Vor 44 Jahren trat sie in einem Kriegsfilm als Mann auf und erhielt dafür einen historischen Oscar: Die außergewöhnliche Karriere von Linda Hunt
Björn Schneider
Björn Schneider
-Freier Autor
Seit Björn als Kind „Spiel mir das Lied vom Tod“ und „Hook“ gesehen hat, ist er vom Medium Film und seinen (audio-)visuellen Möglichkeiten fasziniert. Am liebsten schaut er Horror, Western, Mystery und Thriller. Musicals und romantische Komödien kosten ihn allerdings Überwindung.

Um zu den Großen zu gehören braucht es eine beachtliche Körperstatur? Von wegen! Dass allein Talent zählt, bewies niemand eindrucksvoller als Linda Hunt mit ihrem Oscar-Sieg 1984. Mit diesem Triumph stellte sie einen bis heute gültigen Rekord auf.

Manchmal sind die allerkleinsten die Allergrößten, das gilt auch für Schauspielerinnen und Schauspieler in Hollywood. Zu den „größten Kleinen“ der Traumfabrik zählt seit mehr als 50 Jahren der 1,52 Meter große Danny DeVito („Der Rosenkrieg“, „Beetlejuice Beetlejuice“). Etwa 15 Zentimeter kleiner ist Peter Dinklage, der durch seine Rolle als Tyrion Lannister in der Kult-Serie „Game Of Thrones“ Weltruhm erlangte.

Zu kleinsten Darstellerinnen gehören die 1,53 Meter große Hayden Panettiere („Scream“), die vor allem für ihre Darstellung der Wednesday in den „Addams Family“-Filmen gefeierte Christina Ricci (1,55 m) und Linda Hunt (1,45 m). Die kürzlich 81 Jahre alt gewordene Hunt zählte in den 1980er- und 1990er-Jahren zu den profiliertesten und gefragtesten Nebendarstellerinnen in Kino und TV.

Zu verdanken hatte die sie dies ihrem Oscar-Gewinn 1984 für ihre Nebenrolle in „Ein Jahr in der Hölle“. Dieser Triumph war sogar historisch. Denn zum ersten – und bisher einzigen – Mal gewann eine Frau für die Darstellung einer männlichen Figur einen Academy Award!

Starbesetztes Abenteuer-Drama: Das ist "Ein Jahr in der Hölle"

Mit seinem exzellent bebilderten sechsten Spielfilm schuf Peter Weir („Gallipoli“) 1983 einen heute zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Klassiker, der gekonnt Versatzstücke des Kriegs- und Abenteuerfilms mit dramatischen und romantischen Elementen verbindet. Der drei Jahre zuvor durch „Mad Max“ zum Star gewordene Mel Gibson schlüpft darin in die Rolle des Auslandskorrespondent Guy Hamilton, der Mitte der 60er-Jahre nach Indonesien entstand wird. Er soll von dort über die politischen Wirren zwischen Regierung, Kommunisten und Militär berichten.

Ein Jahr in der Hölle
Ein Jahr in der Hölle
Starttermin 27. Mai 1983 | 1 Std. 55 Min.
Von Peter Weir
Mit Mel Gibson, Sigourney Weaver, Linda Hunt
User-Wertung
3,2

Vor Ort erwartet Hamilton nicht nur eine Mauer des Schweigens, sondern auch die unerwartete große Liebe in Person der britischen Botschaftsangestellten Jill (Sigourney Weaver). Ihre Beziehung wird im Hexenkessel der Hauptstadt Djakartas zu einem lebensbedrohlichen Abenteuer. Unterstützung erhält Hamilton vom chinesisch-australischen Fotoreporter Billy Kwan (Hunt), der den ehrgeizigen Jung-Journalisten mit der indochinesischen Kultur vertraut macht.

Hunts auf das genetisch bedingte Turner-Syndrom zurückzuführende Kleinwüchsigkeit erwies sich kurz vor ihrem weltweiten Durchbruch nicht als Hindernis oder nachteilig – im Gegenteil. Regisseur Weir schwebte für die Rolle des Fotografen Kwan bewusst ein kleinwüchsiger Mann vor. Der australische Filmemacher hatte bei der Sichtung der Casting-Unterlagen zunächst keine Ahnung, dass sich hinter dem Namen „L. Hunt“ eine Frau verbarg. Doch Hunt, die zuvor fast ausschließlich als Theater-Schauspielerin in Erscheinung getreten war, überzeugte Weir schließlich mit ihrem Charisma und ihrer eindringlichen, sonoren Stimme.

Linda Hunts Erfolge in Kino und TV

Und nicht nur Weir war angetan von seiner Nebendarstellerin. Hunt spielte ihren männlichen Part im Film schließlich so glaubwürdig, dass viele Kritiker und Zuschauer nicht bemerkten, dass eigentlich eine Frau Billy Kwan verkörpert. Der Lohn: ein Oscar als Beste Nebendarstellerin. Für sie war es der Start in eine erfolgreiche, über 35 Jahre andauernde Hollywood-Karriere.

Zu ihren bekanntesten Filmen gehören David Lynchs Sci-Fi-Epos „Dune – Der Wüstenplanet“, die Western „Silverado“ und „Maverick“ sowie die Kult-Komödien „Die Teufelin“ und „Kindergarten Cop“. Daneben spielte Hunt in einigen Serien-Hits mit („Without A Trace“, „Navy CIS: Los Angeles“) und arbeitete viele Jahre erfolgreich als Synchronsprecherin. Ihn ihrem bis heute letzten Kinofilm (2018) war sie ebenfalls nur zu hören: In „Solo: A Star Wars Story“ lieh sie der Antagonistin Lady Proxima ihre markante Stimme.

„Kindergarten Cop“ von 1990 zählt mit einem Box Office von über 200 Millionen Dollar zu den größten Erfolgen von Hunt. In der Action-Komödie ist sie an der Seite von „Terminator“ Arnold Schwarzenegger zu sehen. Dieser hatte zwei Jahre zuvor erstmals sein komödiantisches Talent auf der großen Leinwand unter Beweis gestellt. Es ist der Film, mit dem der Action-Superstar so viel Geld verdient hat wie mit keinem anderen seiner Kassenerfolge – und das war auch dem kongenialen Zusammenspiel mit Co-Star Danny DeVito zu verdanken:

"Mehr als mit jedem anderen Film": Mit diesem 1980er-Kulthit hat Arnold Schwarzenegger das meiste Geld verdient

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