILMSTARTS-Autorin Susanne Gietl Rede und Antwort:

FILMSTARTS: Stimmt es, dass euch die Fortsetzung von „Ready Or Not“ nervöser gemacht hat, als die Regie der „Scream“-Reihe vom verstorbenen Wes Craven zu übernehmen?

Tyler Gillett: Beides hat uns Angst gemacht. Aber so herausfordernd die Produktion der „Scream“-Filme auch ist, weil man die Fans zufriedenstellen will und selbst Fan ist – zumindest gab es da eine Art Blaupause. Das ist bei der Fortführung von „Die Mumie“ [Anm. d. Red.: die beiden drehen aktuell „Die Mumie 4“] recht ähnlich. „Ready Or Not“ war hingegen unser erster gemeinsamer Film und hat unser Leben tiefgreifend verändert. Angesichts der Reaktionen der Fans und unserer Crew, mit der wir seitdem zusammenarbeiten, haben wir eine ganz besondere Verantwortung gespürt. Deshalb lastete auf uns viel mehr Druck.

„Ready Or Not 2“ ist nach „Ready Or Not“, „Scream 5 + 6“ und „Abigail“ bereits der fünfte gemeinsame Horrorfilm von Tyler Gillett und Matt Bettinelli-Olpin. 2026 Searchlight Pictures All Rights Reserved.
„Ready Or Not 2“ ist nach „Ready Or Not“, „Scream 5 + 6“ und „Abigail“ bereits der fünfte gemeinsame Horrorfilm von Tyler Gillett und Matt Bettinelli-Olpin.

FILMSTARTS: Nach „Ready Or Not“ und „Abigail“ ist das jetzt euer dritter eigener Stoff, in dem ihr ein ordentliches Blutbad veranstaltet. Von wie viel Kunstblut sprechen wir bei „Ready Or Not 2“?

Tyler Gillett: Es waren mehr als 1.200 Liter Blut – allein im Finale haben wir über 370 Liter Kunstblut benötigt. Wir haben 14 riesige Kanonen unter dem Boden des Sets eingesetzt, die dann das Blut in die Luft geschossen haben. Da wir mittlerweile für die schiere Menge an Blut ein wenig berühmt geworden sind, haben wir uns bemüht, die Erwartungen des Publikums zu unterlaufen, warum und wie es jedes Mal passiert. Es macht Spaß, dass wir uns dabei jedes Mal selbst übertreffen wollen.

FILMSTARTS: … genau dieses Ende spielt in einer Kirche. War die echt?

Tyler Gillett: Die letzte Szene wurde in St. Gilles, einer verlassenen Kirche außerhalb von Toronto gedreht. Dort hatte eine frühere Filmproduktion einen großen Aufwand betrieben, um den Innenraum möglichst verfallen wirken zu lassen. Und dann, als COVID kam, sind sie nie wieder zurückgekehrt. Bei unserer Besichtigung sah es dort aus wie nach einer Apokalypse.

Matt Bettinelli-Olpin: Das war verdammt beängstigend. Der Boden war mit Spritzen übersät.

Tyler Gillett: Wir wollten, dass sich der Raum wie eine unterirdische Kathedrale anfühlt, deshalb haben wir die Fenster abgedeckt. Dann haben wir eine 2,40 Meter hohe Bühne für die Zeremonie gebaut, weil wir die Ziegengrube vor Ort haben wollten und unsere Figuren diesen Raum tatsächlich betreten sollten.

Auch „Ready Or Not“-Neuling Kathryn Newton muss schnell feststellen: Es wird wieder blutig! Disney und seine verbundenen Unternehmen
Auch „Ready Or Not“-Neuling Kathryn Newton muss schnell feststellen: Es wird wieder blutig!

FILMSTARTS: Bei einem Publikumsgespräch im Lincoln Center war Andie MacDowell sehr gerührt, als sie über den Dreh ihres ersten Horrorfilms „Ready Or Not“ gesprochen hat. Dieses Mal ist das gesamte Ensemble genreerfahren. Das macht sicher einen Unterschied, oder?

Matt Bettinelli-Olpin: Es hat extrem viel Spaß gemacht, weil wir gemeinsam dasselbe Ziel verfolgt haben. Jeder wusste genau, worauf er sich einlässt. Da wir selbst schon lange Fans von all unseren Schauspielern waren, war es wirklich aufregend zu sehen, wie sie Dinge tun, die wir so noch nicht von ihnen gesehen haben.

Tyler Gillett: Das gilt nicht nur für David Cronenberg, sondern auch für Shawn Hatosy, Elijah Wood, Sarah Michelle Gellar und Kevin Durand – also für die Leute, die man schon aus anderen Genre-Filmen kennt. Irgendwann hatte Sarah zum Beispiel eine Armbrust in der Hand und meinte: „Oh, das ist einfach so Buffy!“ Sie hatte total recht! Also haben wir beschlossen: „Lass uns so etwas wie deine persönliche Markenwaffe finden – etwas Neues, Cooleres, Einzigartiges!“ Und sie hat sofort mitgemacht.

FILMSTARTS: Das ist wirklich ein Traumensemble für Horror- und Fantasy-Fans. Gibt es versteckte Anspielungen auf Filme der Cast-Mitglieder?

Tyler Gillett: Ja, aber sie sind alle unbeabsichtigt. Einer der Gründe, warum wir von jedem und von jeder Rolle so begeistert waren, war unsere Vertrautheit mit dem, was die Schauspieler bisher gemacht haben. Es ist toll, wenn im Film kleine Wiedererkennungsmomente durchblitzen, selbst wenn wir sie nicht geplant haben – etwa, wenn Sarah Michelle Gellar auf Samara Weaving einsticht oder wenn Elijah Wood den Ring hält!

Sogar Kultregisseur David Cronenberg („Crash“) schaut für ein kurzes Gastspiel in „Ready Or Not 2“ vorbei. Disney und seine verbundenen Unternehmen
Sogar Kultregisseur David Cronenberg („Crash“) schaut für ein kurzes Gastspiel in „Ready Or Not 2“ vorbei.

FILMSTARTS: Was war der prägnanteste Moment während der Dreharbeiten zu „Ready Or Not 2“?

Matt Bettinelli-Olpin: Die Szene im Clubraum ist eine der verrücktesten, weil wir die gesamte Besetzung in einem Raum hatten. Da ist einfach so viel los. Es gab so viel Handlung und so viel Persönlichkeit, die man durch die Figuren vermitteln musste. Eigentlich stehen in der Szene alle nur still oder sitzen rum, aber es ist eine aktive Szene.

Tyler Gillett: Es hat uns wirklich viel abverlangt, weil man sich bei ruhigen Szenen hinter nichts verstecken kann.

Matt Bettinelli-Olpin: Wir mussten das richtig hinbekommen, weil das der Moment ist, in dem der Film richtig in Fahrt kommt. Alle haben sich voll reingestürzt und echt abgeliefert. Samara und Kathryn sind an Stühle gefesselt und brüllen. Samara hat die ganze Zeit gekeucht, war außer Atem und hat geschrien. Als sie ihren Teil der Aufnahmen im Kasten hatte, haben alle gejubelt. Es war ein wirklich großer Moment für uns.

Tyler Gillett: Es war in vielerlei Hinsicht ein besonders schwieriger Dreh. Nicht ohne Grund hatte Elijah als Teufelsjurist acht, neun Seiten Dialog und Regeln, die er voller Nuancen und Erzählkunst so rüberbringen musste, dass es fesselnd und interessant bleibt, und nicht einfach nur ein: „Okay, hier ist die Gebrauchsanweisung zum Film.“

Fast der gesamte Cast von „Ready Or Not 2“ in einer Szene vereint: Das war natürlich aufregend – aber auch ganz schön chaotisch. Disney und seine verbundenen Unternehmen
Fast der gesamte Cast von „Ready Or Not 2“ in einer Szene vereint: Das war natürlich aufregend – aber auch ganz schön chaotisch.

FILMSTARTS: „Ready or Not 2“ überzeugt durch Tempo und Timing. Kann man sich die Dreharbeiten auch so vorstellen?

Matt Bettinelli-Olpin: Es ist einfach ein guter Vibe. Unsere Filme sind düster und gruselig, aber es macht wirklich Spaß, sie zu drehen. Die Leute machen die verrücktesten Sachen, springen in Gruben und bekämpfen sich, weil es die Geschichte so verlangt. Letztendlich liegt unser Fokus immer darauf, so nah wie möglich an der Figur zu bleiben und eine Erfahrung mit ihr zu teilen.

Tyler Gillett: Wir sind in 30 Drehtagen zehnmal mit der gesamten Crew umgezogen. Zusätzlich gab es noch neun Miniatur-Umzüge, was absoluter Wahnsinn ist, wenn man bedenkt, was alles hätte schiefgehen können! Unsere Fehlertoleranz war aufgrund unseres Zeitplans und unseres Budgets so gering, dass es bei Weitem der schwierigste Film war, den wir je gedreht haben. Alle wollten gemeinsam das Beste schaffen, weil sie aus Liebe zu dem Projekt zugesagt hatten. Diese Energie war jeden Tag am Set spürbar.

„Ready Or Not 2“ läuft seit dem 9. April 2026 in den deutschen Kinos – und aus diesem Anlass sprechen wir auch in der aktuellen Folge des FILMSTARTS-Podcasts Leinwandliebe über das erneut saublutige Horror-Sequel:

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